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Töne sehen: Musik für Gehörlose

Laura vermittelt die Musik mit den Händen und wippt im Rhythmus mit. (Foto: Birk Grüling)

Hörgeschädigte Menschen und Musik? Das passt erstmal nicht zusammen. Laura M. Schwengber hat Popsongs in die Gebärdensprache übersetzt.

Laura vermittelt die Musik mit den Händen und wippt im Rhythmus mit. (Foto: Birk Grüling)


 

Aus den Boxen dröhnen laute Beats, und Frida-Gold-Sängerin Alina fragt sich, wovon wir eigentlich noch träumen sollen. Vor dem blauen Hintergrund im Studio formt Laura Schwengber mit den Händen Zeichen und wippt im Rhythmus. In ihrem Gesicht kann man die Emotionen des Songs ablesen. So verzieht sie bei der Zeile „Ich fühle mich beschissen“ zusätzlich zur Handbewegung auch ihren Mund. Entstehen wird daraus am Ende eine Mischung aus dem ursprünglichen Musikvideo von Frida Gold und einer Übersetzung des Songtexts in Gebärdensprache. Wenn sie keine Musikvideos übersetzt, studiert die 22-Jährige an der Humboldt Universität Berlin „Deaf Studies“, zu Deutsch „Sprache und Kultur der Gehörlosengemeinschaft“ und arbeitet neben ihrem Studium als Assistentin für Gebärdensprache. „Mein bester Freund ist taubblind, seit dem Sandkasten haben wir uns über das Lormen verständigt. Dabei zeichnet man mit dem Finger Buchstaben auf die Handfläche des anderen, davon bin ich dann schnell zur Gebärdensprache gekommen“, erklärt Laura ihre Studienwahl und gibt zu: „Musik hat bei uns an der Uni bisher eher eine untergeordnete Rolle gespielt. Daher war das Projekt am Anfang für mich auch absolutes Neuland.“

Üben vor dem Spiegel

Entsprechend intensiv ist deshalb auch die Vorbereitung auf die Drehs. Mehrfach schaut sich Laura die Musikvideos an und achtet dabei auf jedes Detail, von den Emotionen in der Stimme bis zur Geschwindigkeit des Rhythmus. Danach übt sie jeden Song noch mal vor dem Spiegel. „Ich versuche, nicht nur mit den Händen zu gebärden, sondern mit dem ganzen Körper den Inhalt des Songs sehr genau wiederzugeben.“ Darin liegt auch der Unterschied zur normalen Übersetzung in Gebärdensprache, bei der man viel freier gebärden und außerdem stärker mit dem Gegenüber interagieren kann. Trotzdem sieht sie das Projekt als eine gute Möglichkeit, um noch bessere Einblicke in den Alltag der Gehörlosen zu bekommen. „Musik ist wichtig für viele Gehörlose: Es gibt zum Beispiel Tauben-Partys, die einfach unglaublich laut und beatlastig sind, damit man die Musik körperlich erfahren kann.“ Umso mehr hat Laura sich deshalb über die positiven Rückmeldungen aus der Gehörlosengemeinschaft gefreut. „Ich habe gar nicht mit so viel Feedback gerechnet. Ich bin absolut begeistert, gerade weil auch viele neue Anregungen dabei waren, die ich gleich beim nächsten Mal umsetzen kann.“ Darauf freut sich die 22-Jährige schon so sehr, dass sie sich manchmal sogar unter der Dusche beim Mitsingen ertappt, in Gebärdensprache, versteht sich.

 
 
Kategorie: Musik
 

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