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Die Überglücklichen: Freude und Wahnsinn sind Ansichtssache




Die Umstände könnten wirklich besser sein: Beatrice (Valeria Bruni Tedeschi) und Donatella (Micaela Ramazzotti) lernen sich in der einer psychiatrischen Einrichtung in Italien kennen. Die beiden werden schnell zu Freundinnen, wobei sie komplett unterschiedlich sind. Beatrice ist eine manisch-depressive Verbrecherin, die sich ständig mitteilen muss. Donatella hingegen ist schweigsam und suizidal. Schließlich flüchten die zwei aus der Obhut der Therapeuten und beginnen einen außergewöhnlichen Roadtrip. Dabei müssen sie sich immer wieder mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und gleichzeitig zeigen, dass sie mit der Zeit auch dazugelernt haben.

Die Mischung macht’s!

Was für eine Kulisse: „Die Überglücklichen“ erzählt von zwei psychisch kranken Frauen, die im schönsten Sonnenschein der Toskana mit ihren Problemen zu kämpfen haben. Irgendwie wirkt bei diesem ganzen mediterranen Erscheinungsbild jede Sinnkrise gleich ein wenig amüsanter. Beatrice gibt sich kurzerhand als Ärztin aus? Witzig! Die zwei Frauen prellen in einem schicken Restaurant die Zeche? Herrlich! Und dazu kommt auch noch, dass Beatrice rund um die Uhr ein breites Grinsen im Gesicht hat und hübsche Sommerkleidchen aus Satin trägt. Aber bitte nicht täuschen lassen: Die neueste Regiearbeit von dem Italiener Paolo Virzi („Die süße Gier“) ist dennoch keine leichte Kost. Der Alltag in der Nervenheilanstalt lässt schwer schlucken. Und lernt man erst einmal Beatrice, ihre neue Freundin Donatella und die Bürden, die sie mit sich herumschleppen, genauer kennen, ist das kein Spaß mehr. Aber der Mix aus kurzweiligem Klamauk und charakterlichen Tiefgang geht letztlich komplett auf.

Zwei wirklich besondere Frauen

Die beiden Hauptdarstellerinnen Valeria Bruni Tedeschi und Micaela Ramazzotti spielen hier groß auf. Sie zeigen mit ganzem Körpereinsatz, dass sich ihre Figuren gegen die Umstände aufbäumen wollen. Immer wieder versuchen sie aus dem sozialen Teufelskreis auszubrechen – aber vergebens. Als emotionaler Höhepunkt fungiert ein Gespräch zwischen den Frauen, in dem sie sich gegenseitig bestätigen, dass ihnen stets gesagt wurde, sie wurden schon traurig geboren. Keiner könnte ihnen diese Traurigkeit nehmen – also würden sie auch kein normales Leben führen können. Aber sie möchten sich von diesem Verständnis von Verrücktheit und Wahnsinn lösen. „Die Überglücklichen“ schafft eine neue Perspektive auf psychische Probleme und den Umgang mit ihnen.

Fazit

Zwei Frauen büxen aus einer Nervenheilanstalt aus und wagen einen Roadtrip quer durch Italien – was wie ein idealer Sommerblockbuster klingt, ist zwar höchst unterhaltsam anzusehen, aber dennoch auch tieftraurig. „Die Überglücklichen“ macht klar, wie nah sich eigentlich Freude und Trauer stehen. https://youtu.be/Zz-Ex4-lexc Italien 2016; R: Paolo Virzi; D: Valeria Bruni Tedeschi, Micaela Ramazzotti, Bob Messini; FSK 12; Kinostart: 29.12.2016
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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