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Poesie: Wie das Schreiben Alaska dabei hilft, ihre Depressionen zu verarbeiten




Im kunstvoll eingerichteten Untergeschoss des Modegeschäfts Haute Cueture in Stuttgart ist es ganz still. Alaska lächelt einmal kurz in die Runde, schlägt das Buch auf und beginnt zu lesen. Es ist ihre erste Lesung. Und eine ganz Bedeutende.Alaskas Buch trägt den Titel „About falling in love and falling apart“ (über die Liebe und das Auseinanderfallen) und handelt von ihrem Kampf gegen die Depression und ihrem Heilungsprozess. Ein paar Gedichte hat sie bereits im Alter von 14 Jahren geschrieben, die meisten stammen aus dem letzten Jahr. Mittlerweile ist die junge Poetin 19 Jahre alt, wohnt nach mehreren Klinikaufenthalten wieder in Stuttgart und macht ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Institution für Kinder mit Behinderungen, das ihr viel Kraft gibt.Ich treffe Alaska nach der Lesung für ein Interview. Es fällt mir schwer zu glauben, dass sie erst 19 Jahre alt ist, denn über ihre Erfahrungen spricht sie sehr reflektiert. Ich frage sie, wann und wie die Depressionen bei ihr begonnen haben. „So richtig erst in meiner Teenagerphase, vor allem als ich in der Schule gemobbt wurde. Aber Anzeichen gab es schon viel früher, denn als Kind hatte ich schon gewisse selbstzerstörerische Tendenzen.“[pullquote]Das Mobbing war der Hauptauslöser.[/pullquote]In der Schule hatte Alaska es nicht leicht. Neben dem Hass, den sie von ihren Mitschülern abbekommen hat, war auch der Leistungsdruck eine große Belastung. Irgendwann habe sie es kraftmäßig einfach nicht mehr geschafft. Was sich im Vergleich zu damals geändert hat? „Wenn ich heute noch auf Leute treffe, die mich damals gemobbt haben, weiß ich, dass sie noch darauf schauen, was ich mache. Aber das ist mir egal. Ich bin glücklich darüber, dass es mir endlich egal ist und dass es ihnen aber nicht egal ist. Das sagt mir: Ich brauche eure Meinung über mich nicht. Das ist ein Gefühl von Genugtuung.“Auf die Frage, wie Schulen Jugendlichen beim Thema Mental Health mehr helfen können, meint Alaska: „Lehrkräfte und Pädagogen sollen Schüler ernst nehmen, wenn es ihnen nicht gut geht. Schule kann ganz viel Druck aufbauen. Wenn Schüler schlechter werden, dann liegt es oft nicht daran, dass sie faul sind, sondern es oft mental einfach nicht mehr schaffen.“ Einen Dialog aufbauen und Schülern die nötige mentale Unterstützung geben, das fehlt.

Es ist Zeit, offen über Mental Health zu sprechen

Nach ihrem FSJ möchte Alaska ihr Fachabitur machen und danach eine Ausbildung zur Erzieherin anfangen. „Ich arbeite gern mit Kindern, weil sie mir so viel geben und ich möchte ihnen etwas zurückgeben. Sie sind die Zukunft unserer Welt, die Kinder, und ich könnte sie in ihren ersten Jahren prägen. Das macht mich glücklich.“Das Schreiben und die Poesie werden Alaska auch in Zukunft begleiten. Schreiben war für sie immer ein Rückzugsort. Sie schreibt auch viel über die Liebe, Sexualität und vergangene Beziehungen, die für sie mehr eine Flucht waren, als sie sich selbst nicht lieben konnte. Social Media spielt in Alaskas Leben auch eine wichtige Rolle. „Ich nutze Social Media ganz gezielt. Natürlich sind Instagram und Co. immer in einer gewissen Weise eine Selbstdarstellungsplattform und können auch gefährlich sein, zum Beispiel wenn man nach dem „perfekten Körper“ guckt. Aber ich möchte auf Social Media mehr meine Kunst teilen und über Dinge reden, die oft verschwiegen werden. Nicht nur über Depressionen, sondern zum Beispiel auch darüber, dass ich Frauen liebe. Und ich hoffe, auch anderen den Mut geben zu können, offen zu sprechen.“[pullquote]Lebe für dich und nicht für andere![/pullquote]Ganz gesund werde sie nie sein, sagt Alaska. Aber sie hat gelernt, damit umzugehen und sich nur auf die Dinge zu konzentrieren, die ihr gut tun. Bei der Frage, welchen Rat sie ihrem 14-jährigen Ich geben würde, muss Alaska nicht lange überlegen. „Versuch nicht, deine Schmerzen mit kurzen Bekanntschaften, Alkohol und Selbsthass zu betäuben, denn das macht alles nur noch schlimmer. Finde, wer du bist und sein willst. Lebe für dich und nicht für andere.“
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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