Niemals nackt ins Netz

Es geht nicht mehr darum, ob man sich online darstellt, sondern wie man es kontrolliert.

Medienkompetenz wird zunehmend wichtiger (Foto: Georg Strohbücker)

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Privatsphäre Schritt für Schritt:
Anleitung für Facebook und SchülerVZ

»Das Zeitalter der Privatsphäre ist vorbei« hat Marc Zuckerberg, Gründer von Facebook gesagt. Er gibt damit den Trend vor – alles wird online. Aktuelles Befinden, Aufenthaltsort, Tätigkeit. »Bin im MC Donalds«, »Beim Friseur, warte schon seit einer halben Stunde«, »Babysitten - die Kleine nervt«. Facebook stellt den Äther für die Selbstdarstellung dar und lässt viele die Schranken der Privatsphäre einfach vergessen.

Das ganze kann Folgen haben: Ende Januar war es in den Zeitungen zu lesen: »Im Knast wegen Facebook«. Eine 17-jährige Amerikanerin verschuldete betrunken einen Unfall, bei dem ihr Freund starb. Vier Wochen später stellt sie in Facebook ein Foto online mit der Bildunterschrift »Drunk in Florida«. Das reichte dem zuständigen Richter – er sah es als erwiesen an, dass die junge Frau nichts gelernt hatte. Ashley S. wurde zu sechs Monaten Haft verurteilt.

Das Beispiel zeigt: Private Informationen im Internet können Folgen haben. Viele Jugendliche halten das Internet für einen anonymen Ort, doch das World Wide Web ist öffentlich und vergisst nichts. Alle Fotos die Online gestellt werden, können von anderen Benutzern kopiert, verlinkt und weitergereicht werden. Dinge, die einmal hochgeladen und veröffentlicht sind, können nur sehr schwer wieder zurückgeholt werden, oft ist es unmöglich. Vielen Internetnutzern ist das jedoch nicht bewusst.

Und jeder schaut zu

Wenn die privaten Daten in falsche Hände kommen, kann das oft ungeahnte Folgen haben. In Kanada wurden einer Frau die Leistungen ihrer Krankenkasse gestrichen, nachdem sie trotz Krankschreibung Strand-Fotos von sich auf Facebook veröffentlichte. Die Frau konnte sich das ganze nicht erklären, da sie nur „Freunden“ in Facebook erlaubte, ihre Fotos anzusehen. Wahrscheinlich wurden der Versicherung die Fotos von einem ihrer Facebook-Freunde zugespielt. Denn Soziale Netzwerke sind nicht immer sozial, nur die wenigsten seiner Online-Freunde würde man im echten Leben als Freund bezeichnen. Zugriff auf die privaten Online-Fotos haben sie dennoch.

Der Begriff »Privatsphäre« scheint sich zunehmend zu verwässern, was früher privat war, ist heute ganz selbstverständlich öffentlich. Fotos vom letzten Absturz, Pärchenfotos vom romantischen Urlaub – abrufbar für jede flüchtige Bekanntschaft, der man mit einem Klick auf »Freundschaft bestätigen« Zugang zu seinem Privatleben verschafft. Es fehlt vielen schlicht eine gewisse Sensibilität für den Umgang mit ihren Daten. Der heimische PC, die fälschliche Sicherheit unter sich zu sein, lassen für viele das Internet zu einer Art Insel der Freizügigkeit werden. Das Erwachen kommt oft erst dann, wenn es schon zu spät ist.

Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnis, Anhang: Google

Spätestens bei einer Bewerbung kann einem die eigene Internet-Historie zum Verhängnis werden. Zwei von drei Personalern suchen im Internet nach potentiellen Bewerbern, je nach Branche kann einem so das Partyfoto zum Verhängnis werden. Der Personalchef eines großen mittelständischen Unternehmens schildert den Fall einer BA-Studentin: Nachdem von ihr sehr freizügige Fotos in StudiVZ aufgetaucht waren und intern die Runde machten, trennte man sich einvernehmlich. Was bei Freunden „cool“ rüberkommt, kann in anderen Händen zu schlichter Ablehnung führen.

Das erschreckende dabei: oft kann man nichts dafür, welche Fotos einem zugeordnet werden. In vielen Sozialen Netzwerken ist es möglich, andere Personen auf Fotos zu verlinken. So erscheinen in deinem Profil Fotos, die du selber gar nicht hochgeladen hast. Damit verliert man die Kontrolle über das eigene Profil.

Man sieht sich immer zweimal. Im Internet viel öfter.

Wer sich im Internet bewegt, der muss ganz bewusst mit seinen Daten umgehen. Dazu gehört, einzustellen, wer was sehen darf. Vielleicht möchtest du deinen besten Freunden Zugriff auf die Urlaubsfotos geben – aber nicht allen Bekannten, mit denen du in der Community befreundet bist. Oft kannst du das wie z.B. im Facebook über getrennte Freundeslisten einstellen. Es empfiehlt sich, Freundeslisten mit unterschiedlichen Berechtigungen zu erstellen, wie zum Beispiel eine Liste für die Familie, eine für Freunde und eine für Bekannte.

Grundsätzlich solltest du dein Profil auf einer Community wie eine Bewerbungsmappe führen und dich immer fragen, ob die Inhalte irgendwie negativ aufgefasst werden könnten. Ein großes Problem ist die Vergesslichkeit. Wer weiß schon nach Jahren reger Internetnutzung, was er wo überall geschrieben und hochgeladen hat. Das Internet vergisst nichts. Aber dein Internet-Image kannst du aktiv selber gestalten – und solltest das auch tun. Das Community Profil zu pflegen gehört ebenso dazu, wie regelmäßig nachzuschauen, was Personensuchmaschinen wie yasni.de oder 123people.de von dir zeigen. Sollten irgendwo Inhalte auftauchen, mit denen du nicht zufrieden bist, dann wende dich an den Betreiber der jeweiligen Website und verlange die Löschung.

Du findest dich bei Google? Keine Panik.

Eine Internet Historie ist inzwischen normal, Personaler finden es heutzutage schon fast verdächtig, wenn kein einziger Eintrag zu einem Bewerber gefunden wird. Es geht also nicht um das »ob« sondern um das »wie« man gefunden wird – und das lässt sich steuern, indem man bewusst positive und gewünschte Informationen ins Internet streut. Ein Internetprofil kann auch wunderbare Werbung in eigener Sache sein und ein gutes Bild zeichnen.

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#48, September

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