Abi 2011 - Und so geht's weiter! Hier bloggt Johanna
Ausgerechnet nach Rumänien hat es YAEZ-Mitarbeiterin Johanna für ihren Freiwilligendienst verschlagen. Hier schreibt sie, was sie dort erlebt.
Wenn sie das Wort „Rumänien“ hören, denken die meisten Leute an blutdürstige Grafen mit spitzen Zähnen, undurchdringliche Wälder und vielleicht auch noch an so genannte Zigeuner in bunten Röcken. Als ich hingegen die Mail der Freiwilligenorganisation kulturweit öffnete und auf meinem Bildschirm dieses Wort erschien, dachte ich erstmal: „Ähhh, wo liegt das genau? Und warum schicken die mich ausgerechnet da hin?!“
Ein Jahr vor der geplanten Ausreise, bei der Bewerbung, hatte ich natürlich noch ein wenig naive Vorstellungen gehabt - ein internationaler kultureller Freiwilligendienst, bezahlt durch Auswärtiges Amt und UNESCO, das klang schonmal gut. Noch besser klangen die möglichen Einsatzstellen, von denen mich ganz besonders der Radiosender Deutsche Welle und die Goethe-Institute interessierten, schließlich will ich ja mal „irgendwas mit Journalismus , Schrägstrich Kultur, Schrägstrich Literatur“ werden. Die Auslandsschulen, UNESCO-Kommissionen und archäologischen Institute, die außerdem zur Auswahl standen, nahm ich allenfalls mit mildem Desinteresse zur Kenntnis.
Leichte Startschwierigkeiten
Leider stellte sich im Laufe des Bewerbungsprozesses heraus, dass die Deutsche Welle gar keine Freiwilligen mehr beschäftigt und dass das Goethe-Institut eigentlich nur Studenten annimmt. Na gut, mir ging es ja nicht nur um die Arbeit selbst, sondern auch um das Land, in dem ich arbeiten würde, und wie vielen anderen schwebte mir da Südamerika vor – Spanisch aufbessern plus einen Hauch Exotik. Also freute ich mich natürlich trotzdem, als ich in der zweiten Runde des Bewerbungsverfahrens zu einem Gespräch beim Deutschen Pädagogischen Austauschdienst eingeladen wurde, für einen Freiwilligendienst an einer deutschen Schule im Ausland.
Das Bewerbungsgespräch fand in Bonn statt, was ja nun wirklich nicht die größte und unübersichtlichste aller deutschen Städte ist. Trotzdem schaffte ich es irgendwie, mich auf der Viertelstunde Wegstrecke vom Bahnhof zum vereinbarten Treffpunkt hoffnungslos zu verlaufen, inklusive verzweifelten Anrufen bei meinem noch in der Schule sitzenden Freund und mehreren Nachfragen bei Passanten, von denen sich dann schließlich einer (ein Eismann) erbarmte und mich hinfuhr.
Da ich 20 Minuten zu spät kam, wurde ich ins nächste Gespräch gesteckt und absolvierte meinen Bewerbungstermin mit gleich 3 statt wie üblicherweise 2 Konkurrenten. Und diese Konkurrenten hatten es in sich: Von der regelmäßigen Organisation von Kindergottesdiensten bis zu internationalen Abschlüssen an irgendwelchen Eliteschulen hatten die eigentlich schon ALLES gemacht. Ich mit meinem stinknormalen Abi und nicht viel mehr Engagement als ein paar Monate Schülerzeitung und Hausaufgabenbetreuung hatte da keine andere Wahl als munter drauf los zu plappern, in der Hoffnung, dass sie mich vielleicht aus lauter Sympathie doch noch nehmen würden – und fragt mich nicht warum, aber das hat funktioniert!
Nunja, Südamerika hat offensichtlich auch nicht geklappt, da gibt es eben einfach weniger Plätze und die werden dann an – genau, Studenten oder Leute, die bereits wirklich perfekt die Sprache sprechen, vergeben. Jetzt geht es also in ein Land, das zwar nicht einmal 2000 Kilometer entfernt ist, über das ich aber eigentlich noch weniger weiß als über Australien oder die USA.
Alles schiefgegangen ?
Letztendlich habe ich mich mit dem Gedanken angefreundet . Die Mission „Neues erleben“ wird in jedem Fall erfüllt, und eigentlich reizt es mich mittlerweile viel mehr, dieses seltsame Rumänisch mit seinen drei verschiedenen A’s und seinen Artikeln, die hinter statt vor den Nomen stehen, zu lernen, als einfach meine Spanischkenntnisse zu verbessern.
In jedem Fall merke ich jetzt schon, wie sehr man bei einer solchen Aktion lernt, seine ursprünglichen Pläne auch mal über den Haufen zu werfen und, ich kann es nicht anders sagen, Opfer zu bringen. Mein Freund kam nicht mit der Tatsache klar, dass ich ein Jahr weg sein werde, und hat für sich die Konsequenzen gezogen, egal wie wenig mir das gefällt. Außerdem werde ich im geradezu biblischen Alter von 21 erst mein Studium beginnen, also dann, wenn die G8er, die direkt nach der Schule angefangen haben, schon mit dem Bachelor fertig sind.
Das macht aber nichts, weil mir dieses Jahr niemand wegnehmen kann und man seinen Wert meiner Meinung nach nicht nach Kriterien wie den Einfluss auf meine derzeitigen Freundschaften oder die Pluspunkte, die ich damit für den Lebenslauf sammle oder nicht sammle, bemessen sollte. Seltsamerweise habe ich gerade auf nichts mehr Lust, als mich von einer fremden Kultur und Umgebung komplett überfordern zu lassen und mir selbst zu beweisen, dass ich das auch auf mich allein gestellt hinkriege. Ich freue mich auf die Menschen, die Geschichten, die Erlebnisse und ganz besonders auf den Kulturschock.












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