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Simone Bauer: Ohne erhobenen Zeigefinger

Die junge Autorin Simone Bauer hat mit 14 Jahren einfach aufgehört Alkohol zu trinken (Foto: PR).

Im Interview mit uns spricht die 22-jährige Autorin nicht nur über ihr neues Buch, sondern erzählt auch offen von ihrer Einstellung zum Thema Alkohol.

Die junge Autorin Simone Bauer hat mit 14 Jahren einfach aufgehört Alkohol zu trinken (Foto: PR).


 

Nach ihrem Debütroman „Ganz Entschieden Unentschieden“ legt Simone Bauer nun mit einem zweiten Buch nach: In „Alkoholfrei“ geht es darum, erwachsen zu werden und seinen eigenen Weg zu gehen. Wie schwierig dies manchmal ist, zeigt die Geschichte der Protagonistin Emma. Nach einigen schlechten Erfahrungen mit Wodka, Bier und Wein entschließt sie sich, nie wieder ein Glas Alkohol anzurühren. Ihre Freunde können diesen Entschluss überhaupt nicht verstehen und lassen sie dafür fallen. Doch das bleibt nicht die einzige schwierige Situation, die Emma zu meistern hat.

In „Alkoholfrei“ geht es um ein junges Mädchen, das aufhört, Alkohol zu trinken. Was hat dich zu dieser Geschichte inspiriert?

Ich trinke selber keinen Alkohol mehr, seit ich 14 bin. Damals habe ich die Entscheidung getroffen, alkoholfrei zu leben und auch nicht zu rauchen. Daraus hat sich dann die Idee entwickelt, darüber etwas zu schreiben. Als dann auch meine Lektorin meinte, dass dieses Thema für ein Jugendbuch total super wäre, habe ich mir die Geschichte um die 16-jährige Emma ausgedacht.

Wieso trinkst du selbst keinen Alkohol mehr?

Ich habe nie besonders viel getrunken.  Mir hat‘s auch nie geschmeckt und ich wollte auch nicht so viel Geld dafür zahlen oder dick werden. Dann hab ich irgendwann gemerkt, dass ich auch ohne Alkohol Spaß haben kann. Ich wollte nicht nur trinken, weil alle anderen es auch machen. Deshalb habe ich einfach gesagt, ich höre damit auf.

Hast du dafür auch schon mal wie Emma dumme Sprüche kassiert?

Damals überhaupt nicht. Meine Freunde haben das sehr gut aufgenommen. Aber wenn man es zum ersten Mal jemandem erzählt, sagt der meisten schon: „Oh mein Gott, das könnte ich nicht!“ oder auch annimmt, dass man schlimme Erlebnisse mit Alkohol hatte. Aber das bin ich inzwischen gewohnt und deswegen macht mir das auch nichts.

Weil du, genau wie Emma, auf Alkohol verzichtest, drängt sich ja die Frage auf, ob „Alkoholfrei“ biografisch geschrieben ist…

Im Endeffekt ist es nicht wirklich biografisch. Nur der Punkt, dass ich selbst keinen Alkohol trinke, stimmt mit Emmas Biographie überein und den Rest habe ich dann dazu erfunden. Aber jedes Mal, wenn man zum Beispiel etwas Trauriges schreibt oder eine kuriose Anekdote erzählt, dann kommt das oft aus dem eigenen Leben. Die Gefühle muss man abrufen. Bei der Arbeit an einem Buch verarbeitet man letztendlich immer eigene Erlebnisse.

Welche Szenen im Buch haben denn tatsächlich stattgefunden?

Im Buch gibt es einen Dialog, wo Emma mit ihrem neuen Freund Jarek zusammen ist und dessen Kumpels kennen lernt. Das ist ein Dialog, der sich wirklich eins zu eins so zugetragen hat. Hauptsächlich sind es aber die kleinen Details, die ich von mir ins Buch einfüge und nicht die ganz großen.

Wie hast du dich auf das Schreiben des Buches vorbereitet?

Natürlich habe ich Jugendzeitschriften gelesen, man guckt ja auch viel Fernsehen und ich habe beim Weggehen Beobachtungen gemacht.  Das ist dann das, was man beim Schreiben mitnimmt.

Was entgegnest du Jugendlichen, die beim Hören des Titels „Alkoholfrei“ die Augen
verdrehen?

Es ist hauptsächlich Emmas Geschichte. Im Buch geht es nicht nur die ganze Zeit um Alkohol, sondern auch um andere Themen, die Spaß machen und in denen man sich selbst wiederfinden kann. Wie zum Beispiel, dass sie den Schwarm für sich gewinnt, der eigentlich was von jemand anderem möchte. Außerdem ist sie in ihrem letzten Schuljahr und trifft die Entscheidung für ihre Zukunft, gegen den Willen ihres Vaters. Es geht letztendlich darum, erwachsen zu werden und eigene Entscheidungen zu treffen.

Willst du mit deinem Buch Jugendliche über Alkohol belehren?

Es war mir wichtig, im Buch nicht den Zeigefinger zu heben und zu sagen, dass Alkohol böse ist und es in Deutschland so und so viele junge Alkoholiker gibt. Das wollte ich auf keinen Fall. Wichtig ist mir, dass sich jeder Jugendliche Gedanken darüber macht, wieso er selbst eigentlich Alkohol trinkt. Ist es aus den richtigen Gründen? Möchte man damit seinen Freunden oder seinem Schwarm gefallen oder ist es, weil es für jemanden wirklich ein Genuss ist? Ich denke, dass es bei den Lesern schon auch die Frage auslöst, warum sie es tun. Sie hinterfragen es und merken dann auch oft, dass sie wahrscheinlich keinen Alkohol trinken sollten, weil sie es aus den falschen Gründen tun.

Du kannst also mit deinen Büchern Einfluss auf deine Leser nehmen.

In meinem ersten Buch, „Ganz Entschieden Unentschieden“, ging es im Prinzip darum, seinen eigenen Weg zu gehen. Der Leser macht sich dann Gedanken darüber, wie das bei ihm selbst aussieht. Natürlich liest er teilweise auch was Lustiges und wird unterhalten, aber dennoch stellt er sich die Frage „Wie schaut‘s bei mir aus? Läuft bei mir eigentlich alles so richtig im Leben?“ Das ist gut, wenn Literatur das macht – aber ohne belehrend zu sein.

Was sind die Gründe für das „Komasaufen“ unter Jugendlichen?

Es ist eigentlich immer der Grund dabei, dass man aus sich herausgehen möchte und da Alkohol enthemmt, findet man das dann super. Zum anderen denke ich aber auch, dass es viel Langeweile ist: Es ist nichts zu tun, man fragt sich, was man machen soll, dann fängt man eben halt an zu trinken, dann wird’s wenigstens lustig. Das ist das, was man so mitbekommt und sieht.

Spielt auch Gruppenzwang eine Rolle?

Definitiv, auf jeden Fall.

Was können Jugendliche tun, die auch weniger Alkohol trinken möchten, aber Schwierigkeiten haben, das laut zu sagen?

Es ist wichtig, zu sich selber zu stehen. Ich kann es nachvollziehen, dass es nicht so einfach ist, den Mund aufzumachen und dann vielleicht einen Streit anzufangen – man möchte ja eigentlich harmonisch leben. Aber da muss man dann schon mal den Mund aufmachen und sagen, was Sache ist und erklären, warum einem das nicht gefällt.

Deine drei Hauptargumente, die dagegen sprechen, viel Alkohol zu trinken?

Ich verweise auf die Seite von „SMS von gestern Nacht“ – das ist ein sehr gutes Argument. Außerdem der Brummschädel, den man am nächsten Morgen hat. Vielleicht erlebt man gerade auch was total Schönes, vielleicht lernt man gerade seinen Freund kennen oder hat seinen ersten Kuss. Danach erinnert man sich daran nicht mehr so gut, wie wenn man es einfach pur erleben würde. Das ist sehr schade, wenn einem so ein Erlebnis genommen wird.

Welches Getränk bestellst du, wenn du abends mit Freunden unterwegs bist?

Cola!


"Alkoholfrei" ist am 01.09.2012 bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen und ist für 14,95 Euro erhältlich.

 
 
 

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