Windräder und Wasseranlagen

Die Lernbelastung eines Ingenieurstudiums ist hoch, aber die Jobaussichten sind exzellent.

Die Berufs-Perspektiven für Ingenieure sind vielfältig. (Illustration: Jakob Hinrichs)

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Viel freie Zeit hat Valentino Nadale nicht. Seit der 22-Jährige in Stuttgart Mechatronik studiert, ist sein Terminplan immer gut gefüllt: mit Vorlesungen, Lerngruppen und jeder Menge Hausaufgaben. »Mathe ist besonders schwer«, sagt Valentino, der im Gymnasium in Mathematik immer gute Noten hatte. »Die Mathematik in unserem Studium hat nichts mehr mit der in der Schule zu tun – sie ist einfach viel schwieriger.«

Drei Semester Mechatronik, einer Kombination aus Maschinenbau und Elektrotechnik, hat er bereits hinter sich. »Allein schafft man das nicht«, erzählt Valentino und lacht: Er hat mit vier Kommilitonen eine Lerngruppe gegründet. Die Studenten treffen sich regelmäßig, lernen für Klausuren und bleiben auch am Wochenende über Skype in Kontakt, wenn es an die Hausaufgaben geht. Valentino ist froh darüber – schließlich sind die fünf Studenten inzwischen richtig gute Freunde und helfen sich nicht nur in Sachen Studium.

Beim Umzug in die neue Wohnung hatte Valentino gleich Unterstützung, und auch sonst verbringen die fünf gerne ihre Freizeit zusammen – sofern sie nicht sowieso gerade zusammen Mathe büffeln. »Unsere Klausuren liegen immer in den Semesterferien«, erzählt Valentino. »Von Ferien merkt man also nichts.« Acht Stunden pro Tag Lernen ist dann angesagt – oder ein Wochenende, an dem alle bei einem Kumpel übernachten und sich möglichst intensiv auf die Klausuren vorbereiten. Ziemlich viel Arbeit – aber Valentino weiß genau, warum er sich für Mechatronik entschieden hat. »Die Jobauswahl ist riesig«, sagt der Student. »Überall werden Ingenieure gesucht, zum Beispiel in der Automobilindustrie.«

Kurt Eikemeier von der Bundesagentur für Arbeit bestätigt das. »Ingenieure haben sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt«, sagt Eikemeier, »egal in welcher Berufsgruppe. Das ist so, und dabei wird es trotz der Krise auch in den nächsten Jahren bleiben. « Gute Aussichten also für Valentino. Er weiß noch nicht genau, in welchem Bereich er später arbeiten möchte. »In der Entwicklung vielleicht«, überlegt er. »Vor allem die Automobilbranche interessiert mich.« Mit der Entscheidung will sich Valentino aber noch Zeit lassen.

Eine, die sich längst für die Automobilbranche entschieden hat, ist Stephanie Noack. Die 34-Jährige arbeitet in der Abteilung Umweltstrategie der Forschung von Volkswagen (VW). In der Konzernzentrale in Wolfsburg kümmert sich Noack vor allem um Fragen, die Umwelt und Nachhaltigkeit beim Autobau betreffen. Schon zu Schulzeiten war Stephanie Noack in einer Umweltgruppe aktiv. Nach dem Abitur hat sie sich dann für den Studiengang Wasserwirtschaft an der Technischen Universität Dresden eingeschrieben, einem umweltorientierten Ingenieurstudium. »Man wird zum Generalisten ausgebildet«, erzählt Stephanie Noack. »Das hat den Vorteil, dass man überall mitreden kann.«

Noch während des Studiums hat sie ein Praktikum bei einem Wasserverband gemacht und ein Semester in Finnland verbracht. Nach ihrem Uniabschluss arbeitete Noack erst einmal für verschiedene Ingenieurbüros, bevor sie dann, »durch einen Zufall«, wie sie sagt, bei VW in Hannover landete. Dort kümmerte sie sich um die Wasser- und Abwassertechnik, also um Fragen rund um das Wasser, das für den Autobau benötigt wird. Vor sieben Jahren wechselte sie dann in die Zentrale nach Wolfsburg. Die wichtigste Voraussetzung für ihren Job? »Man muss sich für Autos begeistern können und sich mit dem Produkt identifizieren«, sagt Stephanie Noack.

Um als Ingenieur im Umweltbereich erfolgreich arbeiten zu können, komme aber noch ein weiterer Punkt hinzu: »Durchhaltevermögen«, sagt Stephanie Noack und lacht. »Was die Umweltverträglichkeit betrifft, muss man immer am Ball bleiben und Überzeugungsarbeit leisten – damit bei der täglichen Arbeit alle darauf achten und auch mal unkonventionelle Wege gehen.« Keine leichte Aufgabe in einem Unternehmen, das allein in Wolfsburg 45.000 Menschen beschäftigt. Bis sich Valentino Nadale eine Stelle sucht, wird es noch ein wenig dauern. Wenn alles gut läuft, schließt er sein Mechatronik-Studium im Sommer 2010 mit einem Bachelor of Science ab – und schließt vielleicht noch einen Master-Studiengang an. Trotz des vielen Lernens würde er sich noch einmal für Mechatronik entscheiden. »Am Anfang muss man sich durchbeißen«, sagt Valentino, »das Schwierigste ist aber die Umstellung auf das ganze Lernen. Davon darf man sich nicht abschrecken lassen.«

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