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Die Lena- Lektion: „Mach immer das, worauf du gerade Lust hast!“




Sie ist sparsam. Mitten im Interviewmarathon zu ihrer Single »Touch a New Day« fragt ein Mitarbeiter der Plattenfirma, ob Lena Meyer-Landrut etwas zu essen bestellen möchte. Sie nickt fröhlich: Und wie sie möchte! Einen Burger und Chicken Nuggets. Auch was zu trinken? »Nö, wir haben ja hier zu trinken.« Der frisch gebackene Superstar macht sich Gedanken um drei Euro für eine Cola. Solche Szenen müssten nach Millionen verkaufter Singles nicht sein – und doch zeigen sie, was den Erfolg von Lena ausmacht: Sie entspricht dem »Nettes Mädchen von nebenan «-Image auf eine Art, die nie einstudiert wirkt, sondern eher vor langer Zeit anerzogen wurde.

Lektion #1: Mit guter Kinderstube eroberst du die Herzen.

Wo sollte eine solch einstudierte Pose auf die Schnelle auch herkommen? Genau genommen gibt es die öffentliche Lena erst seit Februar. Damals betrat sie zum ersten Mal die Bühne der Castingshow »Unser Star für Oslo« und sang »My Same« von Adele – ein Lied, für dessen auffälliges Refrain- Gejauchze (»Ay, ay«) Lena heute noch manchmal hochgenommen wird. Trotzdem ging während des Zwei-Minuten-Stücks ein Ruck durchs Land. »Die Menschen werden dich lieben«, hat Marius Müller- Westernhagen nach ihrem Auftritt vorausgesagt. Er behielt recht. Von Woche zu Woche überzeugte Lena die Zuschauer und verhalf immer wieder Songs zu Charterfolgen, die von ihren ursprünglichen Interpreten auf die hinteren Ränge der eigenen Alben verbannt worden waren. Sie tat das aus Überzeugung: Schon in der ersten Woche bekannte sie, dass sie mit ihrem Lied auch gern ausscheide, solange sie sagen könne, einen ihrer Lieblingssongs gesungen zu haben.

Lektion #2: Wenn du dein eigenes Ding durchziehst, wäre Scheitern nicht schlimm – und vielleicht scheiterst du ja gar nicht.

Erst beim Finale von »USFO« folgte für viele die erste Ernüchterung der Lena-Mania. Seltsam beliebig wirkten die drei Songs, die Lena singen sollte. Auch der damals noch 18-Jährigen selbst war ein wenig Enttäuschung anzumerken, als nicht der von Stefan Raab und ihr komponierte Titel »Love Me«, sondern das von einem Dänen und einer Australierin geschriebene »Satellite« in der Telefonabstimmung vorn lag. Egal, sie arrangierte sich schnell mit dem Sieger-Song – und die Fans taten es ihr gleich: »Satellite« schoss an die Spitze der Charts, und auch die anderen beiden Final-Lieder landeten gleichzeitig in den deutschen Top 5. Das war vorher noch keinem Künstler gelungen. Doch auch als das Album »My Cassette Player« veröffentlicht wurde, wurde die Kritik am Fräuleinwunder immer lauter. Zu schnell seien die Stücke hingeklatscht worden, hieß es. Tenor vieler Kritiken: Wir wollen dich ja mögen, aber das ist uns ein zu glatter Schnellschuss. Sie sagt heute über das in Rekordgeschwindigkeit zwischen »USFO«, Abi und Oslo entstandene Album: »Ich bin ganz schön zufrieden damit.«

Lektion #3: Nimm Kritik nicht allzu wichtig, sondern freu dich über 80-Prozent-Lösungen, die du in kurzer Zeit erreicht hast.

Bei all dem Trubel sei kaum Zeit gewesen, das Ende der Schulzeit angemessen zu würdigen, sagt sie. Erleichtert ist sie trotzdem. »Ich bin so froh, dass ich nicht mehr in die Schule muss, ich bin da echt nicht traurig.« Und trotz ihrer damals gerade frisch gewonnenen Prominenz war ihr die Studienberechtigung wichtig. »Ich habe mir gedacht: ›Ey Lena, du hast jetzt dreizehn Jahre lang in der Schule gesessen. Wie blöd wäre es denn, wenn Du jetzt nicht auch noch die Bescheinigung dafür bekommst?‹«

Lektion #4: Verliere auch im größten Trubel nicht deine langfristigen Ziele aus den Augen.

In Oslo angekommen, verknallte sich ganz Europa in das Mädchen, das ab dem Eurovisions-Abend den Spitznamen »Lovely Lena« tragen sollte. Das lag auch daran, dass sie trotz großer Terminhetze weiter das Bild des unbeschwerten Newcomers lebte, ohne zu sehr das kleine schützenswerte Mittelschichts- Mädchen zu werden, zu dem sie vom deutschen Feuilleton vereinzelt hochstilisiert wurde. Als sie bei der letzten Pressekonferenz vor dem großen Auftritt wieder einmal ein Journalist auf ihren frei erfundenen englischen Akzent ansprach, setzten Stefan Raab und Lena prompt zu einer bewusst deutsch-englisch gesungenen Boyzone-Parodie an: »No matter what they say – we Germans have good humour and can good music play.« – »Das wurde mir so beigebracht, dass das nichts Schlimmes ist, wenn man über sich lacht«, sagt Lena über diesen souveränen Umgang mit sich selbst.

Lektion #5: Wer über sich selbst lachen kann, nimmt seinen Kritikern den Wind aus den Segeln.

Spätestens in Oslo fiel auch die Leistung von Lenas Ziehvater Stefan Raab auf. Gerade in Norwegen zeigte Raab, wie gut er seinen Star versteht. Der Produzent gab ihr einerseits Freiraum, mit ihrer unbeschwerten Art bei den internationalen Journalisten zu punkten, stellte sich andererseits schützend vor sie, wenn die Anliegen der Boulevard- Medienmeute von Bild und RTL zu privat wurden. Und erlaubte ihr auch, Grenzen zu ziehen: Wenige Tage vor dem Grand-Prix antwortete Lena einer Fernseh-Redakteurin, die sich nach Begleitern aus Lenas Familie erkundigte, nur: »Nöööööt.« Ein grinsender Raab ergänzte unter lautem Gelächter: »Muss Frauke Ludowig halt mal ohne so einen Käse auskommen.« Bundesvision Song Contest, Stefanie Heinzmann und jetzt Lena: Mehr denn je zeigt sich, wie sehr dem ehemaligen »Maschendrahtzaun«- Krawallo inzwischen die behutsame Pflege junger Talente gelingt. Auch Lena ist froh über ihren Mentor und will sich auch für ihr zweites Album ganz in seine Hände geben. »Aber auch selbst schreiben«, sagt sie.

Lektion #6: Wenn du einen guten Mentor hast, kannst du sogar gegen einen angeblich erbarmungslosen Gegner die Grenzen verschieben.

Nach dem triumphalen Empfang zurück in Hannover – »Der krönende Abschluss: Piffpaff, und dann war’s vorbei.« – ist Lena jetzt vor allem international unterwegs und promotet ihre zweite Single »Touch a New Day«. Irgendwann Anfang nächsten Jahres soll die zweite CD erscheinen. Erst dann will Lena auf eine Tour gehen, die sie durch große Hallen führt und über deren angeblich eher schleppenden Ticketverkauf hinter vorgehaltener Hand getuschelt wird. Trotzdem kamen frühere Konzerte nicht infrage, denn anderthalb Stunden will sie mindestens mit eigenen Songs füllen können. »Ich möchte ja nicht dreimal Satellite singen.« Schließlich steht dann als weiterer Höhepunkt die mögliche Titelverteidigung an. Obwohl die Idee in der Feierlaune wenige Minuten nach dem Oslo- Sieg entstanden ist, sagt Lena, dass sie sich auch auf dieses Abenteuer freut. »Wir haben so etwas Großes geschafft. Es wäre total doof, das nicht im eigenen Heimatland auch miterleben zu dürfen.« Und was, wenn’s schiefgeht? Auch der letzte Versuch, in dieser 19-Jährigen so etwas wie Angst zu entdecken, scheitert: »Wir machen da jetzt noch mal mit, weil wir noch einmal Bock haben.«

Lektion #7: Folge deiner inneren Stimme, und du bist bereits vor dem Start des Wettbewerbs unbesiegbar.

Und selbst wenn die Gesangskarriere so schnell beendet sein könnte, wie sie begann – Lena erzählt, dass sie noch viele Ideen im Kopf hat, was sie aus ihrem Leben machen könnte. Schauspielerei habe sie vor der Musik gereizt und tue es immer noch. Andererseits will sie sich nicht in einer deutschen Komödie verheizen lassen. Da ist also doch ein gewisser Anspruch an die eigene Arbeit – allerdings geht sie auch die Schauspielerei ohne Berührungsängste an. »Ich habe immer das gemacht, worauf ich gerade Lust hatte. Das ist das Beste, auch wenn es nicht immer das Einfachste ist«, meint Lena.

Trau dich was und arbeite hart, dann stehen dir alle Türen offen.

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