Nuria Edwards: Die Leichtigkeit der Gedanken und der Wind der Freiheit




Nuria, dein Liebesobjekt ist der Wind, ein möglichst tosender Wind – was verbindest du damit?

Nuria: Mit Wind verbinde ich Freiheit. Ich war schon immer fasziniert von ihm. Er ist nicht sichtbar, aber er hat eine unglaubliche Kraft. Am liebsten stehe ich in tosenden Böen und lasse mich einfach „tragen“. Dann fühle ich mich schwerelos.

Erzählt der Wind dir Geschichten, die du in deine Musik einbauen kannst?

Nuria: Der Wind erzählt mir tatsächlich Geschichten, indem er mir den Kopf frei pustet und ich somit eine Leichtigkeit in meinen Gedanken bekomme, die es mir erlaubt zu schreiben. Es macht Spaß ihm einfach zuzuhören und alles zu vergessen. Freiheit im Kopf ist es, was einem zum Schreiben bringt, denke ich.

Du spielst auf den Berliner Straßen: Bist du nicht manchmal auch unheimlich genervt davon, wenn er dir so um die Ohren weht?

Nuria: Wenn ich auf der Straße stehe und der Wind mal wieder um mich tobt, ist das manchmal schon sehr anstrengend – vor allem jetzt im Winter. Aber dann nehme ich es einfach als Zeichen, was anderes zu machen oder es am nächsten Tag nochmal zu probieren. Es ist sehr oft so, dass ich zu viel und zu lange draußen singe. Der Wind meint es bestimmt nur gut mit mir, wenn er mich wieder rein schickt, weil es einfach zu kalt ist.

Wieso spielst du überhaupt auf der Straße? Was gibt es dir mehr als etwa in einem Club zu spielen?

Nuria: Ich spiele auf der Straße, weil sie die beste Schule ist. Ich hatte immer Probleme damit vor Publikum zu singen, weil ich immer sehr aufgeregt war. Das hat mir das Singen auf der Straße genommen. Es wird einfach selbstverständlicher vor Fremden zu singen. Ich kann es jetzt richtig genießen vor Publikum zu spielen und das hilft mir natürlich auch bei Gigs. Straßenmusik und Gigs bei Veranstaltungen sind für mich zwei verschiedene Welten, die ich aber beide sehr liebe!

Was war deine schlechteste Erfahrung, was deine beste?

Nuria: Zum Glück habe ich noch keine wirklich schlechten Erfahrungen auf der Straße gesammelt. Natürlich gibt es mal Tage an denen nicht so gut läuft, wenn zum Beispiel nur wenige Leute zuhören oder eine Gitarrensaite reißt. Aber das ist ja nur halb so wild. Gute Erfahrungen durfte ich zum Glück schon einige Sammeln. Einmal hat eine Frau angefangen zu weinen, weil sie es so schön fand. Das ist natürlich ein unglaubliches Kompliment. Und es ist auch jedes Mal ein Kompliment wenn jemand meine CD kauft.

Was machst du, wenn du nicht auf den Berliner Straßen unterwegs bist?

Nuria: Wenn ich nicht auf den Berliner Straßen unterwegs bin, bin ich wahrscheinlich auf den Straßen einer anderen Stadt unterwegs, denn damit und den Gigs, die ich spiele, verdiene ich mein Geld. Ansonsten gehe ich zu vielen Jamsessions, um dort mitzumachen oder einfach zuzuhören. Zu Hause bin ich eher selten. Dafür gibt es einfach zu viele schöne Dinge in dieser Welt, die ich erlebe und noch erleben möchte.

Publisher : YAEZ Verlag GmbH