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Maximo Park: Liebe, Politik und Jane Austen

Haltet euch fest- Die britische Indie-Rockband feiert ihr Comeback (Foto: PR)

Die Bandpause ist endlich vorbei und Maximo Park melden sich mit „The National Health“ zurück. Ein Interview mit Sänger Paul Smith.

Haltet euch fest- Die britische Indie-Rockband feiert ihr Comeback (Foto: PR)


 

Machst du dir manchmal Sorgen um unsere Welt?

Ja, klar. Fast jeder in Europa ist von der finanziellen Krise in irgendeiner Weise betroffen, es herrscht eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und die Ungleichheit in der Gesellschaft nimmt immer mehr zu. Aber trotzdem bin ich nicht verzweifelt. Man kann sich ja nicht täglich seinen Globus schnappen und einen neuen Krisenherd raussuchen, über den man sich dann Sorgen macht. In einem Film oder einem Buch wären die Sorgen um diese etwas chaotische Zeit so etwas wie die Rahmenhandlung.

Was macht dir Hoffnung?

Naja, es gibt auch immens viele positive Sachen um uns herum, z.B. Liebe, Beziehungen und lange Freundschaften. Die Welt ist für mich eher wie ein Buch mit vielen verschiedenen Kapiteln und umso genauer man sich die Geschichten darin durchliest, desto mehr gute Dinge kann man finden. Manchmal bin ich sehr wütend und manchmal einfach sehr glücklich und genau solche Momente finden sich auch in meiner Musik.

Gibt es konkrete Dinge, die du den Hörern auftragen würdest, um die Welt zu besser zu machen?

Ich glaube, es braucht keine Menschen mehr, die einem sagen müssen was richtig und was falsch ist. Jeder kann sich heute selbst ein Bild machen und seine Meinung frei bilden. Musiker sollten ohnehin keine Antworten oder Anweisungen geben, jeder sollte für sich selbst entscheiden. Das wäre auch meine einzige Botschaft an die Hörer unserer Musik.

Warum braucht es heute keine Musiker oder andere Künstler mehr, die auf Missstände hinweisen?

Diese Feststellung gilt aus meiner Sicht gerade für die offensichtlichen Missstände. Jeder weiß, dass Krieg etwas Schlechtes ist und da braucht es keine Band, die dagegen predigt. Leute, die dir sagen wollen was richtig oder falsch ist, gibt es genug.

Trotzdem haben viele eurer Songs doch eine Botschaft oder?

Ja, klar. Es ist aber unser persönlicher Eindruck der Welt und keine distanzierte Einordnung oder Analyse. Was die Hörer damit tun, bleibt ihnen persönlich überlassen. Sie können dazu tanzen, die Songs unter der Dusche singen oder eben darüber nachdenken. Das ist das Schöne an Popmusik - Sie ist als Kunstform noch sehr jung und frisch, man findet in ihr zwar starke Kommentare und Positionen zu verschiedenen Situationen der Welt, aber gleichzeitig auch so viel Freude.

In den 50er Jahren gab es die Angry Young Men, eine Gruppe aus sozialkritischen Literaten. Ist deren Art Dinge zu kritisieren und Kritik zu üben ein Einfluss für euch?

Ja, in einer gewissen Weise schon. Wir wurden stark von Künstlern und Schriftstellern beeinflusst, die in ihren Werken das echte, reale Leben aufzeigen, zum Beispiel in Büchern wie „Die Einsamkeit des Langstreckenläufers“ von Alan Sillitoe. Die großen Werke der Weltliteratur kommen nicht ohne Grund von Menschen ohne Reichtum und mit wenig Perspektive. Nehmen wir doch mal Jane Austen - Sie hat vielleicht in einem schönen Landhaus gelebt, dafür aber in einer Zeit in der Frauen wie Menschen zweiter Klasse behandelt wurden. Dementsprechend stehen auch ihre Erzählungen außerhalb der damaligen Traditionen und sind damit ungemein inspirierend.

Seid ihr auch Angry Young Men?

Nein. Zwar glaube ich, dass man von diesen großen Literaten und Kritikern durchaus etwas lernen kann, aber man darf nicht vergessen, dass heute eine ganz andere Situation vorherrscht. Die westlichen Gesellschaften haben sich weiterentwickelt- Jeder kann sich selbst ein Bild machen und seine Meinung frei bilden.

Wie kann man denn eure Musik einordnen?

Es ist unser persönlicher Eindruck der Welt und keine distanzierte Analyse. Um dieses Persönliche geht es auch in dem Titelsong „National Health“ - im Alltag muss jeder seine eigenen Probleme meistern und einen Sinn für sich finden, dabei hilft es nicht sich nur Sorgen zu machen. Viel mehr muss jeder seinen Grund zu Leben finden. Das ist gleichermaßen ungemein schwierig und ungemein schön.

Kommen wir mal zur Musik. Was ist für euch der Hauptunterschied zwischen „Quicken The Heart“ und „The National Health“?

Bei dem Vorgänger „Quicken The Heart“ hatten wir schon eine sehr enge Bindung zwischen den einzelnen Songs, aber das aktuelle Album geht noch einen Schritt weiter. Dieses Mal haben wir versucht, wirklich in jedem Song ganz ähnliche Gefühle zu transportieren. Bei der Aufnahme mussten wir außerdem sehr individuell arbeiten, weil unser Studio in Los Angeles sehr klein war und wir die Instrumente nur getrennt einspielen konnten.

Inwiefern hat sich eure Bandpause zwischen den beiden Alben auf die Arbeit ausgewirkt?

Das Jahr Pause war unglaublich bereichernd und erfrischend für die Zusammenarbeit. Wir kamen mit einer wirklich neuen Betrachtungsweise für bestimmte Dinge wieder zusammen und haben uns ganz neu auf unsere Stärken konzentriert. Ohne diese Pause wäre es uns wahrscheinlich schwerer gefallen, neue Dinge auszuprobieren und gleichzeitig so strukturiert zu arbeiten. Musikalisch hört man das, zumindest aus unserer Sicht, am stärksten an der neuen Dynamik und Lebendigkeit in den Songs. Nicht nur bei den schnelleren und lauteren Nummern, sondern auch bei den ruhigen Songs über Liebe und Gefühle haben wir versucht, eine ganz bestimmte Atmosphäre zu kreieren. Dadurch wirkt „The National Health“ wie ein Spaziergang durch die Straßen voller ganz verschiedener Eindrücke. Mal siehst du ein gemütliches Café und gleich in nächsten Moment schon einen verrückten Radfahrer, über den du lächeln musst. Unser Album ist genauso eine Sammlung aus Beobachtungen und Gefühlen.

Was wären denn für euch Gründe das Album zu kaufen?

Gute Frage (lacht). Ich würde sagen, es ist wie eine Achterbahn. Auf dem Album ist für jeden etwas dabei, weil es ganz viele verschiedene Punkte gibt an denen man sich wohlfühlen kann. Es ist auch völlig egal, ob du in einer ruhigen oder in einer aufgeregten Stimmung bist. Es ist ein Pop-Album, eine Reise für 40 Minuten, auf der wir kleine Geschichten in drei Minuten erzählen. Wir würden darum jeden einzelnen Song als Single veröffentlichen und wären sehr glücklich damit. Reicht das?

Ihr habt auch einige Songs vorab ins Internet gestellt. Welche Rückmeldungen kamen darauf von den Fans?

Ich war gerade auf Twitter, als wir unseren ersten Song „Hips and Lips“ online gestellt haben. Für einen kurzen Moment hat das Internet verrückt gespielt (lacht). Die Leute waren alle sehr glücklich über den Song und das Feedback war überwältigend. Ich glaube, „Hips and Lips“ ist aber auch ein sehr dankbarer Song. Er springt dir im Kopf hin und her und macht gute Laune.

Wie schnell war die Verbindung zu euren Fans nach der Pause wieder da?

Sehr schnell. Wir sind für kurze Zeit in unserer eigenen kleinen Welt verschwunden. Als wir zurückkamen wussten wir, dass wir den Menschen, die auf uns gewartet haben, etwas zurückgeben müssen. Das ist ja nicht selbstverständlich, immerhin ist die Popmusik so schnell geworden und täglich gibt es neue Alternativen zu den alten Idolen. Die richtige Verbindung kommt dann sowieso erst auf Tour zurück, wenn die Leute deine Songs schon mitsingen, die du gerade erst auf Papier gebracht hast. In diesen Momenten merkt man, dass unsere Musik eine Bedeutung für sie hat und wir sie irgendwie beeinflussen. Diese Verbindung ist mit das Beste am Musiker-Dasein.

Paul, du hast ja die Bandpause für ein Soloalbum genutzt. Hatte dieser Ausflug ein Einfluss auf die Arbeit an „The National Health“?

Ja, ohne Frage. Alles, was man gemacht hat, übt Einfluss auf das was man gerade macht oder was noch kommt. Nach meinem sehr ruhigen Soloalbum habe ich mich zum Beispiel sehr darauf gefreut, mal wieder laute Songs zu schreiben. Andererseits, hätte ich das Soloalbum nicht gemacht, wäre ich wahrscheinlich inzwischen sehr frustriert von den ganzen Songs, die ich mit den Leuten teilen möchte, die aber nicht zu Maximo Park passen. So konnte ich ganz offen an die neue Herausforderung gehen und wusste es wieder zu schätzen in einer Band zu spielen.

Was waren für dich die größten Unterschiede in der Arbeit?

Wenn du ein Soloalbum machst, bist du schon etwas isoliert und die ganze Verantwortung liegt plötzlich bei dir. Ich mochte das sehr, weil es so anders war als sonst und man die Leute auch überraschen konnte. Immerhin wussten die Menschen ja nicht, wie ich ohne Maximo Park klinge. Deshalb war es für mich eine wichtige Lebenserfahrung, die mich heute aber die Vorzüge einer Band neu erkennen lässt. Auf viele Dinge wäre ich ohne meine Jungs nie gekommen (lacht).

Gab es eigentlich ein besonderes Ereignis oder einen Song, der euch gezeigt hat, dass es wieder Zeit ist, als Band zusammenzuarbeiten?

Bevor ich mit der Arbeit für mein Soloalbum angefangen habe, sind noch zwei Maximo Park Songs entstanden, die mir nicht mehr aus dem Kopf gingen. Immer wenn ich die gehört habe, wusste ich, dass wir wieder zusammen ins Studio gehen und das Album vollenden müssen. Dieses Gefühl hat sich natürlich in der Pause, in der wir alle viel experimentiert haben, immer dann verstärkt, wenn es nicht geklappt hat. Man wusste einfach, dass es dort Leute gibt, mit denen das alles völlig reibungslos funktioniert.

Bei welchem Song war dieses Gefühl am stärksten?

„Reluctant Love“ - der Song ist zwar sehr einfach gestrickt, aber er war sofort da, ohne dass wir lange darüber nachdenken mussten. Ich würde nie von mir sagen, dass ich ein großer Songwriter oder Sänger bin. Es sind eher die Menschen um mich herum, die mir dabei helfen solche Songs zu schreiben. Wir sind alle keine ausgebildeten Musiker und wissen auch nicht immer ganz genau, welche Note als Nächstes folgen muss. Umso größer ist deshalb das Glücksgefühl bei einem neuen großartigen Song. Die Melodie zu „Reluctant Love“ entstand erst im Proberaum und dann auf meinen Rechner habe ich selbst festgestellt, wie großartig das eigentlich ist (lacht). Ich bin dann erstmal nicht mehr rausgegangen und habe nur noch in das kleine Mikrophon meines Computers gesungen. Wenn man solche Momente auch noch nach sieben oder acht Jahren in einer Band erlebt, weiß man einfach, dass es Zeit für ein neues Album ist.

@Maximo Park

 
 
Kategorie: Musik
 

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