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Engagement: „Oft wird man nicht ernst genommen“

Die Teilnehmer unserer Diskussionsrunde in Berlin hatten viel Spaß, auch wenn es um ein ernstes Thema ging. (Foto: Elena Wagner)

Jugendorganisationen geben die Möglichkeit, etwas zu verändern. Aber lohnt sich das Engagement überhaupt? Wir haben mit Vertretern diskutiert.

Die Teilnehmer unserer Diskussionsrunde in Berlin hatten viel Spaß, auch wenn es um ein ernstes Thema ging. (Foto: Elena Wagner)


 

Eure Organisationen ermöglichen Engagement auf allen Ebenen. Aber stößt man nicht irgendwann auch an Grenzen, besonders als Schüler?
Immo Fischer: Grenzen gibt es natürlich, aber ich glaube, dass die Grenzen letztlich nicht so sehr auf die Tatsache zurückzuführen sind, dass man jung ist. Es ist leider so, dass man nicht immer die Dinge von heute auf morgen zum Besseren verändern kann, sondern manchmal einen langen Atem braucht und auch Rückschläge einstecken muss.
Yvonne Everhartz: Ich finde, man kann das auch gar nicht an Themen festmachen, für mich sind das eher die Strukturen. Ich sehe das zum Beispiel daran, dass, wenn wir außerschulische Verbandsarbeit machen, die Schule unsere Grenze ist. Gerade wenn es in immer mehr Ländern Ganztagsschulen gibt, wenn die Schulen einen immer größeren Lebensraum der Jugendlichen einnehmen, dann ist es schwierig zu sagen: Okay, wir machen jetzt mittwochabends auch noch unsere Pfadfindergruppenstunde.
Immo Fischer: Man muss Strukturen schaffen, um Grenzen und Hürden abzubauen. Bei der WWF Jugend ist es so, dass die Jugendlichen nicht in bestimmte Funktionen gewählt werden, sondern es ist eher aktionistischer. Es gibt viele Angebote, bei denen man mitmachen kann. Es kommen aber auch sehr viele Ideen aus der Community selbst. Das heißt, wir verzichten auf feste Vorgaben, was wann gemacht werden kann, und es liegt an jedem Einzelnen, sich einzubringen. Damit kann man sehr viel erreichen.
Ist nicht die größte Hürde, dass ihr oft nicht ernst genommen werdet?
Henriette Labsch: Bei uns in der evangelischen Jugend schon. Auch wenn die Mitglieder erst 14 sind, lassen wir sie Verantwortung übernehmen, wenn sie wollen. In der Schule sieht das leider anders aus. Immer wieder hört man, dass die Schülervertretungen nicht ernst genommen werden mit ihren Wünschen und Äußerungen.
Karl Bär: Unser Verband ist offen, was das Alter anbelangt. Die Jüngsten sind neun. Und wenn mal eine Veranstaltung ist, dann sind da auch Zwölfjährige dabei. Wir nehmen die ernst. Es gibt dann natürlich diesen großen lebensweltlichen Unterschied zwischen mir mit 27 am Ende des Studiums und denen, die gerade ins Gymnasium gekommen sind. Aber wenn sich jemand engagiert und etwas zu sagen hat, dann wird er zumindest auch gehört.
Sören Siegismund-Poschmann: Ich bin mit 16 oder 17 bei den Piraten eingestiegen. Und ich hatte nie das Problem, dass es von Seiten der Piraten hieß: Du bist noch jung, du hast noch keine Ahnung. Ich wurde ernst genommen, genauso wie der 30-Jährige neben mir auch.
Aber Außenstehende haben bestimmt ab und an Vorbehalte. Vor allem, wenn man sich in der Jugendorganisation einer Partei bewegt ...
Lasse Becker: Wenn man abstrakt sagt: Ich engagiere mich politisch, dann kommt gar nicht so der Vorbehalt. Allerdings gibt es himmelweite Unterschiede bei den Vorstellungen darüber, was man dann in der Politik tatsächlich tut. Zum Beispiel fragte mich einer meiner Mitschüler beim Abi: „Lasse, warum gehst du denn jetzt studieren? Du bist doch in der Politik!“ Und ich: „Was denkst du denn, was ich in der Politik so verdiene?“ Es kam dann die spontane Schätzung von 3000 Euro im Monat für ein ehrenamtliches Hobby … Was ich damit sagen will: Es gibt da Vorstellungen, die teilweise ins Absurde gehen. Politik ist ein Hobby, bei dem man wirklich viel gestalten kann, aber auch eine Menge Spaß hat.
Josephine Michalke: Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass nicht politisch engagierte Leute sich ehrenamtliche Politik nicht vorstellen können. Oft heißt es: „Du machst Politik? Dann willst du später Bundeskanzlerin werden?“ Dass man aus Überzeugung politisch aktiv ist und seine Freizeit dafür opfert, können sich nur wenige vorstellen.
Geld verdienen kann man nur in euren Dachorganisationen und Mutterparteien. Und am Ende werden auch nur da die großen Entscheidungen getroffen. Sollte man sich also besser gleich bei denen engagieren?
Lasse Becker: Zuallererst sind auch in den Parteien mehr als 95 Prozent der Leute ehrenamtlich unterwegs. Man muss, finde ich, aber festhalten, dass gerade bei den Seniorenorganisationen, also den Mutterparteien, die Strukturen noch sehr festgefahren sind. Wenn sich jemand engagieren möchte, würde ich – egal bei welcher Partei – raten: Geh immer erst zu einer politischen Jugendorganisation und engagier dich da. Da ist man dichter dran am realen Leben eines jungen Menschen, hat eine gemeinsame Lebenswelt, und man findet auch nicht ganz so abgestumpfte Strukturen vor.
Josephine Michalke: Das ändert sich aber, und ich glaube, zu diesem Wandel trägt auch die demografische Entwicklung bei. Es ist ja grundsätzlich so, dass eine Partei, die sich nicht um Nachwuchs kümmert, irgendwann den Bach runtergeht. Dazu kommt in Deutschland die Entwicklung, dass es irgendwann nicht mehr so viele Leute geben wird und man sich dementsprechend intensiver um Nachwuchs kümmern muss. Und ich habe in den letzten drei, vier Jahren mitbekommen, dass die Parteien Strategien gegen das politische Aussterben ausarbeiten. Dazu gehört, die jungen Parteimitglieder mehr miteinzubeziehen.

 

Teilnehmer der Diskussionsrunde:

Lasse Becker, Vorsitzender der Jungen Liberalen
Karl Bär, Bundessprecher der Grünen Jugend
Josephine Michalke, Bundessprecherin der Linksjugend
Sören Siegismund-Poschmann, Kapitän der Berliner Crew der Jungen Piraten
Yvonne Everhartz, Mitglied des Bundesvorstands des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend
Immo Fischer, Pressestelle WWF Jugend

 
 
Kategorie: Mitreden
 

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