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Baby Driver: Die Fahrt geht los, wenn der Song beginnt




Hinter dem Steuer kann es niemand mit Baby (Ansel Elgort) aufnehmen. Kein Wunder, da er seit seiner frühesten Jugend Autos stiehlt und Rennen fährt. Sein Talent als Fluchtwagenfahrer wird daher auch immer wieder gerne vom Kriminellen Doc (Kevin Spacey) in Anspruch genommen. Er selbst wurde in der Vergangenheit von Baby abgezogen und konnte dessen Talente somit am eigenen Leib erfahren. Nur lässt Doc Baby seitdem auch fleißig seine Schulden abbezahlen. Was passiert, wenn er versuchen würde aus dem Teufelskreis auszubrechen? Ganz klar: Dann würde Doc keine Sekunde zögern und allen Menschen wehtun, die Baby etwas bedeuten. Seit neuestem gehört zu diesem Kreis auch die bezaubernde Debora (Lily James). Nach einem Flirt im Diner verlieben sich die beiden. Doch die Einsätze werden von Bankraub zu Bankraub größer. Und so muss Baby zügig einen Weg finden dem kriminellen Milieu zu entkommen, ohne Deborah ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Den richtigen Song für jeden Moment

Man möchte sagen: Zum Glück haben sich Regisseur Edgar Wright (Shaun of the Dead) und Comic-Riese Marvel beim Dreh von Ant-Man zerstritten. Denn nach „kreativen Differenzen“ trat Wright kurz vor Drehbeginn vom Regie-Posten zurück. Diese Entscheidung brachte ihm eine Menge freie Zeit ein. Und die hat er sogleich für eine völlig neuartige Heldensaga genutzt. Wright schrieb Baby Driver als Hommage an seinen alten iPod, den er noch immer bei sich trägt. Dabei ging es ihm weniger um das Gerät an sich, als um die Musik, die seine Hauptfigur zu jedem Moment durch den Tag begleitet. Tatsächlich wurde der gesamte Film rund um den Soundtrack geschrieben, was beide Ebenen untrennbar voneinander macht. So startet gleich der erste Song Bellbottoms von Jon Spencer Blues Explosion mit einem zweiminütigen Intro. Während des Intros steigt sowohl die musikalische Spannung, als auch die Spannung auf das, was im Film gleich noch passieren wird – bevor dann der Rock so richtig einsetzt. Die perfekte Zeit, um Baby im Fluchtwagen zu beobachten, während die anderen eine Bank ausrauben. Dieser Einsatz von Musik ist beispiellos!

Im Rausch aus Geschwindigkeit und Gewalt

Als junger Fahrer mit übermenschlichen Reflexen überzeugt Jungschauspieler Ansel Elgort von der ersten Sekunde an. Mal wirkt er ganz introvertiert, in die Musik vertieft – mal steht er völlig neben sich, weil das Adrenalin durch seinen Körper schießt und er es mit echten Gangstern aufnehmen muss. Aber auch wenn er körperlich nicht mit ihnen mithalten kann, so punktet er als Baby doch mit seinem messerscharfen Verstand. Zum Glück für ihn sind die meisten seiner Kollegen nicht sonderlich intelligent (mit dabei: Jamie Foxx, Jon Hamm, Jon Bernthal). Insgesamt ist Baby Driver zwar super lustig, aber trotzdem nicht als Komödie angelegt. Es gibt viele Beschimpfungen unter der Gürtellinie, schnelle Schusswechsel und auch blutige Szenen. Doch bei all der Härte verliert Edgar Wright nie aus den Augen, worum es wirklich geht: Er will klarstellen, dass es auch anspruchsvolle Autorennen-Unterhaltung fernab von Fast & Furious geben kann. Danke dafür.

Fazit

Innovatives Kino: Baby Driver wählt die Musik als Stilmittel, um sich vom Einheitsbrei der Größer-Schneller-Weiter-Fließbandproduktionen abzuheben. Das Ergebnis zeigt einen jungen Helden mit echten Werten – und einem guten Musikgeschmack.USA 2017; R: Edgar Wright; D: Ansel Elgort, Lily James, Kevin Spacey, Jamie Foxx, Jon Hamm, Jon Bernthal; FSK 16; Kinostart: 27.07.2017
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
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