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Max Herre: Ein Album mit Freunden

Max Herre musste für sein neues Album nicht nur rappen, sondern auch organisieren. (Foto: PR)

Max Herre ist auf seinem neuen Album „Hallo Welt!“ zur Rapmusik zurückgekehrt. Über diesen Weg sprachen wir mit dem Stuttgarter im Interview.

Max Herre musste für sein neues Album nicht nur rappen, sondern auch organisieren. (Foto: PR)


 

Hast du mit soviel Begeisterung für deine neue Platte gerechnet?

Max Herre: So ganz ist die noch gar nicht durchgedrungen. Ich merke langsam mehr davon, seitdem das Album draußen und in den Charts ist. Ein Indikator war vorher schon unser Booker, der auf allen großen Festivals richtig gute Slots für uns rausschlagen konnte. Als wir dann Co-Headliner auf dem Splash waren, wußte ich schon, dass es nicht an der letzten Songwriter-Platte liegen kann. Aus meiner Sicht als Produzent würde ich aber auch sagen, dass es rein formell eine gute Rapplatte geworden ist.

Auf dem Cover und auch im Opener „Hallo Welt!“ gibt es einige Anspielungen auf Piratensender. Wie kam es dazu?

Max Herre: Ich habe keine persönlichen Erfahrungen damit. Nur ein Freund von mir aus Stuttgarter Zeiten hatte mal einen Piratensender und dort war ich ein paar Mal zu Gast. Aber die Idee hinter dieser Anspielung spiegelt vielmehr meine Art Musik zu machen wieder. Als Musiker habe ich mein eigenes Format, das in Teilen feststeht und ansonsten eine Gestalt annimmt, die ganz unabhängig von dem Markt da draußen funktioniert. Darum steht dieses Bild eines Piratensenders für unsere künstlerische Unabhängigkeit und das Zusammenkommen vieler verschiedener Stilrichtungen zu einem großen Ganzen.

Verschiedene Stilrichtungen ist ein gutes Stichwort. Wie hast du eigentlich die Auswahl deiner wirklich illustren Gäste getroffen?

Max Herre: Ich habe über die letzten Jahre hinweg einen großen Haufen Songskizzen gesammelt, mal in Form von Textzeilen, mal in Form von Beats. Irgendwann hatte ich ein Gefühl dafür, welche Songs ich komplett selbst machen möchte und an welchen Stellen ich Hilfe brauche. Ich hatte dabei immer ein klares Bild davon, wie der Song am Ende klingen soll, und habe mir dementsprechend die Gäste ausgewählt. Ich kann zwar einen Beat für einen Song wie „Vida“ schreiben, aber singen muss so etwas einfach Aloe Blacc. Meine Ideen als Produzent übersteigen meine Fähigkeiten als Sänger um Längen. (Lacht)

Wie schwer war es, trotz dieser vielen Gäste, noch einen musikalischen Bogen über das Album zu spannen und es nach Max Herre klingen zu lassen?

Max Herre: Ich glaube, als Produzent und MC habe ich schon einen relativ klaren Sound, der sich in allen Songs finden lässt. Meine Stimme und meine Texte erkennt man auf jeden Fall. Außerdem passte die Vermischung der musikalischen Welten meiner Gäste und meiner eigenen gut in das Konzept eines „Piratensenders“. Bei der Sendersuche prallen auch schon mal Lady Gaga und Tschaikowski aufeinander. Diese nicht immer homogenen Übergänge waren klar gewollt. Meinen Hörern traue ich die Reise von Kahedi Dub über Aloe Blacc bis hin zu Sophie Hunger zu. Natürlich hat das auch Grenzen, also Blues-Rock oder Singer/Songwriter-Melodien würden nicht mehr dazu passen.

Vor dem Album hast du ja auch einige Künstler selbst produziert, zum Beispiel Y‘akoto oder Joy Denalane. Hat sich deine Perspektive als Musiker dadurch verändert?

Max Herre: Ich habe gemerkt, dass ich meine Zeit als Rapper vor dem Mikrophon sehr klein gehalten und viel mehr „verwaltet“ habe. Mein Anteil als Musiker war entsprechend geringer als der des Produzenten. Manchmal hat mich diese Rolle auch etwas geärgert. Früher ist man noch ins Studio gegangen, hat eingerappt und war fertig. Heute habe ich viel mehr Zeit dort verbracht. Für mich ist „Hallo Welt“ deshalb auch ein Kahedi-Produzenten-Album. Vielleicht haben mir die Gäste aber deshalb noch mehr Spaß gemacht, weil wir als Team zeigen konnten, wie stark man auch Features in Szene setzen kann, ohne die eigene Identität zu verlieren.

Die heutige HipHop-Szene ähnelt ja den Freundeskreis-Zeiten in den 90ern. Man ist wieder offen für Einflüsse und es herrscht Vielfältigkeit. War diese Situation für dich auch ein Grund als Rapper zurückzukommen?

Max Herre: Tatsächlich gab es sowohl in Deutschland als auch in Amerika in den letzten Jahren viel Bewegung im HipHop, auch in großen Teilen des Mainstreams. Sehr gefallen in diesem Zusammenhang hat mir zum Beispiel die letzte Platte von Samy Deluxe, auf der er durch einige neue Türen gegangen ist und mehr Musik reingelassen hat, ohne den Rap zu verlieren. Damals stand meine Entscheidung für ein HipHop-Album schon fest, aber trotzdem habe ich mich sehr gerne mit ihm ausgetauscht. Für mich war Rap immer am spannendsten, wenn er sich nicht nur auf sich selbst bezieht, sondern sich bewusst für andere Dinge öffnet. Ich denke, deshalb ist es gerade ein gutes Klima für uns und für die Dinge, für die Freundeskreis immer stand. Aber meine Platte wäre klanglich wohl genauso geworden, auch wenn gerade immer noch Streetrap aktuell wäre.

Kommen wir mal zu den Songs. Besonders ins Auge gefallen ist mir beim Durchhören der Track „Berlin Tel Aviv“ mit Sophie Hunger. Kannst du dazu ein paar Worte sagen?

Max Herre: Sekou, ein Kumpel und Kollege aus alten Freundeskreistagen, hat mir immer wieder von Sophie Hunger vorgeschwärmt. Irgendwann habe ich mir die Alben von ihr geholt und war total von ihr begeistert. Sie kann unglaublich gefühlvoll auf Deutsch singen und klingt dabei sehr klar und unpathetisch - Schlicht und Nüchtern und trotzdem maximale Emotionen. Ich habe sie dann auf einem Folk-Festival getroffen. Sophie war super nett und außerdem ein großer Freundeskreis-Fan. Sie ist nämlich ein Botschafterkind und hat zu Zeiten von „Quadratur des Kreises“ in Deutschland gelebt. So stand der Zusammenarbeit wenig im Wege.

Und wie kam es zu den beiden Songs mit Aloe Blacc?

Max Herre: Aloe Blacc habe ich 2007 auf dem Splash kennengelernt, da war er noch als Rapper unterwegs. Damals hat er uns angesprochen und man war sich sympathisch. Einige Zeit später hat er uns im Studio in Berlin besucht und viele Monate danach kam schon „I Need a Dollar“ raus. Der Erfolg von seiner Soulplatte hat uns mega gefreut und der Kontakt ist auch nie ganz abgerissen. Bei dem Instrumental von dem Song „Vida“ habe ich sofort an Aloe Blacc gedacht und er war von der Idee ein Feature zu singen total begeistert. Bei seinem nächsten Deutschland-Aufenthalt haben wir ein Studio in Düsseldorf gebucht und sehr spontan zwei Songs aufgenommen.

Wie kommst du auf die Themen deiner Songs? Zum Beispiel sprichst du in „Aufruhr“ über den Tahir-Platz?

Max Herre: Ich habe den Song wirklich Mitte Juli geschrieben und hatte die Idee schon im Kopf, dass der Beats etwas kräftiger nach vorne gehen muss. Dazu kamen dann die Eindrücke aus dem arabischen Frühling und den Occupy-Demonstrationen überall auf der Welt. Die Forderung einer besseren Zukunft hat mich mitgerissen und die Zeit war einfach sehr hoffnungsvoll. Gleichzeitig beziehe ich das Ganze auch auf mein Leben und mache eben das Fenster in Berlin nochmal zu. Ich wollte auch keine Revolutionsromantik verbreiten. Mein Ziel ist vielmehr die Sorgen und gleichzeitig den Mut einer ganzen Generation von jungen Leuten zu beschreiben. Den Zeigefinger auspacken, bringt uns nicht weiter.

 
 
Kategorie: Musik
 

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