Viel-Küsser leben länger
Das Symbol für die Liebe: der Kuss. Aber wusstest du, dass küssen auch gesund ist?
Küssen macht Spaß – und das Immunsystem fit! (Foto: Marie Cevey)
Als Kinder fanden wir es einfach nur eklig, wenn sich Erwachsene küssten. Und es stimmt natürlich, beim Küssen wechseln auch unzählige Viren und Bakterien den Besitzer. Das hört sich nicht gerade einladend an, wirkt aber wie eine Schluckimpfung auf unser Immunsystem: Es lernt die fremden Mikroben kennen und kann dann nicht mehr so leicht von ihnen aus der Bahn geworfen werden.
Manche Mediziner glauben sogar, dass häufiges Küssen die Lebenserwartung um bis zu fünf Jahre verlängert. Auch die Psyche profitiert von der feuchten Sympathiebekundung. Die Verhaltensforscherin Elisabeth Oberzaucher erklärt: »Beim Küssen werden Endorphine ausgeschüttet; gleichzeitig entsteht durch den Kuss eine besondere Bindung zwischen zwei Menschen und diese Kombination löst ein starkes Glücksgefühl aus.«
Wer hat’s erfunden?
Bei der Frage, warum wir uns eigentlich küssen, streiten sich die Evolutionsforscher. Das eine Lager ist überzeugt, dass das Küssen ein Überbleibsel der ritualisierten Fütterung ist. Früher zerkauten die Mütter nämlich die Nahrung für ihre Kinder und gaben sie von Mund zu Mund an sie weiter. Weil das eine sehr angenehme Erfahrung war, wurde sie einfach in Form von Küssen beibehalten.
Die zweite Gruppe sieht das Küssen als eine Art Prüfung, bei der wir anhand des Speichelgeschmacks testen, ob unser Immunsystem mit dem des Partners harmoniert. Bei der Partnerwahl bevorzugen wir intuitiv Küsser mit einem Immunsystem, das unserem eigenen nicht entspricht, und erhöhen so die Lebenserwartung unseres Nachwuchses.
Reine Gefühlssache
Wann ist denn nun der richtige Zeitpunkt für den ersten Kuss und wie lange soll er dauern? Den Kuss- Rekord von 31 Stunden, den ein englisches Pärchen aufgestellt hat, sollte man sich nicht zum Vorbild nehmen, aber prinzipiell gibt es keine Richtlinie dafür, wie intensiv der erste Kuss sein sollte. Er darf ruhig leidenschaftlich sein, aber nicht zu draufgängerisch, sonst läuft man Gefahr, den Anderen zu verschrecken. Ratsam ist es, sich nicht allzu viele Gedanken zu machen.
Klar, der erste Kuss ist ein besonderer Moment, aber wer allzu viel darüber nachdenkt, zerstört die Atmosphäre. Am besten einfach auf die Intuition vertrauen und den Augenblick genießen. Beruhigend für alle, die sich für schlechte Küsser halten: Sigmund Freud war der Meinung, Küssen sei ein Instinkt, der uns angeboren ist – schlechte Küsser gibt es demnach also gar nicht.
Mille baci, grosses bises
Küssende Pärchen im Park gehören bei uns zum Stadtbild. In Japan sind sie undenkbar, denn im Land des Lächelns gelten selbst Wangenküsse als höchste Intimität, Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit sind tabu. Ganz anders in Frankreich: 85 Prozent der Franzosen gaben bei einer Umfrage an, sich für die weltweit besten Küsser zu halten.
Kein Wunder, dass der Zungenkuss im Englischen »French Kiss« genannt wird. Uns Deutschen dagegen fehlt es leider an Selbstbewusstsein – nur 30 Prozent halten sich für Knutsch-Weltmeister.











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