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Die JIM-Studie: Kennt uns dieser JIM wirklich so gut?




In der JIM-Studie wird das Medien-Verhalten von Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren untersucht. Auch wenn manche von uns älter oder jünger sind – JIM schickt uns eine imaginäre Freundschaftsanfrage, die wir erst mal annehmen müssen. Die ersten Ergebnisse sind bereits veröffentlicht, am 30.11.2017 ist JIM dann komplett. Wir haben uns JIM für euch etwas genauer angeschaut, damit wir verstehen, wer uns verstehen will.

Wer gibt die Studie in Auftrag?

Der medienpädagogische Forschungsverbund Südwest und andere Kommunikationspartner stehen hinter JIM. Die Bundeszentrale für politische Bildung ist auch offiziell mit ihm befreundet. Klingt schon ziemlich seriös, sodass wir erst mal Vertrauen haben.

Warum machen die das?

Wir nutzen nahezu jeden Tag Medien. Smartphone, Laptop, TV oder Radio – irgendwas ist immer eingeschaltet. JIM sagt uns, dass wir über unser Nutzverhalten Bescheid wissen müssen. Wenn wir schon nicht jeden unserer Follower persönlich kennen, ist das das Mindeste. Der Vorteil: Unsere Lehrer schauen sich die Studie auch an. Vielleicht glauben sie ja JIM, dass der Over Head Projektor nicht mehr das richtige Medium für uns ist. Formulierungen wie bei Jugendlichen hoch im Kurs verzeihen wir JIM dann mal.

Wie und wen fragt JIM?

JIM ist erst mal raus. Jetzt kommt CATI ins Spiel. Wie ihr euch schon denken könnt: CATI wird großgeschrieben und ist daher wieder mal kein Mensch. CATI steht für Computer Assisted Telephone Interview und verrät uns etwas über die Art der Befragung. Es werden 1200 Jugendliche stichprobenartig angerufen und durch die Eingabe der Antworten am Computer hat JIM die Ergebnisse dann schnell. Die Frage ist dabei nur: Werden wir noch gerne angerufen? Seitdem wir über whatsapp nahezu grenzenlos lange Nachrichten schreiben können und auch Sprachnachrichten versenden, sind wir eher nervös, wenn es mal klingelt – oder? Das hat JIM leider nicht gefragt. Die ZEIT titelt dieses Jahr mit Die Smartphone-Generation wird maulfaul und stützt sich auf Aussagen von anderen Studien und Experten. Von dem Wort maulfaul sind wir jetzt nicht gerade begeistert, aber vielleicht sollte JIM uns anders fragen, damit er uns wirklich besser kennen lernt.

Was weiß JIM jetzt eigentlich über uns?

Bis jetzt wissen wir nur ein Teil von dem, was JIM über uns weiß. JIM ist dabei ein bisschen wie unsere Eltern: Er sagt uns, was wir eh schon wissen. Aber eine kleine Bestätigung für die eigenen Eindrücke zu haben, ist schon ganz gut. JIM weiß zum Beispiel, dass wir Instagram mit 57 Prozent und Snapchat mit 49 Prozent, 2017 am liebsten nutzen. Auf Snapchat sind wir laut JIM aktiver und versenden auch gerne private Snaps an unsere Freunde. Mit Postings auf Instagram sind wir dagegen eher zurückhaltender. Nur jeder Fünfte postet regelmäßig.  JIM hat auch erkannt, dass wir Facebook gar nicht mehr so wichtig finden. Da JIM erst mal alles auswerten musste, hängt er aber ein halbes Jahr hinterher. Weiß er schon, dass wir uns jetzt mit der Story-Funktion auf Instagram angefreundet haben?

Nehmen wir die Freundschaftsanfrage an?

JIM ist nicht gerade die CIA. Er weiß nicht alles über uns und das wird er auch nie können. JIM ist eher der entfernte Bekannte, der uns mit manchen Aussagen zum Nachdenken bringt. Ist unser Smartphone uns vielleicht zu wichtig? Gucken wir nur noch auf die kleinen Bildschirme, anstatt die Welt zu entdecken? JIM ist auch ein bisschen wie unsere Eltern, die uns einfach nur auf etwas hinweisen wollen. Er weiß zwar viel mehr über unser Nutzungsverhalten, ist aber immer ein paar Monate daneben. Wir müssen JIM‘s Freundschaftsanfrage nicht annehmen. Zu wissen, dass er existiert ist aber vielleicht gar nicht schlecht.
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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