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Ein Like fürs Leben: Der Einfluss der Influencer




Montagmorgen, 7.15 Uhr, 8 Grad draußen, Himmel grau. Wie du beim Scrollen durch Instagram siehst, scheint in L. A. gerade die Sonne. Deine liebste Influencerin postet Bilder von ihrem Beachwear-Shooting für eine coole Surfermarke, die du selbst gern im Schrank hättest. Ein YouTuber zeigt im Fitnessstudio seine neue Morgenroutine, ein anderer stellt sich eine vegane Müsli-Bowl zusammen und startet parallel den Aufruf, sich stärker für den Tierschutz zu engagieren. Du musst jetzt in die Schule. Am Nachmittag willst du zum Streetdance. Schnell noch das Pausenbrot in die Tasche werfen und los geht’s! Vielleicht lässt sich später ein cooles Foto für den eigenen Account schießen. Sonst ist außer Hausaufgaben nicht viel los heute, während die Influencerin weiter nach Paris jettet und der YouTuber einen Haul mit nachhaltigen Pflegeprodukten angekündigt hat. Manchmal ist das alles inspirierend, manchmal macht es dich neidisch. Normal ist, dass das Leben der anderen nicht spurlos an dir vorübergeht.

Der Influencer von nebenan

Am Leibniz-Institut für Medienforschung│Hans-Bredow-Institut (HBI) untersucht Dr. Claudia Lampert, wie digitale Medien unsere Lebenswelt beeinflussen. Dass dem so ist, kann sie bestätigen – welchen Rolle Insta und Co. in unserem Alltag spielen, hängt allerdings von uns selbst ab. „Einige lassen sich bei ihrer Suche nach Orientierung stark von Personen mit einer hohen Anzahl an Followern in den sozialen Medien beeinflussen“, sagt die Medienpädagogin. „Andere nutzen YouTube und Instagram, um sich über ihre Themen zu informieren, die sie interessieren, oder auch als Kommunikationsmittel oder kreative Ausdrucksmöglichkeit.“ Möglicherweise entdecken wir über die Leute, denen wir folgen, unerwartet einen neuen Sport, der uns einen tollen Ausgleich bietet, die bequemste Jeans der Welt – oder auch eine ganze Community, in der wir einen super Austausch finden. Entscheidend dafür, ob und wie wir unsere Wünsche und Ziele an YouTube- und Insta-Stars ausrichten, ist deren Authentizität. „Je glaubwürdiger die Influencer sind, desto stärker ist ihr Einfluss auf die Auseinandersetzung mit bestimmten Themen“, sagt Claudia Lampert. Viele Influencer sind gewöhnliche junge Menschen – solche, die mit einer starken Haltung, schönen Fotos oder coolen Videos erfolgreich geworden sind. Dadurch, dass sie so normal sind (oder zumindest so wirken), würden Themen wie Markenkleidung oder teure Reisen in scheinbar greifbare Nähe rücken, erklärt die Medienpädagogin. Für manche von uns geht das nach hinten los. „Der ständige Vergleich mit ihnen kann dazu führen, dass diese Lebensstile für einen selbst erstrebenswert erscheinen und dass man versucht, ihnen nachzueifern“, sagt Lampert.

Lebst du noch oder likest du nur?

„Problematisch wird es, wenn das zu einer Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation führt, weil ich an diesem Lifestyle nicht teilhaben kann.“ Vielleicht scannen wir unser Leben dann nur noch auf Situationen ab, die „instagrammable“ sind, wollen erfolgreicher Teil der Social-Media-Welt sein und begeben uns umso mehr auf die Jagd nach Likes und positiven Kommentaren. Laut Claudia Lampert können Feedback-Mechanismen den Wunsch, sich öffentlich zu präsentieren, auf jeden Fall verstärken – vor allem, wenn das Feedback positiv ausfällt. „Einige kommen dann schnell auf den Geschmack und versuchen, mehr Likes zu bekommen, zum Beispiel indem die [pullquote]Beiträge, Fotos oder Videos noch freizügiger, experimenteller oder provokativer werden.[/pullquote] Genauso kann es auch einfach Spaß machen, Bilder oder Videos nicht nur für sich selbst aufzunehmen. Sich im sozialen Netz ausprobieren zu wollen, gehört in unserer medialen Welt dazu. Wichtig ist, dass wir am Ende auch noch im realen Leben Herzchen verteilen – für Menschen, die uns wichtig sind, für uns selbst und die schönen Erfahrungen, die wir machen. Nur weil andere schon früh die Welt bereisen, Prominente treffen oder mit ihren Posts Millionen erreichen, müssen besondere Momente in unserem Alltag für uns nicht weniger besonders sein. Über ihren Wert bestimmen nämlich wir.Hier erzählen Lenja, Emmelie und Erik wie sie damit umgehen, dass Influencer immer mehr Einfluss auf das reale Leben haben: https://www.yaez.de/leben/instagrammable-das-leben-als-posting/
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