Das erste Mal
Bungeesprung, Tattoo, Alkohol - immer gibt's ein erstes Mal. Wir haben mit Ersttätern gesprochen.
Zum ersten Mal im freien Flug: Daniel Ritter bei seinem ersten Bungee-Sprung. (Foto: Privat)
Bungee Jumping: Der Sprung in die Tiefe
Von Jochen Blind
Daniel Ritter hat den großen Sprung gewagt. 210 Meter in die Tiefe. Nach abgeschlossenem Studium machte der 26-Jährige zweieinhalb Monate lang eine Reise durchs südliche Afrika. In Südafrika, entlang der Garden Route, liegt die Bloukrans Brücke. Dort befindet sich die weltweit höchste Bungee-Jumping-Anlage. „Mein Reisegefährte hat mich dazu gebracht“, erinnert sich Daniel. Er selbst wäre von sich aus nie auf diese Idee gekommen. „Ich mache wirklich jeden Scheiß mit, aber Bungee Jumping fand ich immer zu heftig.“ Dass er sich dann gleich an den höchsten Sprung heranwagt, hätte er sich wirklich nie erträumen lassen.
„Als ich da oben stand, ging mir ganz schön die Pumpe“, betont der Hannoveraner. Schlimmer als dieser Moment seien aber die drei Tage vorher gewesen: „Ich habe total schlecht geschlafen und dem Tag des Sprungs entgegengefiebert.“ Als er dann auf der Brücke stand, habe er gar nichts mehr gedacht. Maximal drei bis vier Sekunden sei er stehen geblieben – und dann gesprungen. „Der Absprung war eine unglaubliche Überwindung, aber hätte ich länger gewartet, wäre ich wohl nicht mehr gesprungen.“ Was für ihn eine große Hilfe war: Oben auf der Brücke sind immer viele Menschen, es läuft laute Musik. „Das hat mir viel Angst und Aufregung genommen.“
In der Luft habe man ein unglaubliches Gefühl der Freiheit: „Man gibt alle Kontrolle aus der Hand, man fühlt sich wie ein Vogel.“ Dann geht es im freien Fall abwärts. „Das ist Adrenalin pur“, schwärmt Daniel. Überrascht sei er gewesen, als er unten ankam und das Seil zu greifen begann: „Das spürt man kaum, nicht mal einen Ruck.“ Die Hälfte der gefallenen Strecke schnellt man dann wieder hoch. „Wenn man beim Hochschnellen den Peak erreicht, erlebt man einen Moment völliger Schwerelosigkeit“, erklärt der 26-Jährige. Und er gibt offen zu: „Da spürt man eine ganz komische Mischung aus Faszination und Schiss in der Hose.“ Viel überlegen könne man in dem Moment aber gar nicht, weil es gleich wieder abwärts geht – bis man langsam auspendelt. Von der lauten Musik auf der Brücke bekomme man unten nichts mit: „Dort herrscht völlige Stille. Man hört nur das Rauschen des Meeres, den Wind, Vögelgezwitscher.“ An einer Seilwinde kommt dann ein Helfer nach unten und bringt einen in Sitzposition. So wird man wieder hochgezogen.
Über zwei Monate ist der Sprung nun schon her. Und noch immer erinnert sich Daniel an jedes Detail. So sehr hat ihn die Erfahrung beeindruckt. „Es war ein tolles, verrücktes Erlebnis“, erzählt er lachend, „ich würde es sicher nochmals machen, wenn es sich ergibt.“ Er würde aber keinesfalls irgendwo gezielt hinreißen, um wieder in die Tiefe zu springen. „Ich bin ganz sicher kein Bungee Jumping Freak geworden.“
Tattoo stechen: Eine Verbindung fürs Leben
Von Ineke Haug
Tattoos faszinieren Larissa Marin schon seit sie denken kann, aber erst vor zwei Monaten hat sie das richtige Motiv gefunden – und „ja“ gesagt, zu einer Verbindung, die ein Leben lang halten soll. „Mein Herz und meine Seele“ steht jetzt in filigranen Buchstaben auf ihrer rechten Fessel, und „jedesmal, wenn ich mir meinen Fuß anschaue, macht mich das glücklich“, sagt die 19-Jährige. Eingefallen ist ihr der Satz ganz spontan, „auf einmal war er in meinem Kopf und hat mich nicht mehr losgelassen“, erinnert sie sich.
Ganz schnell hat Larissa dann im Tattoo-Studio angerufen und einen Termin vereinbart, damit sie gar nicht erst Zeit hatte es sich anders zu überlegen. „Zur Verstärkung habe ich meine beste Freundin mitgenommen, ich war total aufgeregt und habe jemanden gebraucht, der meine Hand hält.“ So schlimm wie befürchtet war es dann aber gar nicht: „Bevor es losging habe ich dem Tätowierer ganz genau erklärt, wie mein Tattoo aussehen soll, er hat dann eine Vorzeichnung angefertigt und auf die Stelle am meinem Fuß gelegt, die ich ausgesucht hatte.“
Erst als Larissa mit der Platzierung zufrieden ist, fängt er an die Fläche mit Alkohol abzutupfen und fragt ein letztes Mal, ob sie das Tattoo auch wirklich haben will. Will sie, obwohl ihr Herz klopft wie verrückt: „Ich hatte mir höllische Schmerzen ausgemalt, es hat dann aber nur ein wenig gebrannt, so wie wenn man in eine Brennnessel tritt.“ Nach knapp zwanzig Minuten ist das Tattoo gestochen, die Haut ist leicht gerötet und geschwollen, aber das sei normal, beruhigt der Tätowierer. Larissa hat dann eine Creme mitbekommen, um die Wunde in den ersten Wochen zu pflegen, außerdem waren Badewanne und Solarium fürs erste tabu.
Die meisten von Larissa’s Freunden und auch ihren Eltern gefällt das Tattoo. Aber auch wenn das anders gewäsen wäre, hätte es sie nicht beeinflusst: „Letztlich muss das Tattoo ja nur mir gefallen, ich muss schließlich damit rumlaufen.“ Angst, dass sie und ihr Tattoo sich eines Tages auseinander leben, hat sie nicht. „Der Spruch wird mir immer gefallen, weil er ganz persönlich ist und nur mit mir zu tun hat.“
Außerdem ist schon Tattoo Nummer zwei in Planung, drei Schmetterlinge auf dem Rücken. Aufgeregt wird sie dann nicht mehr sein, schließlich weiß sie ja diesmal ganz genau, was auf sie zukommt. „Wahrscheinlich wird das nächste Tattoo nicht mein letztes sein, dazu habe ich schon zu viel Blut geleckt“, lacht Larissa, „aber mein erstes Tattoo wird immer etwas besonders bleiben.“
Grenzen ausprobieren: „Nie wieder Alkohol!"
Von Christiane Traub
„ Papa halt an!“ - „Warum?“ - „Ich muss spucken!“. Die letzte Kurve war einfach zu viel gewesen.
Sophia Schäfer war 15 und zur Geburtstagsparty ihrer ersten großen Liebe Michael eingeladen. Ihre Mutter war an diesem Wochenende auf einer Fortbildung und der Vater erlaubte Sophia und ihrer Freundin Lisa, bis um zwei Uhr dort zu bleiben, dann würde er sie abholen.
Voller Schmetterlinge im Bauch machten sie sich auf den Weg ins Jugendhaus, das irgendwo zwischen Schrebergärten und Autohäusern lag. Die Erwartungen an den Abend in Bezug auf Michael waren riesig – wenn sie sich heute nicht näher kommen würden, wann dann? Die Party war schon in vollem Gange, die Karaokemaschine lief auf Hochtouren und das Bier floss in Strömen. Michael begrüßte die beiden nur kurz, drückte jedem eine Flasche Bier in die Hand und verschwand hinter der Karaokemaschine, um sich um die Technik zu kümmern.
Total enttäuscht, dass er ihr nicht gleich um den Hals fiel, schüttete sich Sophia ein Bier nach dem anderen rein. Der Blick wurde immer verzerrter, Leute die sie noch nie mochte erklärte sie plötzlich zu ihren neuen besten Freunden und beim Trinkspiel war sie ganz vorne mit dabei. Sophia fühlte sich als Königin der Party, wenn nicht als Königin der Welt, niemand war so witzig und cool wie sie und Michael mit seinem blöden Karaoke konnte ihr gestohlen bleiben. Michaels Bruder öffnete eine Flasche Wein und gab fleißig Runden aus.
Plötzlich konnte Sophia ihren Becher einfach nicht mehr halten, er fiel ihr aus der Hand, alle sprangen auf um nichts abzubekommen und der Zugang zu einem neuen Becher wurde ihr verweigert. Beim Anblick der Pfütze wurde Sophia schlecht, alles um die herum begann sich zu drehen und die Türe spielte sie sei ein Aufzug. Möglichst unauffällig schwankte sie nach draußen und erbrach sich in die Blumenbeete. Kaum hatte Sophia sich aufgerichtet, um wieder nach drinnen zu gehen, wurde ihr wieder schlecht. Lisa rief völlig hilflos den Vater an, er solle die beiden doch jetzt schon abholen, die Party sei zu Ende.
Im Auto versuchte Lisa dann fröhlich plappernd, ihn während der Fahrt von der Misere ihrer Freundin abzulenken. Aber es half nichts: Sophia sackte im Autositz in sich zusammen und hatte keine Chance mehr, ihren Magen länger unter Kontrolle zu behalten. Obwohl ihr Vater nur lachte, war es das Schlimmste für sie, sein Vertrauen missbraucht zu haben. Er wollte das Thema partout nicht ansprechen, stattdessen stellte er Sophia zu Hause so wie sie war unter die eiskalte Dusche, steckte sie ins frisch bezogene Bett und brachte ihr noch eine Aspirin.
Der nächste Tag war furchtbar, zum einen das schlechte Gewissen, zum anderen ein heftiger Kater, der Sophia dazu brachte, sich zum ersten Mal in ihrem Leben zu schwören: „Nie wieder Alkohol!“.











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