Alkohol

Steckbrief

Alkohol


Die Diplom-Pädagogin Doris Sarrazin von der LWL-Koordinationsstelle Sucht in Münster ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie, außerdem verantwortet sie Projekte zur Suchtprävention Jugendlicher. Für YAEZ beantwortet sie eure Fragen zum Thema Alkohol. Außerdem hat sich Sabine bereit erkärt, bei unserer Fragestunde mitzumachen. Sie ist Mitglied einer Young People's Group der Anonymen Alkoholiker, sie geht zur Uni und hat ihre Trinkkarriere früh beenden können, indem sie sich den Anonymen Alkoholikern anschloss und deren 12-Schritte-Programm zur Grundlage ihres Lebens machte.

 

Frage: „warum wird man breit wenn man alkohol trinkt“

josepa via SchülerVZ

Antwort: „Alkohol wird über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt. Im Gehirn beeinflusst er die Informationsübertragung der Nervenzellen. Das führt vor allem zu einer Beeinträchtigung der Wahrnehmung, der Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit. Spürbar ist das z.B. durch Gleichgewichtsstörungen und Sprechprobleme. Beeinflusst werden auch die Emotionen und die Urteilsfähigkeit.“

Doris Sarrazin

Antwort: „Das ist so ein Ursache-Wirkungs-Phänomen. Wie satt werden vom Essen, müder werden vom Arbeiten, Muskelkater vom Sport. So wird man auch betrunken vom Trinken, aber ich bin kein Mediziner und kann es auch nicht wirklich erklären, was da biochemisch abläuft. Ich habe jahrelang versucht, zu trinken und trotzdem noch zu funktionieren, das hat aber nicht geklappt. Stattdessen habe ich Freundschaften, Ausbildung und Beziehungen komplett in den Sand gesetzt.“

Sabine

 

Frage: „Wo genau befindet sich die Grenze, ab der Alkoholkonsum zum ernsthaften Problem wird?“

Henning Schaefer via Facebook

Antwort: „Ein ernsthaftes Probleme ist es immer dann, wenn der Alkoholkonsum zu Problemen führen kann: Verlust des Führerscheins, Probleme in der Schule, Streit mit der Freundin oder mit den Eltern, Vandalismus. Wenn dann keine Rücksicht genommen und trotzdem getrunken wird, dann ist das ein Zeichen für ein ernst zu nehmendes Alkoholproblem. Auch wenn Alkohol getrunken wird, wenn man Probleme hat, kann Alkohol zu einem Problemlöser werden, der dann später selber zum Problem wird.“

Doris Sarrazin

Antwort: „In deinem Kopf. Wenn dein Denken und Fühlen zwanghaft wird und du nur noch Erleichterung davon bekommst, indem du trinkst. Dann gibt es eine körperliche Komponente. Wenn du anfängst, mit einem Cocktail, dann sagt der Körper: mehr davon. Mir ist es jahrelang nicht aufgefallen, aber ich habe immer gesagt, "ich trinke jetzt mal ein Bier" (ein Glas Wein, einen Cocktail). Aber es blieb dabei nie bei einem Glas. Es kam immer unweigerlich das zweite dazu.“

Sabine

 

Frage: „Wie unterstützt man einen guten Freund der ein Alkoholproblem hat und zugleich auch ein psychisches problem hat“

Manuel Heindl via Facebook

Antwort: „Wichtig ist, dass der Freund selbst erkennt, dass er ein Problem hat und professionelle Hilfe in Anspruch nimmt. Vielleicht kannst du ihn dazu motivieren und zeigen, dass du es gut findest, wenn er professionelle Unterstützung annimmt. Du kannst dich auch selbst in einer Fachstelle (Sucht-, Drogen- oder Jugendberatungsstelle) persönlich beraten lassen, wie du am besten helfen kannst. Auch Freunde und Angehörige bekommen dort Unterstützung. Adressen sind unter www.dhs.de im Internet zu finden. “

Doris Sarrazin

Antwort: „Probleme mit Alkohol und psychische Probleme sind oft gekoppelt. Eins der vielen Symptome des Alkoholismus ist die Depression. Alkohol ist eine Droge, die das Befinden verändert und damit können psychische Probleme kommen. Ich selbst hatte auch Depression, Suizidgedanken, habe mich abgeschnitten gefühlt von der Menschheit, fast schon wie bei einer Schizophrenie. Diese Symptome haben sich erst gezeigt, wenn ich Phasen hatte, wo ich nicht getrunken habe, wo ich versucht habe, mich zu kontrollieren. “

Sabine

 

Frage: „Ich bin 13 und jeder aus meiner Klasse hat schon Alkohol getrunken,ich auch aber nur ein bischen Wodka.Was soll ich machen?“

Christin hillebrand via SchülerVZ

Antwort: „Das Jugendschutzgesetz verbietet den Konsum von Spirituosen wie Wodka bis zum 18. Lebensjahr und dafür gibt es gute Gründe: Zwischen 12 und ca. 20 Jahren macht der Körper viele Veränderungen durch. Er ist deshalb in einer sehr sensiblen Entwicklungsphase. Es ist sicher kein Drama, wenn du ein bisschen Wodka mal probiert hast. Aber regelmäßiges Alkoholtrinken und Trinken bis zum Rausch schädigen gerade in eurem Alter Nervenzellen insbesondere im Gehirn. Diese Nervenzellen werden nicht mehr erneuert. “

Doris Sarrazin

Antwort: „Meine ersten Versuche mit Alkohol habe ich gemacht, weil die Anderen es gemacht haben. Ich wollte dazu gehören und habe deswegen auch schon mit 12 das erste Mal getrunken. Dieser Gruppenzwang kann so stark sein, dass man in dem Moment denkt, man hat keine andere Wahl. Also ich kann nur sagen, dass ich ziemlich heftig auf die Substanz Alkohol reagiert habe. Ich wollte nicht mehr aufhören zu trinken und bin sehr schnell abhängig vom Alkohol geworden, weil er mir irgendwie Sicherheit gegeben hat.“

Sabine

 

Frage: „Was sollte ich tun, wenn ich den Verdacht habe, dass jemand in meinem Umfeld ein Alkoholproblem hat?“

Henrike Meyer via Facebook

Antwort: „Wichtig ist vor allem, den Alkoholkonsum nicht zu decken. Also Unpünktlichkeit, Unzuverlässigkeit oder anderes Folgen des Trinkens Dritten gegenüber nicht zu entschuldigen. Auch ist eine ehrliche Rückmeldung in angemessenen Situationen angebracht. Menschen werden schneller motiviert, über eine Veränderung ihres Alkoholkonsum nachzudenken, wenn sie damit konfrontiert werden, dass ihr Trinken negativ auffällt und man sich Sorgen um sie macht.“

Doris Sarrazin

Antwort: „Meine Erfahrung ist, dass man dem, der ein Alkoholproblem hat, Verständnis zeigen sollte. Ich selbst bin Alkoholikerin und weiß wie es ist, wenn man keine Kontrollmechanismen über die Substanz Alkohol hat. Es ist also relativ einfach für mich, die Person mit ihrer Krankheit Alkoholismus zu akzeptieren, aber ihr destruktives Verhalten deshalb trotzdem nicht zu rechtfertigen. Am Ende heißt es loslassen! Man darf sich nicht darin verlieren dem Anderen zu helfen, der gar nicht aufhören möchte und vielleicht muss der Angehörige einfach nur sehen, dass er sich selbst in Sicherheit bringt. “

Sabine

 

 

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