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Ein Film über menschliche Grenzen: Selbstoptimierung bis zum Geht-nicht-mehr




Worum geht’s?

Lolas Leben ist klar strukturiert. Das oberste Gebot: Effizienz! Rastlos ist die junge Unternehmensberaterin aus Wien zwischen den Firmen unterwegs, die sie umstrukturieren soll. 100-Stunden-Wochen sind der Normalfall. Ausdauerndes Training, straffer Büroalltag, edle Abendessen mit Kunden, Nächte in sterilen Hotelzimmern. Das alles reiht sich monoton aneinander. Nebenbei führt sie noch eine heimliche Liebesbeziehung mit ihrer Vorgesetzten – und träumt davon, gemeinsam mit ihr einen wichtigen Beraterjob in Sydney zu ergattern und dabei ein paar männliche Kollegen auszustechen. Ihre schicke Altbauwohnung in der österreichischen Hauptstadt dient lediglich als Briefkasten. Einen Ort des Ausruhens, des Nachdenkens, des Zu-sich-Kommens besitzt die knapp 30-Jährige nicht. Alles ist perfekt durchorganisiert. Bis die Fassade bröckelt…Denn was niemand weiß: Lola hat keine Eltern mehr – dafür eine psychisch kranke Schwester, Conny. Als diese mal wieder einen Suizidversuch unternimmt und in einer Klinik behandelt wird, versucht Lola, für sie da zu sein. Natürlich im Rahmen ihres engen Business-Kalenders. Allerdings ist es mit  der kühlen Professionalität, mit der sie den Rest ihres Lebens organisiert, schnell vorüber. Die Ereignisse nagen doch mehr an ihr, als zunächst gedacht. Vor allem weil Lola immer wieder telefonische Hilferufe von Conny erhält. Aber eigentlich dürfte diese in der geschlossenen Abteilung  gar kein Mobiltelefon besitzen. Erlaubt sich jemand ein Scherz mit Lola? Oder ist das auch ein Anzeichen einer beginnenden psychischen Erkrankung?

So kam der Film an:

Es ist keine einfache Kost, die die junge österreichische Drehbuchautorin und Filmregisseurin Marie Kreutzer mit dem Film „Der Boden unter den Füßen“ serviert. Bei den diesjährigen Internationalen Filmfestspielen Berlin feierte er im Wettbewerb seine Premiere und wurde von den Kritikern eher durchwachsen aufgenommen. Zu nah sei seine Anlage als Charakterstudie einer jungen, rastlosen Unternehmensberaterin am Erfolgsfilm „Toni Erdmann“ von Maren Ade. Zusätzlich sei das Drama zu überladen mit den Konfliktthemen Effizienz versus Krankheit, lesbische Liebe, Karrierechancen von Männern und Frauen und ungelöste Kindheitskonflikte. Das alles ist zweifellos richtig. Dennoch muss man festhalten, dass der Film eine Reihe wichtiger, existenzieller Fragen aufwirft und behandelt, die sich gerade junge Menschen am Beginn ihrer beruflichen Karriere stellen. Bemerkenswert sind auch die intensiven und starken schauspielerischen Leistungen von Valerie Pachner als Lola und Pia Hierzegger als Conny.

Persönliches Fazit:

Überzeugend gespieltes Drama, das wichtige Fragen unserer Zeit aufgreift. Leider sind einige Figuren arg oberflächlich gezeichnet, so dass der Zugang zu ihnen mitunter schwer fällt.[yaez-box]Österreich 2019; R: Marie Kreutzer; D: Valerie Pachner, Pia Hierzegger, Mavie Hörbiger; FSK 12; Kinostart: 16.05.2019[/yaez-box]
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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