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Daniel Ableev: Star Trek, Tonkunst und Seltsamkeit kombiniert




Daniel Ableev wurde im russischen Nowosibirsk geboren und lebt heute in Bonn. Nach seinem Studium Komparatistik, Anglistik, Amerikanistik und Jura ist er nun Seltsamkeitsforscher. Was das heißt, zeigte er etwa auf dem fünfzehnminuten-Festival in Köln.

Daniel, du bist Autor und Tonkünstler und hast als Liebesobjekt Data von Star Trek ausgesucht. Warum?

Ich habe mich für ein Objekt entschieden, das man ernsthaft ins Herz schließen kann, weil es so viel Subjektives an sich hat: Data – eine humanoide, ihren menschlichen Crewgenossen in so gut wie allem überlegene Lebensform. Was Physis, Intellekt und insbesondere Moralität angeht, ist Data für mich lange Zeit ein echtes Vorbild gewesen. Mittlerweile ist man ja erwachsen und sehr ernsthaft bei der Sache namens "Leben", aber das Kind in mir wünscht sich nach wie vor, Data zum Freund zu haben. Beispielsweise kann er all seine beachtlichen Fähigkeiten ohne falsche Bescheidenheit auflisten und gewinnt dabei nicht etwa an charakterschwacher Egomanie, sondern an Charme. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die zahllosen Witzigkeiten, die mit Datas zutiefst liebenswerter, nicht enden wollender Suche nach dem Geheimnis des menschlichen Humors einhergehen. Seine Unbedarftheit auf diesem Gebiet ist von einer Herrlichkeit und vor allem Humanität, die sympathischer nicht sein könnte.

Data ist eine "sich selbst bestimmende Person" – ist dir das wichtig bzw. siehst du dich selbst auch so?

Data hat einen unmessbar hohen IQ, was ich von mir leider nicht behaupten kann. Weshalb meine Selbstbestimmungsfähigkeit arg beschränkt ist. Im 24. Jahrhundert sind faszinierende Persönlichkeitsentfaltungsmöglichkeiten an der Tagesordnung, Kunst und Wissenschaft regieren diese ferne, ferne Welt, zumindest Teile davon. Ich versuche, mich selbst zu bestimmen, weil der Mensch kein Treibgut (und schon gar nicht -schlecht) sein sollte. Allerdings haben mich meine Freiheitsbemühungen bisher noch nicht dorthin gebracht, wo ich gern wäre.

Was verbindest du ansonsten mit Star Trek?

Star(k) Trek, gemeint sind vor allem die sieben Staffeln von The Next Generation, definiert für mich wie kaum etwas anderes meine Kindheit und Jugend. Es muss 1994 gewesen sein, als ich zum ersten Mal in Kontakt mit Captain Picard, Data & Co. kam. Zu kaum einer Serie habe ich eine derart emotionale Bindung wie zu Star Trek – The Next Generation entwickelt. Das einzig Negative daran: Star Trek ist zu einem selten mächtigen Symbol der Unerreichbarkeit geworden, und zwar in doppeltem Sinne: die darin fantasierte Zukunft und meine fürchterlich verflossene Vergangenheit sind zwei Seiten einer schmerzlich utopischen Medaille. Star Trek ist für mich demnach mehr als bloß eine erstklassige Science-Fiction-Serie (wie etwa Farscape oder Battlestar Galactica). Wenn die Menschheit durch wissenschaftlich-technologischen und sozialen Fortschritt die meisten unserer heutigen Problemfelder hinter sich gelassen hat, dann bleibt vor allem die intellektuelle und ethische Weiterentwicklung. Für mich war die USS Enterprise (D) nie bloß ein warpgetriebener Spulwurm auf seinem unternehmungslustigen Weg hin zu den kühnsten astronomischen Wundern, sondern auch stets eine Inspirationsreise in die fabelhafte Welt der charakterlich-moralischen Sublimierung. Ich meine, das war schon immer das Besondere an Star Trek ist dieser Intellektualitätstouch.

Was bedeutet es eigentlich, Tonkünstler zu sein?

Wenn ich "Tonkünstler" bin, dann nicht nur deshalb, sondern auch, weil ich mich nicht leichthin "Komponist" nennen mag. Bei meinen Sounds handelt es sich um recht Verschiedenartiges. Entscheidend ist: ein Schmatzgeräusch darf genauso einfließen wie ein Tapetensample oder ein Billigbeat aus dem Casio-Royal-Keyboard. Als Tonkünstler stelle ich bunte Krüge, Töpfe, Schälchen etc. her. Dabei speichere ich während des Aushärtungsprozesses Geräuschkulissen in Tonmasse ab, später kann man dann die Blumenvase in den CD-Ständer packen. Tonkunst ist also eine Kunstform, die sich entweder in Zeit oder Raum manifestiert, je nachdem, wie man "Ton" definiert. Wenn ich beispielsweise Tontauben schießen gehe, dann knallt es, und jedes erwischte Täubchen gibt einen Ton. Eine mp3 bei mittlerer Kompressionsrate nimmt viel weniger Raum als Zeit ein. Während es hierzulande originell sein mag, nach dem Gewicht einer digitalen Datei zu fragen, gehört das im modernen Umgangs-Russisch sozusagen "zum guten Ton", denn der Speicherumfang (in Byte) wird dort wörtlich mit "wiegen" bzw. "Gewicht" ausgedrückt.

Auf deiner Webseite schreibst du auch davon, Seltsamkeitsforscher zu sein – was ist das Seltsamste an der Welt?

Wenn man aber von der globalen Formulierung "an der Welt" ausgeht, dann müsste ich vielleicht (auf) das Ich-Bewusstsein abstellen. Damit fängt doch erst alles an, seltsam bzw. auch sonst wie zu werden. So viele Tiere, Pflanzen und Gummiringe existieren wunderbar ohne dieses komische Feature, oder zumindest verstecken sie ihre Ichität sehr gut. Als Insekt ist man doch bestimmt nicht seltsam, oder? Es wird richtig krass, wenn die Seltsamkeit "Mensch" über die Seltsamkeit "Mensch" diskutiert.Mehr Informationen zu Daniel Ableev.
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