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EM 2012-Blog: Deutschland gegen Holland

Elf Freunde müsst ihr sein: Die Fußball-Nationalmannschaft für die EM 2012 in Polen und der Ukraine. (Foto: PR)

Deutschland steht so gut wie im Viertelfinale. Die knallharte Spielanalyse von Fußballmuffel Mark und Rasensport-Fan Birk.

Elf Freunde müsst ihr sein: Die Fußball-Nationalmannschaft für die EM 2012 in Polen und der Ukraine. (Foto: PR)


 

Mark: Birk, erklär mir mal bitte, warum die Partien Niederlande gegen Deutschland immer so große Events sind. Was ist da passiert, dass das Aufeinandertreffen gerade dieser Teams so ein großes Ding ist?

Birk: Das ist ganz einfach. Deutschland und die Niederlande sind Nachbarländer mit großer Fußballtradition und vielen guten Spielern. Die Duelle waren dadurch immer auf Augenhöhe und sehr brisant. Zwei ganz große Momente der Rivalitäten sind sicherlich: Erstens das Endspiel der WM 1974 - Damals hat die DFB-Auswahl die Niederlande im Finale geschlagen und so die Weltmeisterschaft geholt. Zweitens ist eine Szene aus der WM 1990 zum Symbol dieser Duelle geworden. Frank Rijkaard hat damals Rudi Völler angespuckt und trug seitdem den Spitznamen Lama. Die anderen Nachbarn sind mit Ausnahme von vielleicht noch Frankreich keine so überragenden Fußballnationen. Wo du gerade Rivalität ansprichst, wie siehst du eigentlich die Debatte um die Fahnen am Auto? Ist das für dich ein Zeichen von falschem Nationalstolz?

Mark: Schön, dass du das ansprichst. Erst gestern hat mir ein Kumpel aus Hamburg erzählt, dass ein Clubbesitzer alle bemalten oder trikottragenden Fußballfans rausgeworfen hat. Ich finde das gut. Nicht unbedingt, weil ich das Flaggetragen als übertriebenen Nationalstolz wahrnehme, sondern weil mir dieses Fangetue zur EM völlig abgeht. Aber wie es aussieht, wird das noch anhalten.

Birk: Vor dem Hamburger Bahnhof habe ich sogar einen Infostand gesehen, der zum Boykott der EM aufrief. Wegen Verletzung der Menschenrechte, Tierquälerei, Adidas und andere Sponsoren (quasi wegen allem). Würdest du sagen, dass Fußball politisch seien muss oder überhaupt kann?

Mark: Bei solchen Fragen suche ich mir gern andere Situationen. Wenn Musikerinnen vor autoritären Regimes für viel Geld den Showact geben, dann hagelt es Kritik. Aber wenn ein Lahm sich gegen die Zustände in der Ukraine ausspricht, dann soll das unangebracht sein, weil Fußball nicht politisch ist? Da verstehe ich den Unterschied nicht. Wie siehst du das?

Birk: Mir haben die Worte von Lahm sehr gut gefallen. Allerdings finde ich die Debatte um Fahnen an den Autos und einen Boykott der EM etwas anstrengend - genauso wie den Wirbel um die Aussage von Hansi Flick, es müssten die Stahlhelme ausgeholt werden. Sofort kommt dann die Geschichtskeule und jeder schreibt seinen Senf dazu, egal ob bei Facebook oder bei Spiegel Online. Das finde ich einfach komisch. Aber kommen wir zum eigentlichen Spiel. Wie hat es dir heute gefallen?

Mark: Och, es war ganz okay. Es gab recht viele Tore. Es wurde fair gespielt. Hat mir gefallen. Besonders schön fand ich allerdings den Satz des Kommentators: "Der Rasen wurde bis kurz vor Anpfiff hier noch intensiv gewässert." Das kam völlig aus dem Nichts und war dazu noch total sinnlos, toll! Und was sagt der Profi?

Birk: Viele Sätze der Kommentatoren sind sinnlos, aber ich teile nicht die allgemeine Abneigung gegen Bela Rethy. Mir hat das Spiel gut gefallen, auch wenn es am Ende wieder eine ziemlich knappe Angelegenheit war, ähnlich wie gegen Portugal. Aber die deutsche Mannschaft war definitiv besser als noch im ersten Spiel und Mario Gomez hat wohl endgültig seine Kritiker verstummen lassen. Hat sich dein Sehverhalten etwas geändert? War dieses Mal das Fieber schon größer?

Mark: Jupp, es kommt schon etwas, dagegen kann ich nichts tun. Aber sobald ein Mario Gomez kurz nach dem Spiel wieder mit erschöpft-zusammenhangslosem Gebrabbel auf die Journalistenfragen antwortet, verfliegt das Fieber auch wieder. Wie viele Spiele habe ich jetzt noch Zeit, um richtig ins Fieber zu kommen?

Birk: Mit dem Finale Sechs.

Mark: Und meinst du, am Ende tanzen wir alle grölend auf den Tischen? Ist das Fieber bei dir am Ende so groß?

Birk: Puuh. Keine Ahnung - bisher habe ich noch keinen großen Sieg miterlebt. Beim letzten Titel 1996 war ich noch zu jung, aber gefeiert wird bei einem EM-Titel definitiv. Aber du hast die Journalistenfragen angesprochen - ein spannendes Thema eigentlich. Fußballer-Interviews sind manchmal echte Ikonen der Belanglosigkeit. Im Morgenmagazin von ARD/ZDF wurde die Frage gestellt: Wie viel Prozent Jogi Löw mit dem Bauch und mit dem Verstand entscheidet? Darauf sagte der "Experte" - 50:50 und bekam ein "Danke für diese Einschätzung". Schreib sowas mal in einen Artikel - die Redaktion haut dir den Text doch um die Ohren.

Mark: Hehe, ausgezeichnet! Wenn du so kritisch bist, kriege ich dich vielleicht noch eher auf die Seite der Fußballverächter gezogen, als du mich zum Fan erziehst!

Birk: Nein, keine Angst. Ich liebe Fußball, lese jeden Tag mehrfach Kicker.de und würde mich schon als sehr interessiert und bestens informiert bezeichnen. Die Sportart ist ja wirklich großartig und auch spannend, aber manchmal ist das Drumherum etwas anstrengend. Wie siehst du eigentlich als "Fußballverächter" die Szenen von den Straßenschlachten, die gerade durch die Medien gingen?

Mark: Als Fußballverächter habe ich davon überhaupt nichts mitbekommen. Worum ging es denn da?

Birk: Am Rande der Partie zwischen Russland und Polen kam es zu Hooligan-Krawallen. 150 Menschen wurden festgenommen.

Mark: Oha, ja sind die denn verrückt? Ganz offensichtlich schon.

Birk: Die Bilder waren auf jeden Fall erschreckend und diesem bisher sehr gut organisierten Sportereignis absolut nicht würdig.

Mark: Da lobe ich mir ja die deutsche Mannschaft, die für mich eine gewisse Fairness verkörpert. Im Spiel gestern hat auch nur Boateng eine gelbe Karte wegen Zeitspiel bekommen. Mit dem Zwei-zu-Eins-Sieg sind wir ja jetzt eine Runde weiter, habe ich richtig verstanden, oder?

Birk: Deutschlands Chancen noch auszuscheiden sind jedenfalls eher minimal und Holland ist so gut wie raus.

Mark: Gegen wen spielen wir als nächstes, Dänemark?

Birk: Genau - die haben Holland geschlagen und gestern knapp gegen Portugal verloren.

Mark: Also wird es richtig spannend nächstes Mal?

Birk: Eigentlich ist die Sache gelaufen. Portugal müsste sehr hoch gewinnen und Dänemark auch, um das Weiterkommen noch zu gefährden.

Mark: Ich drücke trotzdem die Daumen. Wofür, das sage ich nicht.

Birk: Ich bin gespannt. Übrigens, Olli Kahn hat das erste Mal in seinem Leben getwittert.

Mark Und was hatte er der Welt mitzuteilen?

Birk: wir werden #europameister!!!

Birk: Unter @OliverKahn kannste ihm folgen. Wird er der neue Boris Becker?

Mark; Ach, der Kahn und der Becker können twittern, was sie wollen. Ich followe jetzt erst mal nur der deutschen Elf.

Birk: Das ist auch schonmal ein gutes Zeichen in Richtung EM-Fieber. Ich freue mich auf das nächste Mal. Nachdem die Holländer wohl ihre Wohnwagen für den Heimweg vorbereiten müssen, hoffen wir auf ein gutes Spiel gegen Dänemark.

 
 
 

Victor

05.07.2012, 09:17 Uhr o wie schf6n jeden Tag von euch zu lesen. und die Bilder vor Augen und im Kopf zu haben von dem, was ihr erlebt.Liebe Grfcdfe aus dem hecietlbrhsn Deutschland heute mit Wind und RegenBettina

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