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Wann und wie kämpfen Jugendliche heute für ihre Interessen? yaez hat nachgefragt.
Hör mir zu! Vielen Jugendlichen bleibt neben Praktika und Auslandsaufenthalten kaum noch Zeit für politisches Engagement. (Foto: Jan Kopetzky)
Steine fliegen durch die Luft, ein Auto brennt. Die Stimmung ist angespannt, jeden Moment kann es zur Eskalation kommen. Die Polizei bringt einen Wasserwerfer in Position, der Strahl lässt die Demonstranten zu Boden gehen. Als im Jahr 1968 Studenten gegen die herrschenden Verhältnisse demonstrieren, geht es dabei nicht immer gewaltfrei zu. Jetzt, gut 40 Jahre später, besetzen Studenten Hörsäle, um für mehr Mitbestimmungsrechte und bessere Studienbedingungen zu protestieren. Dabei geht es geordneter zu, vegetarisches Essen in der besetzten Uni inklusive. Und es ist keine Massenbewegung, sondern vereinzelter Protest von einer vergleichsweise geringen Zahl von Studierenden. Haben Jugendliche verlernt, sich für ihre Interessen einzusetzen?
Die sogenannte Generation Praktikum begegnet der Unsicherheit mit einer hohen Leistungsbereitschaft und sammelt Bildungstitel und Zeugnisse, um die Jobchancen zu erhöhen, lautet das Ergebnis der Shell Jugendstudie. Also lieber lernen und arbeiten anstatt ehrenamtliches Engagement und Protest. Eine pragmatische Generation steht unter Druck – zu diesem Ergebnis kommen die Wissenschaftler. Von Resignation und Ausstieg könne man aber nicht sprechen, sagen sie. Vielmehr laute die Devise »Aufstieg statt Ausstieg.« Und wer etwas erreichen will, der braucht ehrenamtliches Engagement höchstens noch als Plus im Lebenslauf. Denn es hat sich herumgesprochen, dass sich bei Personalern ein Amt als Schulsprecher oder in der Kirchengemeinde gut macht. Denn hier lernt man schließlich das, was in der Wirtschaft gern »Soft Skills« genannt wird.
Also soziale Kompetenzen wie etwa Teamfähigkeit. Aber Ganztagsschulen und verkürztes Abitur sorgen für Zeitprobleme. Wann soll man sich noch einbringen, wenn man erst um sechs nach Hause kommt und dort noch Hausaufgaben machen muss? Dieser Aspekt und der demografische Wandel machen denen zu schaffen, die auf die Mitarbeit von Jugendlichen angewiesen sind. »Viele machen als Kind mit und steigen als Jugendliche aus«, beobachtet Michael Scholl vom Bundesjugendring. Und eben diese Entwicklung wird für viele Organisationen zum Problem. »Mit 9 Jahren wurde ich Ministrant, mit 13 Jahren Oberministrant, dann habe ich Freizeiten organisiert und Kindertage veranstaltet, neben Schule, Sport und Nachhilfe. Mit 18 habe ich die 72-Stunden-Aktion bei uns vor Ort organisiert und wurde zum Dekanatsleiter des Bundes der deutschen katholischen Jugend gewählt«, erzählt der 23-jährige Erik Flügge. Doch solche Lebensläufe werden immer seltener. Denn spätestens wenn nach der Schule ein Studium oder eine Ausbildung beginnt, endet auch das Ehrenamt.
Bei Erik ging das Engagement bei der Katholischen Jugend weiter, auch während des Studiums: »Ich finde es schön, heute jungen Jugendleitern auf einer Schulung beizubringen, wie man gute Jugendarbeit macht. Heute sind meine Beweggründe, dass ich Kindermitbestimmung realisieren möchte und Jugendlichen gute Lebensbedingungen sichern will.« Wer etwas zu sagen hat, und wer etwas verändern möchte, der könnte sich auch in einer Partei engagieren. Doch immer weniger gehen diesen Weg. Die starren Strukturen und ein möglicher Parteieintritt wirken abschreckend, ein kurzes, projektbezogenes Engagement ist meist gar nicht möglich. Der Lebenslauf von Tobias Pohl ist wohl typisch für jemanden, der sich in der Politik einbringen möchte: Aufgewachsen in Paderborn, engagiert er sich dort das erste Mal, wird Mitglied in der Jugendorganisation einer Partei. Dann folgte das Studium in Heidelberg, danach das Referendariat in Hamburg. Jetzt arbeitet Tobias in München. »Man rutscht durch die Maschen der Parteistruktur, weil Parteien sehr ortsgebunden sind«, hat er dabei festgestellt.
Dabei könnte es so einfach sein: Blogger, Programmierer und Internetnutzer hatten im vergangenen Jahr ein gemeinsames Ziel: Sie wollen Bürgerrechte auch im Internet gewahrt sehen. Deshalb gründeten sie schließlich die Piratenpartei und traten bei der Bundestagswahl an. Ähnlich wie die Partei der Grünen aus der Umweltbewegung heraus entstanden ist, formte sich die Piratenpartei aus der Netzcommunity. Die Globalisierung und das Internet haben die Spielregeln in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Zwar gibt es nach wie vor die klassischen Formen des Protests wie Demonstrationen, Streiks oder Boykotte. Und es gibt noch die klassischen Formen des Engagements. Doch das politische Engagement unter Jugendlichen lag zuletzt auf einem historischen Tief. Gerade einmal 1,5 Prozent aller Jugendlichen sind in einer Partei politisch aktiv.
»Die Jugendlichen engagieren sich vor allem in Bereichen, die sie ihrem persönlichen Nahbereich zuordnen, wo sie wertvolle Erfahrungen für ihre eigene Berufsausbildung sammeln können«, so der Politikwissenschaftler Mathias Albert. Sportvereine, konfessionelle Verbände, Pfadfinder, Feuerwehren und Umweltverbände haben es daher etwas leichter, Jugendliche für ihre Arbeit zu gewinnen. Denn hier entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl, vor allem in unsicheren Zeiten. Wer sich für seine Mitmenschen einsetzt, knüpft neue Kontakte und macht Erfahrungen, die das Selbstwertgefühl steigern. »Diejenigen, die sich für andere engagieren, sind mit ihrem gesamten Umfeld glücklicher als diejenigen, die es nicht tun«, sagt der Sozialpsychologe Hans-Werner Bierhoff. Doch auch Bierhoff beobachtet, dass sich die Art des Engagements im Laufe der Jahre verändert habe. »Die Tendenz geht weg von starren Großorganisationen hin zu konkretem, zeitlich befristetem Engagement mit konkretem Erfolg«, so der Wissenschaftler. Lebenslang bei der Freiwilligen Feuerwehr – das wird es wohl immer seltener geben.
Die sogenannte Generation Praktikum begegnet der Unsicherheit mit einer hohen Leistungsbereitschaft und sammelt Bildungstitel und Zeugnisse, um die Jobchancen zu erhöhen, lautet das Ergebnis der Shell Jugendstudie. Also lieber lernen und arbeiten anstatt ehrenamtliches Engagement und Protest. Eine pragmatische Generation steht unter Druck – zu diesem Ergebnis kommen die Wissenschaftler. Von Resignation und Ausstieg könne man aber nicht sprechen, sagen sie. Vielmehr laute die Devise »Aufstieg statt Ausstieg.« Und wer etwas erreichen will, der braucht ehrenamtliches Engagement höchstens noch als Plus im Lebenslauf. Denn es hat sich herumgesprochen, dass sich bei Personalern ein Amt als Schulsprecher oder in der Kirchengemeinde gut macht. Denn hier lernt man schließlich das, was in der Wirtschaft gern »Soft Skills« genannt wird.
Also soziale Kompetenzen wie etwa Teamfähigkeit. Aber Ganztagsschulen und verkürztes Abitur sorgen für Zeitprobleme. Wann soll man sich noch einbringen, wenn man erst um sechs nach Hause kommt und dort noch Hausaufgaben machen muss? Dieser Aspekt und der demografische Wandel machen denen zu schaffen, die auf die Mitarbeit von Jugendlichen angewiesen sind. »Viele machen als Kind mit und steigen als Jugendliche aus«, beobachtet Michael Scholl vom Bundesjugendring. Und eben diese Entwicklung wird für viele Organisationen zum Problem. »Mit 9 Jahren wurde ich Ministrant, mit 13 Jahren Oberministrant, dann habe ich Freizeiten organisiert und Kindertage veranstaltet, neben Schule, Sport und Nachhilfe. Mit 18 habe ich die 72-Stunden-Aktion bei uns vor Ort organisiert und wurde zum Dekanatsleiter des Bundes der deutschen katholischen Jugend gewählt«, erzählt der 23-jährige Erik Flügge. Doch solche Lebensläufe werden immer seltener. Denn spätestens wenn nach der Schule ein Studium oder eine Ausbildung beginnt, endet auch das Ehrenamt.
Bei Erik ging das Engagement bei der Katholischen Jugend weiter, auch während des Studiums: »Ich finde es schön, heute jungen Jugendleitern auf einer Schulung beizubringen, wie man gute Jugendarbeit macht. Heute sind meine Beweggründe, dass ich Kindermitbestimmung realisieren möchte und Jugendlichen gute Lebensbedingungen sichern will.« Wer etwas zu sagen hat, und wer etwas verändern möchte, der könnte sich auch in einer Partei engagieren. Doch immer weniger gehen diesen Weg. Die starren Strukturen und ein möglicher Parteieintritt wirken abschreckend, ein kurzes, projektbezogenes Engagement ist meist gar nicht möglich. Der Lebenslauf von Tobias Pohl ist wohl typisch für jemanden, der sich in der Politik einbringen möchte: Aufgewachsen in Paderborn, engagiert er sich dort das erste Mal, wird Mitglied in der Jugendorganisation einer Partei. Dann folgte das Studium in Heidelberg, danach das Referendariat in Hamburg. Jetzt arbeitet Tobias in München. »Man rutscht durch die Maschen der Parteistruktur, weil Parteien sehr ortsgebunden sind«, hat er dabei festgestellt.
Dabei könnte es so einfach sein: Blogger, Programmierer und Internetnutzer hatten im vergangenen Jahr ein gemeinsames Ziel: Sie wollen Bürgerrechte auch im Internet gewahrt sehen. Deshalb gründeten sie schließlich die Piratenpartei und traten bei der Bundestagswahl an. Ähnlich wie die Partei der Grünen aus der Umweltbewegung heraus entstanden ist, formte sich die Piratenpartei aus der Netzcommunity. Die Globalisierung und das Internet haben die Spielregeln in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Zwar gibt es nach wie vor die klassischen Formen des Protests wie Demonstrationen, Streiks oder Boykotte. Und es gibt noch die klassischen Formen des Engagements. Doch das politische Engagement unter Jugendlichen lag zuletzt auf einem historischen Tief. Gerade einmal 1,5 Prozent aller Jugendlichen sind in einer Partei politisch aktiv.
»Die Jugendlichen engagieren sich vor allem in Bereichen, die sie ihrem persönlichen Nahbereich zuordnen, wo sie wertvolle Erfahrungen für ihre eigene Berufsausbildung sammeln können«, so der Politikwissenschaftler Mathias Albert. Sportvereine, konfessionelle Verbände, Pfadfinder, Feuerwehren und Umweltverbände haben es daher etwas leichter, Jugendliche für ihre Arbeit zu gewinnen. Denn hier entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl, vor allem in unsicheren Zeiten. Wer sich für seine Mitmenschen einsetzt, knüpft neue Kontakte und macht Erfahrungen, die das Selbstwertgefühl steigern. »Diejenigen, die sich für andere engagieren, sind mit ihrem gesamten Umfeld glücklicher als diejenigen, die es nicht tun«, sagt der Sozialpsychologe Hans-Werner Bierhoff. Doch auch Bierhoff beobachtet, dass sich die Art des Engagements im Laufe der Jahre verändert habe. »Die Tendenz geht weg von starren Großorganisationen hin zu konkretem, zeitlich befristetem Engagement mit konkretem Erfolg«, so der Wissenschaftler. Lebenslang bei der Freiwilligen Feuerwehr – das wird es wohl immer seltener geben.











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