de-DE Kino

Cosmopolis: Geld führt Selbstgespräche

Pattinson in der Rolle des gefühlskalten Milliardärs Eric. (Foto: PR)

Robert Pattinson spielt einen vom Leben gelangweilten Superreichen, der sich in Exzesse stürzt und letztendlich den Verstand verliert.

Pattinson in der Rolle des gefühlskalten Milliardärs Eric. (Foto: PR)


 

Der Roman „Cosmopolis“ von Don DeLillo kam noch vor den Anschlägen des elften Septembers heraus und hatte geradezu prophetische Qualität: Er sagte eine weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise voraus, die Möglichkeit von Anschlägen und eine Protestbewegung, die an Occupy erinnert. Im Jahr 2012 nun kommt die Verfilmung ins Kino, umgesetzt vom Kanadier David Cronenberg, der ursprünglich mit Horrorfilmen bekannt wurde und sich nun an einem Stück Kapitalismuskritik versucht.

Wahnsinn im Auto

Banker und Milliardär Eric Packer (Robert Pattinson) lässt sich mit seiner Stretch-Limousine quer durch New York zum Friseur fahren. Da der Präsident in der Stadt ist und außerdem der Trauerumzug für Erics Lieblingsmusiker Brutha Fez den Verkehr blockiert, dauert die Fahrt einen kompletten Tag. Doch das Auto ist ohnehin Erics beliebtester Aufenthaltsort: Er hat es sich wie eine Villa ausbauen lassen. Alle wichtigen Meetings hält er im Wagen ab und sogar seinen Arzt lässt er zum täglichen medizinischen Check-Up an Bord kommen. Immer wieder trifft er auch seine frisch angetraute Ehefrau und versucht sie mit Rhetorik zum Sex zu überreden, was ihm nicht gelingt. Dafür bekommt er allerdings seine Kunstberaterin und eine Frau aus seinem Bodyguard-Team ins Bett beziehungsweise ins Auto. Über den Tag wird Eric zusehends paranoid und verfällt dem Wahnsinn. Er verliert sein komplettes Vermögen mit Milliarden-Spekulationen gegen den chinesischen Yuan und glaubt, dass ein Attentäter (Paul Giamatti) es auf ihn abgesehen hat.

Auf der Suche nach Gefühl

Cronenberg bleibt nahe an der Buchhandlung. Das meiste Geschehen spielt sich in Packers schalldicht mit Kork isolierter Limousine ab… Pattinsons kaltes Mienenspiel passt zu der allumfassenden Gleichgültigkeit seiner Rolle. Packer redet den ganzen Tag, mehr mit sich selbst als mit den wechselnden Gesprächspartnern, aber nichts berührt ihn wirklich. Mal ist er ein bockiges Kind, das am liebsten die ganze Welt besitzen will, dann ein von Trieben beherrschter Lüstling, schließlich ein Wahnsinniger, der sich selbst verletzt. Zu Hause in einer Welt der Zahlen und Abstraktionen in der nichts mehr Konsequenzen hat, sucht er in Exzess und Zerstörung nach Körperlichkeit und Gefühl.

Leider bleiben die pseudo-philosophischen Monologe in der stylishen Umgebung des Autos zu sehr an der Oberfläche, heiße Luft statt wirklicher Kapitalismuskritik. „Geld führt nur noch Selbstgespräche“, sagt Packers Cheftheoretikerin an einer Stelle. Das ist ein spannender Gedanke, aber sehr filmisch ist das nicht. Leider wirkt auch Cosmopolis wie ein Selbstgespräch, aber nicht wie eine ernsthafte Diskussion mit sich selbst, sondern wir Small Talk vorm Spiegel.

USA 2012; R: David Cronenberg; D: Robert Pattinson, Juliette Binoche, Jay Baruchel, Paul Giamatti, Kevin Durand; Kinostart: 05.07.2012

 
 
Kategorie: Kino
 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode:
This is a captcha-picture. It is used to prevent mass-access by robots. (see: www.captcha.net)



Name/Nick:


E-Mail-Adresse: (wird nicht veröffentlicht)

Beim YAEZ.de-Newsletter anmelden

Kommentar:


Weiterlesen:

ANZEIGE

Wirtschafts Werkstatt

Mit innovativen Nebenjobs die Studentenkasse auffüllen

ANZEIGE

Aktuell und hochspannend!

Der neue Jugendroman über den Nahostkonflikt!

ANZEIGE

Planspiel Börse

Börsenwissen vom Esstisch und Profitipps

ANZEIGE

Runter vom Gas!

Gewinne einen neuen Helm oder ein Treffen mit einem Stuntman!

ANZEIGE

Playstation Junior Champions Cup

Vom Bolzplatz zur Champions League

Hast Du
eine Frage?

Stell hier deine Frage an
Billy Talent

zur Fragestunde


YAEZ.de Newsletter

Name: 




Themen