Das kauft dir doch keiner ab
Der Handel beschäftigt jeden zehnten Arbeitnehmer. Ein guter Grund, einzusteigen.
Der Handel ist ein interessantes Gewerbe. (Illustration: Jakob Hinrichs)
Wenn Katharina Funke ihren Arbeitstag beginnt, liegen andere Studenten noch im Bett. Die 24-jährige Studentin aus Bonn schließt um 6.30 Uhr am Morgen ihre dm- Filiale in Berlin auf. Was nun folgt, ist für die junge Frau schon Routine: Licht anmachen, Ware annehmen und auffüllen, auf dem Dienstplan schauen, wer von den Kollegen heute kommt. Zwanzig Wochen im Jahr arbeitet die Studentin bei dm, die restliche Zeit büffelt sie an der Alanus-Hochschule in Alfter für ihr BWL-Studium »Wirtschaft neu denken «.
Doch Katharina ist keine gewöhnliche BWL-Studentin, die nur Theorie lernt. Wie viele Studenten, die später einmal im Handel tätig sein möchten, absolviert sie einen sogenannten dualen Studiengang, der Theorie und Praxis miteinander verbindet. Wie jeder andere BWL-Student setzt sich auch Katharina an der Uni mit Fächern wie Marketing, Mathematik oder Wirtschaftsinformatik auseinander.
Auch Regale einräumen gehört dazu
Wenn andere aber frei haben und ihre Semesterferien genießen, dann steht Katharina in einer dm-Filiale und macht das, was in einem Drogeriemarkt anfällt: »Regale einräumen, Kassieren, Waren annehmen. Aber ich übernehme auch Filialleiteraufgaben oder bin mal im Logistikzentrum oder in der Personalabteilung in der Zentrale in Karlsruhe tätig«, sagt die 24-Jährige.
Katharina gehört zu den rund vier Millionen Mitarbeitern, die momentan im deutschen Handel beschäftigt sind. Allein 180.000 davon sind Auszubildende, rund 80.000 von ihnen beginnen jährlich eine Ausbildung in einem Kaufhaus oder einem Drogeriemarkt. Mit dieser stolzen Zahl gehört der Handel zu den wichtigsten Arbeitgebern und Ausbildern in Deutschland, rund zehn Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland sind hier beschäftigt. Und darum geht es im Handel: Es wird gekauft und verkauft. Für Einzelkunden wie du und ich, aber auch für Betriebe. Und so gehören sowohl der Tante-Emma-Laden um die Ecke, das große Kaufhaus in der Stadt, dein Supermarkt, aber auch Bäcker, Autohändler und große Wirtschaftsunternehmen zur Branche.
Attraktive Branche
Die große Auswahl an Beschäftigungsmöglichkeiten macht die Handelsbranche für Schulabgänger attraktiv. Egal, ob ein junger Mann später einmal als Einzelhandelskaufmann arbeiten möchte, oder ob ein Mädchen als Drogistin ihr Geld verdienen will, für beinahe jeden ist in der Handelsbranche etwas dabei. So bietet allein die Metro Group (Media Markt, Kaufhof) rund 25 verschiedenen Ausbildungsberufe im Bereich Handel an. Wichtig sei vor allen Dingen, dass Berufstätige im Handel gut mit Menschen umgehen können, betont Stefan Noppenberger, der bei der Metro Group für die Berufsausbildung zuständig ist.
»Die Soft Skills sind gerade im Handel sehr wichtig«, erklärt er. »Eine Verkäuferin muss zum Beispiel gut auf Menschen zugehen können, sie muss nett und freundlich sein und gut zuhören können.« Aus diesem Grund schaut die Metro Group nicht nur auf die schulischen Noten, sondern achtet auch darauf, ob jemand einmal Klassensprecher war, ehrenamtlich tätig war oder während der Schulzeit ein Praktikum absolviert hat. »Natürlich kommt es immer auch darauf an, was jemand später werden möchte«, erklärt Noppenberger, »ein Einzelhandelskaufmann kann zum Beispiel keine fünf in Mathe haben.«
Beliebte Ausbildung
Obwohl viele in der Schule mit Mathe zu kämpfen hatten, zählt der Ausbildungsberuf zum Einzelhandelskaufmann oder zur Einzelhandelskauffrau zu einem der beliebtesten Ausbildungsberufe im Handel. Aber auch andere Ausbildungsberufe kann man im Handel erlernen, wie beispielsweise den Beruf zum Fachverkäufer, zum Drogisten oder Bürokaufmann. Wer ein bisschen kreativer sein möchte, für den gibt es noch etliche weitere Berufe, zum Beispiel Änderungsschneider oder Koch.
Die Ausbildungen dauern in der Regel drei Jahre und werden entsprechend bezahlt. Voraussetzung für eine Ausbildung ist mindestens der Hauptschulabschluss, teilweise wird auch die Mittlere Reife verlangt. Auch für Abiturienten ist der Bereich Handel und Wirtschaft attraktiv. So gibt es für Abiturienten die Möglichkeit in einem BWL- oder Wirtschaftsstudium die Grundlagen des Handels zu erlernen.
Weitere Möglichkeiten bietet ein Wirtschaftspädagogikstudium oder der Studiengang Wirtschaftsprüfung. Aber auch duale Studiengänge wie sie dm, die Metro Group und viele andere Handelsunternehmen in Zusammenarbeit mit Fachhochschulen und Universitäten anbieten, sind für Hochschulberechtigte interessant, vereinen diese Studiengänge doch Theorie und Praxis miteinander. Und genau aus diesem Grund schließt Katharina Funke an diesem Morgen die dm-Filiale auf, während andere Studenten noch schlafen.











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