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Xenia in Kambodscha: Wo der Pfeffer wächst

Xenia war wieder unterwegs: Diesmal in Kambodscha. Hier in Siem Reap - bekannt für den naheliegenden Tempelkomplex Angkor Wat

Um Zeit zu überbrücken, erkundete Xenia nun einen Monat lang Kambotscha. Ihre Erfahrungen hielt sie für euch fest.

Xenia war wieder unterwegs: Diesmal in Kambodscha. Hier in Siem Reap - bekannt für den naheliegenden Tempelkomplex Angkor Wat


 

Kambodscha: Dort, wo der Pfeffer wächst
Mein Minibus brettert über eine spärlich asphaltierte Straße, immer wieder muss der Fahrer plötzlich nach links oder rechts lenken, um einem Schlagloch im Ausmaß eines mittelgroßen Grabens auszuweichen. Hin und wieder erfolgt auch eine Vollbremsung, um einem streunenden Hund, einer freilaufenden Kuh oder – seltener – einem Affen auszuweichen. Willkommen in Kambodscha. Wenige Länder sind so vielseitig wie das Königreich in Südostasien – in jeder Stadt, die ich besuche,lerne ich das Land unter einem anderen Aspekt seiner turbulenten Geschichte kennen und schlussendlich auch lieben.

Siem Reap: Tempel und Ruinen
Meine erste Station ist Siem Reap im Westen des Landes. Bekannt ist die Stadt für den naheliegenden Tempelkomplex Angkor Wat. Dieser wurde im zwölften Jahrhundert vom König des damaligen Khmer Reiches als neue Hauptstadt erbaut und lockt heute unter dem inoffiziellem Titel des “achten Weltwunders” jährlich tausende Touristen aus aller Welt an. Um die Ruinen in voller Pracht zu erleben, stehe ich bei Sonnenaufgang (endlich zahlt sich die Disziplin des Kloster-Aufenthaltes aus!) vor den Toren des Haupttempels. Meine Mühe wird durch den Anblick der aufsteigenden Sonne hinter den bienenwabenförmigen Türmen des Tempels belohnt, der so spektakulär ist, dass ich fast vergesse, Fotos zu machen. Selbstvergessen streune ich über das riesige Gelände und bewundere die Pracht des Bauwerks, das trotz seiner Imposanz nur ein Abglanz dessen ist, was es vor rund tausend Jahren gewesen sein muss. In gleicher Weise umradele ich auch die anderen Tempel wie das kleinere Ta Prohm, das als Schauplatz des Films Tomb Raider weltweit bekannt wurde, und bin abwechselnd von der malerischen Landschaft aus Reisfeldern, Seen und Wäldern sowie den aufwendig skulpturierten Tempeln hin und weg.

Phnom Penh: Spuren einer Terrorherrschaft
Anfangs erinnert mich die Hauptstadt Kambodschas an Bangkok, bis mir auf den zweiten Blick der wichtigste Unterschied auffällt: Es gibt keine alten Menschen. Hinter den Marktständen, in den Tempeln und auf den Straßen begegnen mir nur junge Leute. Diese Tatsache findet ihre Begründung im dunkelsten Kapitel der Geschichte Kambodschas – dem Terrorregime der Roten Khmer unter der Leitung Pol Pots. Dieser übernahm 1975 das von Bürgerkriegen entkräftete Land und etablierte ein von seinem mächtigen Heer kontrolliertes Terrorregime. Sein Ziel war ein in sich homogener, kommunistischer Staat, dessen Bevölkerung aus ideologietreuen Bauern bestand. Die roten Khmer vertrieben die gesamte Stadtbevölkerung aufs Land, wo jeder, egal ob Greis oder Kleinkind, unter strengster Aufsicht zwölf Stunden täglich die Felder bestellen musste. Alle “Intellektuellen” und “Regimekritiker” wurden in Sicherheitsgefängnisse gebracht, gefoltert und anschließend in Konzentrationslagern umgebracht, mitsamt ihrer Familie. Als intellektuell galten dabei Lehrer, Ärzte, Anwälte, jeder der lesen konnte oder eine Fremdsprache beherrschte. Auf diese Weise radierten die Roten Khmer innerhalb von vier Jahren circa zwei Millionen Menschen aus, ein Viertel der damaligen Bevölkerung. Schulen und Kultureinrichtungen wurden geschlossen, Bücher verbrannt. Als ich über das Gelände des bekanntesten Konzentrationslagers, des heute als “Killing Field” bekannten Choeung Ek, laufe und all dies über meinen Audio-Guide erfahre, wird mir übel. Ich setze mich auf eine Bank und überblicke die Felder, aus denen heute noch nach Regenfällen die Knochen der Opfer zur Oberfläche steigen, als würden die Geister der unschuldig Getöteten auf sich und die Umstände ihres Todes aufmerksam machen wollen. Auch im ehemaligen Sicherheitsgefängnis S21 inmitten von Phnom Penh, das vor den Khmer Rouge eine Schule gewesen ist, erinnert jeder Raum an die Schrecken, die sich dort vollzogen haben. In den kahlen Räumen sind neben Folterwerkzeugen auch die falschen Geständnisse ausgestellt, die die Insassen nach monatelanger Folter unterschreiben mussten. Zu dieser Zeit waren meine Eltern gerade in meinem Alter - ich kann kaum fassen, wie aktuell diese Verbrechen noch sind. Auf meiner weiteren Reise glaube ich in jedem Lächeln der Khmer auch einen Abglanz dessen zu sehen, was sein Land und seine Mitbürger so mitgenommen hat. Trotzdem können sich die Menschen auch amüsieren. Am Abend des chinesischen Neujahrsfestes stoße ich auf eine Gruppe feiernder Khmer, die mich auf ihre Picknickdecke mitten auf dem Gehweg ziehen und nicht wieder gehen lassen, bevor ich mit ihnen angestoßen und von allen Gerichten probiert habe.

Kep: Cote d’Azur am Golf von Thailand
Im Rahmen des in Hostels üblichen Smalltalks – Wo kommst du gerade her? Wohin geht’s als Nächstes? – stelle ich fest, dass es jeden früher oder später mal nach Kep zieht. Kep soll eine ehemalige Kolonialstadt sein, in der sich Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die französische Elite erholte und vergnügte, eine kleine Cote d’Azur sozusagen. Dies halte ich für einen überzogenen Werbespruch bis ich selbst dort bin und tatsächlich für einen Moment vergesse, dass ich nicht in Europa bin. Die kleinen, verfallenen Villen, die durch einen steilen, von Bäumen gesäumten Abhang und eine schmale Uferstraße vom Meer getrennt sind, versetzen mich an die Riviera zurück. Bis plötzlich eine Schar bettelnder Makaken auftaucht und mich in das Hier und Jetzt zurückholt. Trotzdem fällt es mir leicht, sich vorzustellen, wie hier vor einiger Zeit Madames in langen weißen Kleidern und passenden Sonnenschirmen am Meer entlang flanierten, während die Monsieurs ein wenig dahinter über die politische Lage in Europa diskutierten. In dieser Zeit wurde auch die Pfefferproduktion in der Gegend von Kep angekurbelt und noch heute ist das Gewürz für französische Sternerestaurants unverzichtbar. Hier wächst also der sprichtwörtliche Pfeffer - an einem beschaulichen Ort, der mir einen der schöneren Ausschnitte aus Kambodschas Vergangenheit nahebringt.

Mein Fazit:

Nach einem Monat voller unterschiedlichster Eindrücke muss ich visabedingt ausreisen. Obwohl ich ursprünglich nur hierher gekommen bin, um die Zeit bis zum nächsten Projekt in Thailand zu überbrücken, ist Kambodscha alles andere, als ein Lückenbüßer. Es ist ein gebeuteltes Land auf dem Weg nach oben, dessen Vergangenheit mich zum Staunen, Nachdenken und Träumen gebracht hat.

 

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Kategorie: Ausland
 

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