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Einfach mal Anfangen: Drei Jugendliche über ihren Einsatz für eine bessere Welt




[pullquote] Fangt einfach mal an! [/pullquote]

- Nisha, 19, setzt sich bei Fridays for Future ein

Großes Engagement: Nisha setzt sich bei Fridays for Future für klimapolitische Ziele und gegen die Erderwärmung einDu unterstützt Fridays for Future seit der Gründung. Wie kam es dazu? Letzten November habe ich eine Nachricht von einer Freundin bekommen mit der Frage, ob ich Greta Thunberg kenne und ob wir nicht am nächsten Tag einen Schulstreik starten wollen. Und so standen wir an einem Freitag zu fünft, mit selbst gemalten Schildern, unangemeldet auf dem Weihnachtsmarkt. Seitdem haben wir nicht wieder aufgehört.Wann macht dich dein Einsatz stolz? Das Ziel der Bewegung – das Aufhalten der Klimakrise – haben wir noch nicht erreicht, aber immerhin sprechen die Menschen darüber. Die Klimakrise ist zu einem wichtigen Thema geworden. Und natürlich machen mich die großen Demonstrationen stolz. Da sind so viele, besonders junge Menschen, die ernsthaft Verantwortung übernehmen. Das ist heute leider nicht selbstverständlich.Warum liegt es gerade an jungen Menschen, sich zu engagieren?Es ist die Aufgabe von uns allen, die Welt mitzugestalten. Gerade wir Jungen bringen immer neue Ideen in das politische Geschehen und zeigen, dass wir die Welt verändern möchten. Daher haben wir das Recht mitzusprechen. Und das ist so wichtig, denn wir werden oft überhört, obwohl wir so viel zu sagen haben. Glaubst du, dass man als Einzelner etwas verändern kann? Jeder und jede kann was bewegen. Wenn wir zurückdenken: Gandhi war zum Beispiel auch nur ein Mensch von sehr vielen. Eine Person muss den Anfang machen. Jeder und jede kann einen Schritt wagen, egal wie groß oder klein der ist. Was möchtest du Jugendlichen sagen, die noch nicht wissen, wie sie sich engagieren können?Fangt einfach mal an. Ich wusste am Anfang auch gar nichts und hab einfach gestartet. Ein guter Tipp ist auch, Gleichgesinnte zu finden, mit denen du was bewegen kannst. Und dich dann zu fragen: Was macht mir Spaß? Bei uns im Team kümmern sich die einen um Social Media, die anderen fotografieren oder helfen beim Organisieren. Du kannst Workshops halten, Kontakte knüpfen, Forderungen ausarbeiten. Es gibt so viele unterschiedliche Aktionsformen für unterschiedliche Menschen. Nisha engagiert sich in mehreren Bereichen, ihr Herzensthema ist aber der Umweltschutz. Seit rund einem Jahr steht sie jede Woche bei den Fridays-for-Future-Demos auf den Straßen, organisiert sie mit und ist Pressesprecherin. Ziel der Bewegung ist es, die Erderwärmung einzudämmen. [pullquote] Jeder soll angstfrei lernen können! [/pullquote]

- Jamila, 19, engagiert sich für Bildung

Großes Engagement: Jamilia setzt sich für bessere Bildung einIn der fünften Klasse hast du gemerkt, dass Schule dich richtig unglücklich macht ...Genau. Ich bin oft nachts wach gelegen, weil ich Angst hatte, die Hausaufgaben vergessen zu haben. Ich hatte das Gefühl, ich werde nicht als Mensch gesehen, sondern nur als Note. Mir wurde klar, dass dieser Leistungsdruck, das ständige Bewertetwerden, mich entmutigen. So wollte ich nicht lernen.Wie sieht denn eine Schule aus, an der man gerne lernt?Sie zeigt dir, was du alles schon richtig gut machst, und nicht immer nur, was du noch nicht kannst. Denn dadurch verlieren wir doch unsere Motivation. An meiner späteren Schule haben wir zusätzlich zu den Noten Zertifikate bekommen, dort war aufgeführt, was wir richtig gemacht haben. Und für die Bereiche, in denen es noch holpert, bekommen die Schüler konstruktive Kritik. Wann macht dich dein Einsatz stolz?Wenn ich eine ganz konkrete Veränderung erreichen kann. Zum Beispiel hat neulich eine Schule, die Erzieher ausbildet, nach meinem Besuch dort eine Schulversammlung eingeführt. Das heißt, alle treffen sich einmal pro Woche und jeder kann sein Anliegen vorbringen. Die gleiche Schule diskutiert auch schon freiere Lernformate und hat eingeführt, dass jeder Schüler ein Logbuch führt. Gibt es auch Momente, in denen du dich infrage stellst?Ja, klar. Manchmal kommen mir die Schritte, mit denen es nach vorn geht, winzig klein vor. Und ich frage mich dann, ob ich überhaupt etwas bewegen kann. Aber dann sage ich mir: Auch kleine Schritte machen einen Unterschied, solange man sie in die richtige Richtung tut. Warum ist es so wichtig, dass sich junge Menschen engagieren?Wenn sich jeder von uns nur einmal pro Woche eine Stunde Zeit nimmt und demonstrieren geht, oder sich um einen Nachbarn kümmert, könnte man noch so viel mehr verändern auf der Welt. Aber ich denke, dass meine Generation schon sehr viel richtig macht und auf jeden Fall ein Bewusstsein dafür hat, was schiefläuft.Jamila setzt sich in der Initiative Schule im Aufbruch für einen Unterricht ohne Leistungsdruck ein. Ihre Schulerfahrungen hat sie in einem Buch beschrieben. 2019 hat sie Abitur gemacht. Sie arbeitet als Coach, Trainerin und Referentin. Um noch besser verstehen zu können, was Menschen umtreibt, will sie Psychologie studieren.[pullquote] Wir müssen uns umeinander kümmern! [/pullquote]

- Emilio, 17, hilft anderen in seiner Freizeit als Schulsanitäter

Großes Engagement: Emilio möchte als Schulsanitäter anderen helfen und setzt sich für mehr Mitsprache einWas macht eigentlich ein Schulsanitäter?Wir werden beispielsweise gerufen, wenn sich ein Schüler verletzt, Atemnot bekommt oder ohnmächtig wird. Wir leisten dann die Erstversorgung vor Ort, für die wir ausgebildet sind, und wägen ab, ob ein Krankenwagen gebraucht wird. Wir vermitteln aber auch bei Schulproblemen oder ermutigen Mitschüler, sich einem Vertrauenslehrer anzuvertrauen.Du leitest den Sanitätsdienst an deiner Schule sogar – ganz schön viel Verantwortung für einen 17-Jährigen …Das stimmt, aber ich bin da hineingewachsen. Anfangs hatte ich mich eigentlich nur für ein Unterrichtsprojekt als Schulsanitäter gemeldet. Ich habe dann ziemlich schnell gemerkt, dass es mir Spaß macht, mich für andere einzusetzen und Ansprechpartner für meine Mitschüler zu sein. Ich bin dann zu einem Treffen der Johanniter-Unfall-Hilfe gegangen und ziemlich schnell war klar, dass ich dort mitmachen will. Was hat dir denn bei den Johanniter-Jugend so gut gefallen?Am meisten eigentlich das Gemeinschaftsgefühl. Ich habe inzwischen auch eine Ausbildung zum Jugendleiter gemacht und organisiere Workshops und Freizeiten für Kinder und Jugendliche mit. Es ist einfach ein tolles Gefühl, zusammen mit anderen so etwas auf die Beine zu stellen. Diesen Sommer habe ich das Sommercamp an der Ostsee mitbetreut und als die Kinder am letzten Abend zum Teil geweint haben, weil es so schön war und sie nicht heim wollten, war das einfach ein Gänsehautmoment.Wie vereinbarst du deinen Einsatz und die Schule?Ganz ehrlich, ich habe als Sanitäter und Jugendleiter schon mehr gelernt als in meiner gesamten Schulzeit. Nämlich, dass wir nicht allein auf der Welt sind und uns umeinander kümmern müssen. Bei den Freizeiten bin ich für eine Gruppe von zehn Kindern zuständig. Ich glaube, einen besseren Weg, Verantwortung zu übernehmen und Selbstvertrauen zu entwickeln, gibt es nicht. Ach: Und Veranstaltungen planen und organisieren kann ich jetzt auch.Was würdest du Gleichaltrigen sagen, die noch nicht so selbstbewusst sind?Traut euch, den Mund aufzumachen und laut zu werden. Es geht um eure Zukunft, ganz egal ob es um Kinderrechte oder Umweltschutz geht. Damit die Stimmen von jungen Menschen in Zukunft noch mehr gehört werden, setzen wir uns bei den Johannitern auch dafür ein, dass Politik für Jugendliche zugänglicher gemacht wird. Ich persönlich wäre ja für ein Wahlrecht ab 16.Die Johanniter-Unfall-Hilfe ist eine christliche Hilfsorganisation. Um sich dort zu engagieren, musst du aber keiner bestimmten Glaubensrichtung angehören. Damit Gegner von demokratischen Gedanken keine Plattform bekommen, hat die Johanniter-Jugend die Online-Kampagne #demokratieretter gegründet. Infos, wie du mitmachen kannst, findest du hier:  www.johanniter.de/nc/die-johanniter/johanniter-unfall-hilfe/ueber-uns/startseite
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