Die Klimakämpfer
Beamtin, Demonstrant, Ingenieur und Schüler: Vier Wege, für Klimaschutz zu kämpfen.
Vier ganz unterschiedliche Arten, sich für das Klima einzusetzen: Der Schüler Felix schreibt Briefe, um die Entscheider zu mehr Klimaschutz zu bewegen.
Nairobi war für Nicole Wilke die Hölle. 2007 findet dort die Klimakonferenz statt. Wilke verhandelt für Deutschland. Draußen ist es drückend heiß, drinnen eisige Klimaanlagenluft. Die Verhandlungen ziehen sich bis spät in die Nacht, und dann hatte Wilke auch noch was Schlechtes gegessen. Da werden ihr die Knie weich, sie kippt um. Die Sache ist ihr bis heute peinlich. Nairobi, Bali, Bangkok. Wenn über die Klimaerwärmung verhandelt wird, ist es draußen meistens
tropisch. Drinnen sitzen Vertreter von 190 Staaten – genervt von den zähen ebatten. Die Konferenzen dauern zwei Wochen, aber die große Politik reist erst später an. Bevor die Umweltminister das Abschlusspapier unterschreiben, müssen Nicole Wilke und ihre Kollegen ihren Job gemacht haben.
Ihr Job? Deutschlands Handschrift unter den 190 Unterzeichnern so deutlich wie möglich zu setzen. Das heißt: andere von den hehren Zielen der Bundesrepublik zu überzeugen. Deutschland will meistens viel mehr Klimaschutz, als am Ende als
Kompromiss herauskommt. Nicole Wilke muss die anderen treiben, gegen die Industrielobby kämpfen, China und die USA überzeugen.
Viel Verantwortung für eine Beamtin. Wilke ist 46, sie leitet das Referat mit der Kennziffer Kl II 6 im Bundesumweltministerium, Unterabteilung Internationaler Klimaschutz. Deutschlands Stimme im weltweiten Reisezirkus mit dem Projekt Klimarettung. Wilke ist eine Frau, die bestimmt auftritt und gleichzeitig Feingefühl hat – sagen zumindest gleichermaßen Wirtschaftsvertreter und Umweltschützer, und dann muss es ja wohl stimmen.
Jetzt reist sie nach Kopenhagen, zusammen mit knapp 20 Experten der deutschen Delegation. Sie will wieder etwas herausholen. Und: bloß nicht umkippen. Aber der Dezember in Dänemark ist nicht so heiß.
Der Kampf in klimatisierten Verhandlungssälen ist nicht die Sache von Simon Straub. Straub ist 22 Jahre alt und studiert Politikwissenschaft in Berlin. Schon früh engagierte er sich im Bund Naturschutz, seit einiger Zeit auch bei der Organisation »Klimapiraten«. Und: Simon Straub wird nach Kopenhagen fahren und dort auf die Barrikaden gehen. Er und seine Mitstreiter aus der ganzen Welt planen einen alternativen Gipfel, auf dem weniger gestritten wird. Mit Straßenaktionen wollen sie provozieren, Kopenhagen soll nicht als die verpasste Chance im Gedächtnis bleiben. Am 16. Dezember, wenn die hohe Politik eintrifft, wollen sie aufs Konferenzgelände stürmen und eine »People’s Assembly« abhalten. »Wenn wir den Klimawandel verhindern wollen, müssen wir es jetzt tun«, sagt er. »Uns bleibt nicht mehr viel Zeit.« Wenn sich die Staatenlenker in Kopenhagen nicht einig werden, werde man schnell nicht nur ökologische Folgen sehen. »Das wird zu sozialen Konflikten führen«, sagt Straub. »Viele Menschen werden ihre Lebensgrundlage verlieren, es wird zu Kriegen um Wohlstand kommen.«
Simon Straub kann überzeugen. Viele seiner Freunde hatten bis dato mit Klimaschutz nichts zu tun – dank ihres Kumpels Simon kommen sie jetzt mit nach Kopenhagen. »Die Hälfte des Stroms können wir mit Wind erzeugen«, sagt Dietrich von Tengg-Kobligk. »Aber sicher.« Klingt verdammt ehrgeizig. Zum Vergleich: 2007 waren es 6,4 Prozent. »Wir können nicht nur, wir müssen«, sagt Tengg-Kobligk. Wenn man mit Dietrich von Tengg-Kobligk spricht, weht ein Hauch Begeisterung durchs Telefon. Der Mann mit dem schwierigen Namen bastelt an der Zukunft. Die Energie der Zukunft – davon ist der 43-Jährige überzeugt – liegt in der Luft, man muss sie nur einfangen. Dafür baut Tengg-Kobligk Windräder.
1999 startet er mit kleineren Anlagen. Die rot-grüne Bundesregierung beginnt, Windkraft zu subventionieren. Seit 2007 arbeitet Tengg-Kobligk für die Firma »Umweltplan« in Brandenburg. Ein Unternehmen, das nicht nur Windräder herstellt, sondern auch ganze Anlagen selbst betreibt. Für Tengg-Kobligk ist es mehr als ein Beruf. Sein Szenario: Schon jetzt beginnt der Klimawandel, der November war drei Grad zu warm. Der Katastrophe könne Deutschland nur mit 100 Prozent erneuerbaren Energien entgehen, sagt Tengg-Kobligk. Er will weiter Windparks bauen, natürlich. »Wir müssen uns umstellen«, sagt er. »Wir leben bald umgeben von Windrädern.«
Wenn Felix Finkbeiner aus Starnberg den Mund aufmacht, fällt es einem schwer zu glauben, dass er erst zwölf Jahre alt ist. Zahlenkolonnen sprudeln förmlich aus ihm heraus. Er weiß genau, wie viel CO2 die Menschen in welchem Land der Erde noch einsparen müssen, dass ein Amerikaner so viele Emissionen verursacht wie 40 Afrikaner und was zu tun ist, um den Klimawandel noch zu stoppen. »Tut endlich was«, schreit der Junge der Welt entgegen. Es geht schließlich um die Welt, in der Felix einmal leben soll.
Felix weiß ziemlich viel für sein Alter. Mehr als viele Erwachsene je wissen werden. Aber Felix belässt es nicht dabei, er ist kein Neunmalkluger, der seine Klassenkameraden nervt, kein Streber. Felix fordert »gleiche Verschmutzungsrechte für alle Länder« und schreibt Briefe ans Umweltministerium, an die Europäische Kommission, an die UN. Gut möglich, dass Nicole Wilke schon mal Post von ihm bekommen hat. Und er pflanzt Bäume. Massenweise. Er und seine Freunde von »Plant for the Planet« haben sich das Ziel gesetzt, bis zur Klimakonferenz in Kopenhagen eine Million Bäume zu pflanzen. Wie zu hören ist, sind sie gut dabei. »Aber wenn alles nichts bringt«, sagt Felix, »dann gehen wir mit 100.000 Schülern auf die Straße.«
tropisch. Drinnen sitzen Vertreter von 190 Staaten – genervt von den zähen ebatten. Die Konferenzen dauern zwei Wochen, aber die große Politik reist erst später an. Bevor die Umweltminister das Abschlusspapier unterschreiben, müssen Nicole Wilke und ihre Kollegen ihren Job gemacht haben.
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Kompromiss herauskommt. Nicole Wilke muss die anderen treiben, gegen die Industrielobby kämpfen, China und die USA überzeugen.
Viel Verantwortung für eine Beamtin. Wilke ist 46, sie leitet das Referat mit der Kennziffer Kl II 6 im Bundesumweltministerium, Unterabteilung Internationaler Klimaschutz. Deutschlands Stimme im weltweiten Reisezirkus mit dem Projekt Klimarettung. Wilke ist eine Frau, die bestimmt auftritt und gleichzeitig Feingefühl hat – sagen zumindest gleichermaßen Wirtschaftsvertreter und Umweltschützer, und dann muss es ja wohl stimmen.
Jetzt reist sie nach Kopenhagen, zusammen mit knapp 20 Experten der deutschen Delegation. Sie will wieder etwas herausholen. Und: bloß nicht umkippen. Aber der Dezember in Dänemark ist nicht so heiß.
„Wir leben bald umgeben von Windrädern”
Der Kampf in klimatisierten Verhandlungssälen ist nicht die Sache von Simon Straub. Straub ist 22 Jahre alt und studiert Politikwissenschaft in Berlin. Schon früh engagierte er sich im Bund Naturschutz, seit einiger Zeit auch bei der Organisation »Klimapiraten«. Und: Simon Straub wird nach Kopenhagen fahren und dort auf die Barrikaden gehen. Er und seine Mitstreiter aus der ganzen Welt planen einen alternativen Gipfel, auf dem weniger gestritten wird. Mit Straßenaktionen wollen sie provozieren, Kopenhagen soll nicht als die verpasste Chance im Gedächtnis bleiben. Am 16. Dezember, wenn die hohe Politik eintrifft, wollen sie aufs Konferenzgelände stürmen und eine »People’s Assembly« abhalten. »Wenn wir den Klimawandel verhindern wollen, müssen wir es jetzt tun«, sagt er. »Uns bleibt nicht mehr viel Zeit.« Wenn sich die Staatenlenker in Kopenhagen nicht einig werden, werde man schnell nicht nur ökologische Folgen sehen. »Das wird zu sozialen Konflikten führen«, sagt Straub. »Viele Menschen werden ihre Lebensgrundlage verlieren, es wird zu Kriegen um Wohlstand kommen.«
Simon Straub kann überzeugen. Viele seiner Freunde hatten bis dato mit Klimaschutz nichts zu tun – dank ihres Kumpels Simon kommen sie jetzt mit nach Kopenhagen. »Die Hälfte des Stroms können wir mit Wind erzeugen«, sagt Dietrich von Tengg-Kobligk. »Aber sicher.« Klingt verdammt ehrgeizig. Zum Vergleich: 2007 waren es 6,4 Prozent. »Wir können nicht nur, wir müssen«, sagt Tengg-Kobligk. Wenn man mit Dietrich von Tengg-Kobligk spricht, weht ein Hauch Begeisterung durchs Telefon. Der Mann mit dem schwierigen Namen bastelt an der Zukunft. Die Energie der Zukunft – davon ist der 43-Jährige überzeugt – liegt in der Luft, man muss sie nur einfangen. Dafür baut Tengg-Kobligk Windräder.
1999 startet er mit kleineren Anlagen. Die rot-grüne Bundesregierung beginnt, Windkraft zu subventionieren. Seit 2007 arbeitet Tengg-Kobligk für die Firma »Umweltplan« in Brandenburg. Ein Unternehmen, das nicht nur Windräder herstellt, sondern auch ganze Anlagen selbst betreibt. Für Tengg-Kobligk ist es mehr als ein Beruf. Sein Szenario: Schon jetzt beginnt der Klimawandel, der November war drei Grad zu warm. Der Katastrophe könne Deutschland nur mit 100 Prozent erneuerbaren Energien entgehen, sagt Tengg-Kobligk. Er will weiter Windparks bauen, natürlich. »Wir müssen uns umstellen«, sagt er. »Wir leben bald umgeben von Windrädern.«
Wenn Felix Finkbeiner aus Starnberg den Mund aufmacht, fällt es einem schwer zu glauben, dass er erst zwölf Jahre alt ist. Zahlenkolonnen sprudeln förmlich aus ihm heraus. Er weiß genau, wie viel CO2 die Menschen in welchem Land der Erde noch einsparen müssen, dass ein Amerikaner so viele Emissionen verursacht wie 40 Afrikaner und was zu tun ist, um den Klimawandel noch zu stoppen. »Tut endlich was«, schreit der Junge der Welt entgegen. Es geht schließlich um die Welt, in der Felix einmal leben soll.
Felix weiß ziemlich viel für sein Alter. Mehr als viele Erwachsene je wissen werden. Aber Felix belässt es nicht dabei, er ist kein Neunmalkluger, der seine Klassenkameraden nervt, kein Streber. Felix fordert »gleiche Verschmutzungsrechte für alle Länder« und schreibt Briefe ans Umweltministerium, an die Europäische Kommission, an die UN. Gut möglich, dass Nicole Wilke schon mal Post von ihm bekommen hat. Und er pflanzt Bäume. Massenweise. Er und seine Freunde von »Plant for the Planet« haben sich das Ziel gesetzt, bis zur Klimakonferenz in Kopenhagen eine Million Bäume zu pflanzen. Wie zu hören ist, sind sie gut dabei. »Aber wenn alles nichts bringt«, sagt Felix, »dann gehen wir mit 100.000 Schülern auf die Straße.«
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