Essstörungen

Steckbrief

Essstörungen


Lisa Pecho ist Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie bei ANAD. Diese Beratungsstelle für Menschen mit Essstörungen bietet die Möglichkeit, in Wohngruppen zusammen zu leben und dabei von Ärzten, Psychologen, Ernährungstherapeuten und Sozialpädagogen betreut zu werden. Das hat den Vorteil, dass die Patienten weiterhin die Schule besuchen und ihre Ausbildung oder Berufstätigkeit fortsetzen können. Michael Thiel ist Diplom-Psychologe, Trainer und Coach. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet er mit übergewichtigen Jugendlichen. Für uns werden die beiden Fragen zum Thema Essstörungen beantworten.

 

Frage: „welche folgeschäden gibt es und welche davon sind reversibel, welche dauerhaft?“

Lisa Braunwarth via Facebook

Antwort: „Irreversible Schäden bei Anorexie und Bulimie sind infolge der Mangelernährung der plötzliche Herztod, die Niereninsuffizienz bis hin zum Nierenversagen sowie die Entwicklung einer Osteoporose (Verminderung der Knochendichte) mit der Gefahr von Spontanfrakturen. Bei Magersucht im Jugendalter kann es zu einer dauerhaften Verminderung des Längenwachstums und einer eingeschränkten Sexualentwicklung kommen.“

Dr. Lisa Pecho

 

Frage: „Was sollte ich tun, wenn ich den Verdacht habe, dass jemand im meinem Umfeld eine Essstörung hat?“

Henrike Meyer via Facebook

Antwort: „Prinzipiell ist es gut, den Verdacht direkt anzusprechen. Hierbei ist es wichtig, diesen Verdacht nicht als Vorwurf oder bewertend zu äußern, wie "du hast doch eine Essstörung, du siehst ja schlimm aus", sondern als "Ich-Botschaft" zu formulieren, wie "Ich mache mir in letzter Zeit richtig Sorgen um dich, ich merke, dass du richtig viel abgenommen hast und immer weniger isst". Viel Unterstützung kann auch die Kontaktaufnahme mit einer Beratungsstelle für Essstörungen (z.B. ANAD e.V.) geben. Hier bekommen Freunde und Angehörige Aufklärung und Hilfestellungen im Umgang mit von Essstörung Betroffenen.“

Michael Thiel

Antwort: „Versuche ein ruhiges, offenes Gespräch mit dem Betroffenen zu führen: Beschreibe nur das Verhalten, das dir Sorgen macht:"Ich mache mir Sorgen um Dich. Du hast Dich verändert. Was bedrückt Dich? Auch Dein Essverhalten hat sich geändert". Bitte keine Vorwürfe oder Schuldzuweisungen machen! Auch nicht zum mehr Essen auffordern. Wenn der Betroffene deine Befürchtungen, eine Essstörung zu haben teilt und sagt, dass er sich auch Hilfe wünschen würde, stelle mit ihm zusammen einen Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe, einer Beratungsstelle oder einer Klinik her. “

Dr. Lisa Pecho

 

Frage: „Was mache ich bei Bulimie?“

Janos Burghardt via Facebook

Antwort: „Die Ess-Brech-Sucht (Bulimie, Bulimia nervosa) ist eine ernsthafte Erkrankung, die ernsthaft und professionell behandelt werden muss. Der erste Schritt, den du alleine gehen musst, ist dir einzugestehen, dass Du eine Essstörung hast und Hilfe brauchst. Es gibt eine Fülle von Unterstützungsangeboten, die Du z.B. über http://www.bulimie-online.de finden kannst. Die wirst du aber erst wirklich sinnvoll nutzen können, wenn Du bereit bist, diese Hilfe auch wirklich anzunehmen.“

Michael Thiel

Antwort: „Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich Hilfe zu holen. Für viele ist das Sprechen mit einer Vertrauensperson, sei es innerhalb der Familie, eine gute Freundin/Freund oder ein Lehrer/in ein erster Schritt. Professionelle Hilfsmöglichkeiten bieten Beratungsstellen für Essstörungen (z.B. ANADe.V.) im persönlichen Gespräch oder als online-Beratung. Hier kann, bei Wunsch, auch die Vermittlung in eine ambulante oder stationäre Behandlung erfolgen. Und dann ist natürlich der Hausarzt eine wichtige Anlaufstelle. Viele Betroffene vermeiden zunächst aus der Angst heraus, ihre Essstörung könnte "entdeckt" werden, den Gang zum Arzt. Zur Verhinderung körperlicher Folgeschäden sind regelmäßige Arztbesuche jedoch dringend zu empfehlen. “

Dr. Lisa Pecho

 

Frage: „10% der magersüchtigen sterben an ihrer essstörung. was ist dabei die häufigste todesursache?“

Lisa Braunwarth via Facebook

Antwort: „5 bis 15 Prozent der Betroffenen sterben, jedoch meist nicht durch eigentliches Verhungern, sondern durch Infektionen des geschwächten Körpers oder durch vollendeten Suizid.“

Michael Thiel

Antwort: „Die häufigsten Todesursachen bei Magersucht sind Infektionskrankheiten in Folge von Mangelernährung, plötzlicher Herztod (bei Bulimia nervosa verursacht durch Kaliummangel infolge häufigen Erbrechens und/oder Abführmittelmißbrauch), Nierenversagen sowie Tod durch Suizid.“

Dr. Lisa Pecho

 

Frage: „Sind Essstörungen ein Phänomen der Industrieländer, oder gibt es sie weltweit?“

Ineke Haug via Facebook

Antwort: „Waren Anfangs Essstörungen wie Fettsucht (Adipositas), Anorexie und Bulimie eher in den reicheren, industriellen Ländern anzutreffen, breitet sich in den letzten Jahren besonders die Adipositas weltweit stark aus. Besonders in vielen Schwellen- und Entwicklungsländer steigt der Anteil der Übergewichtigen rasant an, vermutlich führt das Eindringen des westlichen Lebensstils überall zu veränderten Essgewohnheiten und weniger Bewegung.“

Michael Thiel

Antwort: „Essstörungen haben unterschiedliche kulturspezifische Ausprägungen und Verbreitungen. Bei einem Vergleich von Entwicklungs- mit Industrieländern zeigen sich unterschiedliche Figurideale. So gilt Übergewicht in Entwicklungsländern häufig als Zeichen von Wohlstand, Reichtum und Stärke. Ursache hierfür ist das verminderte Nahrungsangebot und der hierdurch bedingte Mangel an existentieller Grundsicherung. Auch wird beobachtet, dass Essstörungen in Ländern, in welchen der mediale Einfluss in Bezug auf Vermittlung eines schlanken Schönheitsideals kaum oder gar nicht existiert, nur sehr selten auftreten. Essstörungen sind in Entwicklungsländern daher kaum beschrieben.“

Dr. Lisa Pecho

 

 

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