www.yaez.com

Assassin’s Creed: Eine Videospieladaption ohne Charakter




Logisch ist hier gar nichts: Mörder Callum Lynch (Michael Fassbender) wird erst hingerichtet und wacht dann wieder in einem Labor auf. Dort empfängt ihn die Wissenschaftlerin Sophia (Marion Cotillard) um einiges ruhiger, als es für eine derart ungewöhnliche Situation normal erscheint. Sie erklärt ihm, dass er Nachfahre des Aguilar vom Orden der Assassinen sei, der im 15. Jahrhundert in Spanien gegen den Tempelorden kämpfte. Wofür das wichtig ist? Anscheinend war Aguilar im Besitz des sogenannten Apfels von Eden, mit dem man den Willen der Menschen beeinflussen kann. Und hier kommt Callum ins Spiel: Er soll mithilfe neuester Technologie in das frühere Leben von Aguilar eintauchen und dort genau diesen Apfel suchen. Das Ziel von Sophie und ihrer geheimen Organisation ist es, dass man damit die Gewalt auf der Welt für immer stoppt. Aber um das zu schaffen, muss Callum erst einmal jede Menge dazulernen und sich kampfbereit machen.

Was für ein Wirrwarr!

Gleich mal krachen lassen: Der Film startet direkt im 15. Jahrhundert, inmitten einer blutigen Schlacht. Das sieht visuell schon ganz gut aus, aber für den Anfang ist es auch ein bisschen viel zu verarbeiten. Wo sind wir? Was ist hier los? Wer sich das Spektakel im Original anschaut, wird zudem noch mit Spanisch überrascht. Sollte man also nicht bereits vor Filmbeginn total in der Materie drin sein, ist es schwer in die Geschichte hineinzukommen. Trotz einer Filmdauer von 2 Stunden und 20 Minuten gibt es keinen Moment der Erklärung des großen Ganzen. Die vielen Handlungsstränge, die im Videospiel Freude machen, verwirren im Kino einfach nur. Die Entwicklung von Callum Lynch ist ebenso schwierig nachvollziehbar. Erst sehen wir einen absolut verängstigten Typen, der keinen Schimmer vom Kämpfen hat und auch gar nicht kämpfen will. Und urplötzlich wird aus ihm diese Killermaschine, ohne jegliche Skrupel.

Viel Potential, wenig Nutzen

Wieso „Assassin’sCreed“ trotz der vielen Logikprobleme und schwachen Charakterzeichnung ganz okay ist? Das liegt einzig und allein an Michael Fassbender. Wieso dieser Mann noch keinen Oscar als Bester Hauptdarsteller gewonnen hat, bleibt unklar. Er schaffte es schon in den neuen „X-Men“-Filmen mehr Emotionalität und Tiefgang hineinzubringen, als die Drehbücher eigentlich hergaben.In diesem Actionfilm klappt das auch wieder wunderbar. Wenn die Story wieder einmal zu unverständlich wird, schafft er es einen Funken Spannung aufrechtzuerhalten – allein mit seiner aussagekräftigen Haltung, seiner eindringlichen Mimik. Er geht zudem mit bewundernswerter Ernsthaftigkeit ans Werk. Natürlich umschmeichelt ihn dabei auch eine ästhetisch einwandfreie Kulisse. Das staubig-düstere Spanien im Jahr 1492 macht was her. Nur werden die Möglichkeiten, die in der Szenerie, in Michael Fassbender und der Ideologie seiner Rolle stecken, in keiner Weise ausgeschöpft.

Fazit

Achtung, „Assassin’sCreed“ kann man nur schwer folgen! Eine Erläuterung der komplexen Welt gibt es nicht. Hintergrundgeschichten zu den einzelnen Charakteren fehlen ebenfalls. So bleibt die Figur, die Michael Fassbenderwirklich stark spielt, dennoch blass. Dann doch lieber das Videospiel rauskramen.https://youtu.be/BQk44v2foiAUSA 2016; R: Justin Kurzel; D: Michael Fassbender, Marion Cotillard, Jeremy Irons, Brendan Gleeson, Charlotte Rampling; FSK 16; Kinostart: 27.04.2016
Publisher : YAEZ Verlag GmbH
URL: