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Little Thirteen: Kalkuliert provokant

Sarah lernt Sex-Bekanntschaften im Internet kennen. (Foto: PR)

Der Film sollte mit seiner speziellen Thematik eigentlich schocken- verliert sich dann aber in der Präsentation einer Elendsansammlung.

Sarah lernt Sex-Bekanntschaften im Internet kennen. (Foto: PR)


 

Nachwuchsregisseur Christian Klandt erzählte in „Weltstadt“ von zwei Jugendlichen in der Brandenburgischen Einöde, die aus Langeweile einen Obdachlosen anzündeten. Der Film gefiel damals der großen Produktionsfirma X-Filme (u.a. verantwortlich für die Tom-Tykwer-Filme) so gut, dass sie ihn ins Kino brachten und beschlossen, Klandts Abschlussfilm zu produzieren. Der macht nun mit „Little Thirteen“ ein ungewöhnlich großes Diplom an der Potsdamer Filmhochschule. Seiner Vorliebe für gesellschaftliche Rand- und Reizthemen bleibt er treu: „Little Thirteen“ erzählt von sexueller Verwahrlosung.

Von Sex besessen

Die einzige menschliche Nähe, die Sarah (Muriel Wimmer) und Charly (Antonia Putiloff), 13 Jahre und beste Freundinnen aus Berlin Marzahn, kennen, ist Sex. Sie wechseln die Liebhaber, die sie übers Internet kennen lernen, wie ihre Klamotten. Ihre Mütter sind kaum älter als sie selbst und vollkommen überfordert damit, ihren Kindern so etwas wie familiäre Wärme zu spenden: Sarahs Mutter Doreen versucht verzweifelt ihre Jugend nachzuholen und ist kaum weniger sexbesessen als ihre Tochter. Charlys Mutter Yvonne verkriecht sich auf ihr Sofa und steht nicht mal mehr auf, wenn ihr Baby schreit. Als Sarah Lukas (Joseph Bundschuh) kennen lernt, hat sie das erste Mal das Gefühl, etwas könnte anders sein…
„Little Thirteen“ ist ein Problemfilm. Er erzählt nicht eine Geschichte, er behandelt ein Thema. Darin liegt seine große Schwäche. Die Schauspieler geben ihr Bestes, um den Figuren Leben einzuhauchen. Gerade den Jugendlichen gelingt das in vielen Szenen richtig gut, doch die Akteure wirken dennoch oft wie Variablen in einer Gleichung. Zu sehr hören wir hinter den vulgären Dialogzeilen den Wunsch zu schockieren. Zu engagiert verkauft der Film uns die Schonungslosigkeit seiner Milieustudie.

Kalkulierte Tabubrüche

Wenn die Mutter Sarah beim Rauchen im Wohnzimmer fragt, ob sie ihren Dildo gegen deren Freund tauschen dürfe, verkommt das Gesellschaftsgemälde zur provokanten Pose. Mitgefühl bleibt aus. Der Tabubruch ist zu kalkuliert. Wenn Mutter (Isabel Gerschke) und Tochter am Ende tatsächlich mit demselben Jungen im Bett landen, wird es unfreiwillig komisch.
Wirklich beklemmend wird es nur in einer Szene, als die völlig überforderte Mutter von Charlotte (Gisela Flake) sich weigert, den Vater (der nur als Stimme auftritt) zu den Kindern in die Wohnung zu lassen. Vater und Sohn lieben sich wirklich - eines der wenigen tiefen Gefühle im Film - und darum tut diese kleine Szene auch wirklich weh.
Ansonsten ist der Film wie das Leben seiner Protagonisten: viel Sex, wenig Gefühle. Die Inszenierung spielt mit der Grenze zum erotischen Genre. Das ist eine Gratwanderung, aber größtenteils werden die Szenen intelligent gebrochen - mit einem flapsigen Spruch oder einem brutalen Umschnitt auf ein kotzendes Mädchen. Diese Mittel kontrastieren das ästhetisierte Produkt Porno mit der Alltagsverrichtung Sex und lassen aufscheinen, wie für die porträtierten Schichten Medienkonsum und das eigene Leben verschwimmen. Der Regisseur stellt uns eine Falle: Wir sollen die Szenen selbst erregend finden. Das ist etwas gewollt, aber legitim.

Durchschaubar und arrogant

Am Ende verlegt der Film sich auf Panoramatotalen und Bilder von sinnierenden Menschen. Die Protagonisten halten das Karussell an und betrachten sich von außen. Der Zuschauer bekommt Zeit zum Nachdenken, die er nicht braucht. Die Identifikation mit den Protagonisten ist nicht stark genug, als dass uns erst bewusst würde, wie einsam sie sind. Stattdessen haben wir das Gefühl, alles längst durchschaut zu haben. „Little Thirteen“ geht nicht mit seinen Figuren mit, sondern schaut auf sie herab. Das macht Anteilnahme sehr schwer und wirkt arrogant. Schade.

Deutschland 2012; R: Christian Klandt; D: Muriel Wimmer, Antonia Putiloff, Isabell Gerschke, Joseph Bundschuh; Gisa Flake; Kinostart: 05.07.2012

 
 

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Kategorie: Kino
 

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