Was soll ich bloß studieren?

Wie man bei rund 9000 Studiengängen die passende Fächerkombination findet.

Eine Entscheidung, die das ganze Leben beeinflusst: Das richtige Studienfach zu finden. (Illu: Christoph Rauscher)

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Wer nach dem Abi alles auf sich zukommen lässt und ohne große Vorüberlegung ein Studium beginnt, liegt bei der Fächerwahl schnell daneben. Doch mit etwas Vorbereitung findet man im großen Uni-Angebot das passende Studienfach. »Ich bekomme hier fast die Krise! Ich schau’ seit Wochen Studienführer durch, aber ich finde nicht den passenden Studiengang«, schreibt Nena in einem Internetforum. So wie der 18-Jährigen geht es vielen. Und das ist kein Wunder: Rund 9000 Studiengänge werden in Deutschland angeboten. Sich bei dieser Masse für einen Studiengang zu entscheiden ist nicht einfach.

Was die Entscheidung zusätzlich erschwert: Mit der Wahl für ein Studienfach wird nicht nur bestimmt, mit was man sich in den folgenden Studienjahren beschäftigt, sondern es wird auch der Grundstein für den darauf folgenden Beruf gelegt. Doch wie geht man am besten vor, um bei so einer weitreichenden Entscheidung die richtige Wahl zu treffen? Wann ist der richtige Zeitpunkt, um sich mit dem Thema zu befassen? Sicherlich nicht, wenn man das Abiturzeugnis bereits in den Händen hält. Die Suche nach dem passenden Studiengang sollte früh genug beginnen. Auch wenn es in der Schule stressig ist, und ein Studienbeginn noch weit entfernt scheint.

»Ein idealer Zeitpunkt, um sich mit dem Thema zu beschäftigen, ist zu Beginn der 12 zwei«, sagt Angela Verse-Herrmann. Sie hat Bücher rund um Studien- und Berufswahl geschrieben und rät, so eine wichtige Entscheidung nicht zu schnell zu treffen. Wer das Abi bereits nach zwölf Jahren macht sollte dementsprechend ein Jahr früher, also mit Beginn der 11 zwei loslegen. So vermeidet man nicht nur Stress, sondern kann sich zudem besser auf Aufnahmeprüfungen, wie sie besonders bei musischen oder künstlerischen Fächern üblich sind, vorbereiten. »Möchte jemand beispielsweise gern Sport studieren und das am liebsten in Köln, dann muss er sich im Dezember für die sportliche Eignungsprüfung im Mai anmelden und sich unter Umständen auch intensiv darauf vorbereiten.

Wie geht man bei der Auswahl vor?

Bei Medizin verhält es sich ähnlich. Strebt man ein duales Studium an, empfiehlt es sich, die Bewerbungsunterlagen bereits ein Jahr im Voraus an die Unternehmen zu schicken«, lautet der Ratschlag von Ragnhild Struss, die Schüler und Studenten bei der Entscheidung für ein Studienfach berät. Zunächst sollte man sich über die eigenen Interessen und Begabungen klar werden. »Ein guter Hinweis sind Schulleistungen«, sagt Malte Eilenstein. Der Berliner hilft Schülern, das passende Studienfach zu finden. Wenn ein Fach Spaß macht, dann könnte es ein Hinweis sein. Aber auch Hobbys können Aufschluss über Interessen geben. »Es nützt nichts, wenn man allein Interesse an einem bestimmten Bereich hat«, gibt Verse-Herrmann zu bedenken, »auch die notwendige Begabung für einen Studien- und Berufsbereich muss vorhanden sein.«

Ein Beispiel: Jemand arbeitet gern mit Tieren und kommt zu dem Schluss, dass er Tiermedizin studieren möchte. Andererseits tut er sich aber mit den naturwissenschaftlichen Fächern schwer. »Dann ist der Studienabbruch programmiert«, so die Buchautorin. Wer sich seiner Interessen und Begabungen bewusst ist, kann darauf aufbauend zunächst Fächergruppen und dann einzelne Studienfächer finden, die dazu passen. Entsprechende Tests machen das relativ leicht. So nähert man sich seinem Fach immer weiter an. »Man sollte sich einen Ordner anlegen, in dem alle relevanten Informationen für die Studienentscheidung gesammelt werden – auf den Überblick kommt es an«, rät Diplomkauffrau Struss. Dann sind auch die rund 9000 Studiengänge nicht mehr so dramatisch. Viele von ihnen kann man leicht zusammenfassen. Und wenn man beispielsweise nichts mit Mathe machen will oder kann, dann kann man vieles ausschließen. »Wenn man ein paar Studiengänge in die engere Wahl gezogen hat, dann die Studienpläne ansehen«, rät die Verse-Herrmann.

Auch der Berater Malte Eilenstein rät zu einer Fleißarbeit, die lautet: Prüfungsordnungen lesen. So bekommt man einen guten Eindruck, welche Inhalte das Studium umfasst und was an Leistungen gefordert wird. All das findet man im Internet. Hier lohnt die Recherche aber erst, wenn man vorher das Fachgebiet ermittelt hat. Sonst wird man von unzähligen Seiten schier erschlagen. Vom Allgemeinen nähert man sich so dem speziellen Studienfach an.

Die Entscheidung betrifft das ganze Leben

Und einen weiteren Grund, warum die Entscheidung für Studienfach und Ort so gut geplant werden sollte: Die Entscheidung für ein Studienfach betrifft nicht nur die Zeit des Studiums, also in der Regel etwa vier Jahre. »Da stehen 40 Jahre Berufsleben hinter«, gibt Eilenstein zu bedenken. Wer die Entscheidung nicht allein treffen will, kann auch Berufsberater in die Entscheidung einbeziehen. Diese ermitteln mit Testverfahren Eigenschaften, Begabungen und Motivation. Mit den Ergebnissen machen sie sich auf die Suche nach geeigneten Studiengängen. So ein Service hat natürlich seinen Preis, mehrere hundert Euro müssen dafür ausgegeben werden.

Egal, wie man letztendlich zu einer Entscheidung kommt – je besser man sich auf das Studium vorbereitet, und je besser man schon vor Studienbeginn weiß, was einen im Studium erwartet, desto höher ist auch die Chance, am Ende nicht zu den 30 Prozent zu gehören, die das Studium nach zwei oder drei Semestern abbrechen. Hat man sein Fach gefunden, hat man damit natürlich noch keinen Studienplatz. »Die Konkurrenz um Studiengänge ist groß«, so Eilenstein. Daher ist bei der Suche Kompromissbereitschaft gefragt. Viele zieht es in die großen Städte, allerdings, so der Berater, gibt es auch in ländlichen Gegenden interessante Studiengänge.

So lohnt es sich in jedem Fall, sich vor Ort ein Bild zu machen. Also hinfahren, die Uni anschauen, vielleicht eine Vorlesung besuchen und mit dem Fachstudienberater vor Ort sprechen. Schließlich wird man mehrere Jahre seines Lebens dort verbringen und in der Regel auch für das Studium zahlen. Solch eine Tour durch mögliche Studienorte macht zusammen mit Freunden nicht nur viel Spaß, sondern liefert für die Entscheidung wichtige Erkenntnisse. Wer so vorbereitet ist, hat gute Chancen, mit seiner Entscheidung richtig zu liegen.

Niklas

22.04.2010, 22:28 Uhr aah, alleine der Gedanke an die Zeit nach der Schule bereitet mir so viele Sorgen und Ängste, dass ich mich gar nicht damit beschäftigen will, obwohl ich in 11/2 bin nach 12 Jahren Abitur mache..
aber was soll man auch schon mit einem Abitur machen wenn man erst 17 ist?

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