www.yaez.com

Die Verführten: Sieben Frauen und ein Hahn im Korb im Mädcheninternat




Die Südstaaten im 19. Jahrhundert: Der Krieg versetzt das Land bereits drei Jahre in Angst und Schrecken. Das Mädcheninternat in Virginia Französisch beherbergt zu dem Zeitpunkt nur noch fünf heranwachsende Frauen sowie die Lehrerin Edwina (Kirsten Dunst) und die Leiterin Martha (Nicole Kidman). Doch so abgelegen die Sieben auch leben – dem Bürgerkrieg können auch sie nicht entfliehen. Als die zwölfjährige Amy (Oona Laurence) Pilze sammelt, entdeckt sie den schwer verwundeten Nordstaaten-Soldaten John McBurney (Colin Farrell). Auch wenn er der Feind ist, bringt sie ihn ins Internat. Und obwohl Martha ihn sofort wieder loswerden will, bleibt er schließlich doch noch eine ganze Weile bei den Frauen – um zu genesen. Die anfängliche Zurückhaltung, mit der alle den attraktiven Gast behandeln, weicht schnell kompletter Hingabe. Schon bald will jede seine Aufmerksamkeit.

Alte Geschichte im neuen Gewand?

Sofia Coppola zeigte schon 2006 mit Marie Antoinette, dass ihr etwas an Historienfilmen liegt. Damals inszenierte sie das Leben der Königin von Frankreich wie ein Rockkonzert. Die Farben des Films waren schrill, Marie Antoinette trug Chucks und die Musik war modern und laut. In Die Verführten gibt es all das nicht mehr. Coppola hat sich dieses Mal ganz bewusst reduziert. Musik gibt es kaum, die Farbpalette beinhaltet vor allem gedeckte Herbsttöne. Die US-Filmemacherin geht ihre Neuinterpretation des Romans The Beguiled von Thomas Cullinan extrem ruhig an. Damit fehlt es dem Ganzen jedoch ziemlich an Schwung. Wir verlassen kaum das Mädcheninternat und die meisten Konflikte werden nicht ausformuliert. Die dramatische Entwicklung ist so lahm, dass man fast einschläft. Der für Coppola typische schwarze Humor folgt erst zum Ende. Schade: Der wäre auch schon in der ersten Hälfte gut gekommen!

Mehr Stimmung als alles andere

Im Jahr 1971 wurde die Buchvorlage schon einmal verfilmt. Damals mit Clint Eastwood als Supermann, der jede Frau für sich gewinnen möchte und dabei alle gegeneinander ausspielt. Sofia Coppola will 2017 nun dem weiblichen Geschlecht die Macht geben und stellt den Mann als vollkommen harmlosen Trottel dar, der nichts zu sagen hat. Jede Frau verfolgt hier ihren ganz eigenen Plan – und Nicole Kidman macht sich als diabolische Herrin besonders gut. Die Konflikte lässt Coppola immer mehr hochbrodeln. Wie angespannt die Situation ist, merkt man vor allem an den Bildern, nicht an den Dialogen. Und da wird es wieder überdeutlich: Sofia Coppola ist eine Meisterin der Stimmung. Bei ihr sieht einfach alles immer so gut aus, dass man sich in ihren Filmwelten verlieren kann. Aber dramaturgisch ist Die Verführten leider kein Meisterwerk geworden. Die Hintergründe und Ziele ihrer Charaktere bleiben unbekannt. Und so sind zwar die Bemühungen von Coppola zu spüren: Sie wollte einen Frauenpowerfilm zeigen. Leider funktioniert das mit der Story nicht.

Fazit

Die Verführten ist ein anderthalbstündiges Drama, das sich anfühlt wie ein Dreistünder. Über die schönen Bilder und dem Wunsch, die Internatsfrauen richtig gut aussehen zu lassen, hat Sofia Coppola vergessen alles in eine (auch auf den zweiten Blick) packende Handlung einzuflechten. Da schauen wir uns doch lieber noch mal ihren Film Marie Antoinette an!https://youtu.be/YFv_M7SeDLMUSA 2017; R: Sofia Coppola; D: Nicole Kidman, Kirsten Dunst, Colin Farrell, Elle Fanning; FSK 12; Kinostart 29.06.2017 
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
URL: