Irgendwas mit Medien
Medien bestimmen den Alltag von Jugendlichen, viele träumen von einem Medien-Job.
Langweilig wird es in der Medien-Branche nicht. Illustration: Jakob Hinrichs
Annas Terminkalender ist ein Kapitel für sich. Montag, Dienstag, Mittwoch – keine Zeit. Donnerstag? Vielleicht ein Treffen gegen fünf, da ist noch eine Stunde Luft. Das Wochenende jedenfalls ist schon verplant. Aber Anna macht das nichts aus. Im Gegenteil: Sie ist gerne unterwegs. Morgens in Bonn, mittags in Köln, abends in Essen – für die 25-Jährige ist das ganz normal, denn es gehört zu ihrem Beruf. Anna Kuhn-Osius arbeitet als freie Journalistin – und sie liebt ihren Job. »Ich sitze nicht nur im Büro, sondern gehe auch raus, mache Reportagen «, erzählt die 25-Jährige, die vor allem für den Auslandsrundfunk Deutsche Welle arbeitet. »Ich liebe es, Geschichten zu erzählen, zu schreiben, immer wieder neue Dinge zu lernen, neue Themen zu bearbeiten. Und ich wollte einen kreativen Beruf, in dem ich nicht von morgens bis abends im Büro sitzen muss, sondern Menschen treffen und reisen kann.«
Bevor Anna als Reporterin beim Radio anfing, musste sie erst einmal eine ganze Menge leisten. Anna hat ein sehr gutes Abitur gemacht und mit ihrer Spitzennote einen der begehrten Journalistik- Studienplätze an der Universität Dortmund ergattert. »In Deutschland gibt es Hunderte kommunikationswissenschaftliche Medien-Studiengänge, aber viele davon sind weit vom praktischen Arbeiten entfernt«, erzählt sie. »Der Studiengang in Dortmund ist vom ersten Tag an sehr nah an der Praxis – und vor allem: Ein Redaktionsvolontariat ist in den Studiengang integriert. Ohne Volo geht im Journalismus gar nichts!«
Die Auftragslage schwankt
Ein Jahr lang hat Anna beim WDR in verschiedenen Radio- und Fernsehredaktionen gearbeitet, den journalistischen Alltag kennen gelernt und bestimmte Themen und Techniken in Seminaren vertieft: Wie man ein Interview führt zum Beispiel, oder was einen guten Fernsehbeitrag ausmacht. »Davon habe ich sehr profitiert«, sagt Anna. Noch während des Studiums konnte sie nebenbei für verschiedene Rundfunkanstalten arbeiten. Inzwischen hat sie ihr Diplom in der Tasche und arbeitet ganz offiziell als »Freie«. »Ich habe monatlich kein festes Gehalt, sondern werde nur für die Tage bezahlt, an denen ich auch wirklich gearbeitet habe«, erzählt Anna. »Da gibt es Monate, in denen ich mich totarbeite, und Monate, in denen ich nicht so viel zu tun habe. Ich bin immer abhängig von den fest angestellten Redakteuren.«
Einer dieser fest angestellten Redakteure ist Roman Stumpf. Der 31-Jährige arbeitet in der Redaktion »Wirtschaft und Recht« des WDR. Er plant Sendungen wie »Markt«, spricht die einzelnen Fernsehbeiträge mit den Reportern ab und ist für die Themenwahl verantwortlich. »Ich kann bei meiner Arbeit oft auf das zurückgreifen, was ich im Studium gelernt habe«, erzählt Roman. Im Gegensatz zu Anna hat er sich für ein Fachstudium entschieden und Jura studiert. Nach dem Examen folgte ein Volontariat beim WDR – und die Übernahme als Redakteur. »In unseren Sendungen geht es oft um Rechtsprobleme – da ist es gut zu wissen, wie der Hase läuft«, sagt Roman.
Der Verdienst ist bescheiden
Auch für ihn ist die Arbeit als Redakteur ein Traumberuf. Aber Roman hat auch die Nachteile der Branche kennen gelernt »Der Medienbereich gehört zu einer der härtesten Berufsbranchen. Man muss mit dem Herzen dabei sein und braucht viel Energie. Außerdem sollte man kritikfähig sein und mit Rückschlägen umgehen können. Es gibt kaum feste Stellen, und von denen werden zurzeit viele gestrichen. Die Stellen, die übrig bleiben, sind oft befristet – und nicht sonderlich gut bezahlt.« Gerade einmal 3000 Euro brutto verdient ein ausgebildeter Redakteur in den ersten Berufsjahren im öffentlich- rechtlichen Rundfunk – nach abgeschlossenem Hochschulstudium und Volontariat.
Dennoch ist das Interesse an Medienberufen in den vergangenen Jahren gestiegen – und damit auch die Zahl der Ausbildungsangebote. Neben den schon länger bestehenden Studiengängen wie Journalistik und Kommunikationswissenschaft wurden neue Studiengänge wie Medienmanagement, Medienwirtschaft und Medieninformatik entwickelt. Für Absolventen der eher technischen Studiengänge seien die Berufsaussichten besser als für die der künstlerisch-gestalterischen, sagt Benno Stein, Dekan der Medien-Fakultät der Universität Weimar. Vor allem Medieninformatiker seien gefragt. Aber auch die Absolventen des Studiengangs Medienkunst/Mediengestaltung hätten gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Sie sind zum Beispiel als Selbstständige in Medienagenturen tätig.
Technikfreaks sind gefragt
Wer lieber im kreativen Bereich arbeitet, muss sich trotzdem immer häufiger auch mit der Technik auseinandersetzten. Andrea Rönsberg zum Beispiel arbeitet als Radiomoderatorin für die Deutsche Welle. Dass sie ein Mischpult bedienen kann, ist für die 34-Jährige selbstverständlich. Auch mit Schnittprogrammen für Hörfunkbeiträge kennt sie sich aus. Schließlich kann es immer einmal vorkommen, dass sie kurz vor Beginn einer Sendung noch spontan einen Beitrag kürzen muss – auch wenn das mit ihrer eigentlichen Arbeit wenig zu tun hat. Weil viele Unternehmen sparen wollen, übernehmen auch Redakteure immer häufiger technische Aufgaben: das Layouten von Zeitungsartikeln, die Produktion von Hörfunkbeiträgen, das Drehen von Fernsehbeiträgen. Und wer als freier Reporter nicht nur texten, sondern auch filmen und produzieren kann, steigert seinen Marktwert.
Kein Wunder, dass sich auch Anna Kuhn-Osius mit der Technik vertraut macht. Sie produziert ihre Hörfunkbeiträge oft selbst. Das hat für sie immerhin den Vorteil, dass sie keinen Techniker braucht – vor allem, wenn sie unterwegs ist. »Ich würde gerne längere Reportagen machen, sowohl aus anderen Ländern als auch aus Deutschland«, sagt Anna und arbeitet zielstrebig darauf hin. Von den eher mäßigen Jobaussichten will sie sich nicht abschrecken lassen. »Gute Journalisten«, sagtsie, »werden immer gebraucht!« Und Annas Terminkalender kann sich sehen lassen.











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SVEN
Er spiegelt sehr gut die Realität im Berufsalltag dort wieder!!!
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